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Reisetagebuch 
Dies ist das online Tagebuch unserer aktuellen Reise und deren Vorbereitungen. Wir werden versuchen, so oft es geht neue Berichte für die Daheimgebliebenen zu schreiben und von unseren Erlebnissen zu berichten.
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21.09.2007 - Location: Waibstadt
Always on the run...

Seit drei Wochen sind wir nun schon wieder in Deutschland.

Lange genug, finden wir :-) !!!

Weil wir immer noch nicht genug haben vom Reisen haben wir soeben die Motorräder wieder bepackt. Keine Angst, es geht nicht schon wieder auf eine Langzeitreise, es wird "nur" ein ganz normaler Urlaub. Wir haben noch Zeit und Geld, und so frei wie im Moment werden wir wohl nie mehr sein. Und das nutzen wir aus, der Stress und das normale Arbeitsleben beginnen noch früh genug...

Wir starten morgen zu einer Tour durch Süddeutschland. Wir besuchen alte Freunde von früher und neue von unterwegs. Anschliessend geht' s durch Österreich Richtung Kroatien. Zwei oder drei Wochen wollen wir unterwegs sein und nochmal Sonne tanken und Fahrtwind spüren. So ist zumindest im Moment unser Plan. Mit Plänen ist das allerdings so eine Sache. Plans do not exist very long on the road....

Mal gucken was draus wird. Und hoffentlich macht uns die XT keinen Strich durch die Rechnung. Die zickt nämlich ganz schön rum, seit wir wieder in der Heimat sind. Sie ruckelt beim konstanten Fahren und lässt sich durch nichts davon abbringen. Neue Zündkerze, neuer Luftfilter, Ventile eingestellt, Vergaser ausgebaut und von mehrern Kilo Sand befreit, und und und. Alles das hat nix geholfen. Aber wir fahren trotzdem! Als anständige Deutsche sind wir schließlich im ADAC, also was soll schon passieren :-).

Jetzt muss also nur noch das Wetter mitspielen, und dann sind wir wieder on the road!


Kirsten und JörgKommentare: 1     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
11.09.2007 - Location: Waibstadt
Das letzte Kapitel

Hallo alle zusammen!

Es wird Zeit für einen letzten Reisebericht. Wir sind zwar schon seit einigen Tagen nicht mehr on the road, wollen aber doch noch vom letzten Kapitel unserer Reise berichten.

Russland hatten wir ja in einer ziemlichen Gewaltaktion durchquert, 7500 km in 15 Tagen. Wir wollten unbedingt pünktlich zum MRT nach Gieboldehausen kommen, deshalb haben wir so sehr Gas gegeben. Das hat uns ein bisschen Luft verschafft, und so konnten wir es dann auf dem restlichen Weg etwas ruhiger angehen lassen.

In Lettland haben wir erst mal ein paar Tage mit Nichtstun verbracht. Wir waren in einem kleinen Ort mitten in Lettland und haben es uns gut gehen lassen. Schönes Hotel, tolle Dusche, weiches Bett, lecker Essen... Traumhaft! War auch bitter nötig nach den anstrengenden Tagen auf der russischen Transitstrecke! Lettland hat uns sehr angenehm überrascht. Die Landschaft ist zwar nicht spektakulär, aber schön genug um dort richtig Urlaub zu machen. Es gibt viel Wald, Seen und eine weitgehend unverbaute Küste. Die Orte haben oft einen alten, gemütlichen Stadtkern, die Leute sind nett, und insgesamt wirkt alles freundlich und aufgeräumt. Außerdem ist das Preisniveau erfreulich niedrig. Vieles in Lettland hat uns an Norwegen oder Schweden erinnert, nur nicht so teuer. Wir hatten noch Zeit, also haben wir noch ein paar Tage an der Ostseeküste verbracht, endlich mal wieder im Zelt. Herrlich, den ganzen Tag bei bestem Wetter faul am Strand zu liegen oder spazieren zu gehen, und das völlig ohne Sonnenschirmverleih oder Eisverkäufer! Wer mal ruhigen entspannten Urlaub machen will, dem können wir Lettland nur empfehlen.


Ostseeküste in Lettland

Wir sind dann weiter nach Süden entlang der Ostseeküste gefahren, dann aber in Litauen wieder ins Landesinnere abgebogen. Wenn man weiter der Küste folgt, kommt man in eine russische Enklave, nach Kaliningrad. Das hätte uns zwar interessiert und wir hätten auch noch Zeit gehabt, sogar unser Visum wäre noch gültig gewesen. Aber wir hatten einfach keine Lust mehr auf stundenlange Grenzabfertigung und wollten definitiv nicht mehr zurück nach Russland.

Irgendwie war das komisch mit Russland. Wir hatten so viel von der russischen Gastfreundschaft gelesen und jede Menge Leute getroffen, die von diesem Land total begeistert gewesen sind. Bei uns war es völlig anders. Wir haben uns in Russland nie wohl gefühlt. Die meisten Menschen, die uns begegnet sind waren unfreundlich, warum auch immer. Es war immer schwierig, einen Platz zum Übernachten zu finden. Das Essen war, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Die Strassen sind schlecht, das Wetter auch, vieles ist in einem völlig maroden Zustand. Dabei zahlt man für alles richtig viel Geld, eine billige Fernfahrer-Absteige mit Plumpsklo gibt es kaum unter 25 oder 30 Euro. Aber am meisten hat uns die weit verbreitete "Njet"-Mentalität gestört. Egal was man möchte, es heißt immer njet! Vielleicht lag es ja auch an uns, wir haben uns immer wieder gefragt, was wir falsch machen.

Jedenfalls wollten wir nicht zurück nach Russland, deshalb haben wir diese Enklave an der Ostsee umfahren. Es gibt nur einen schmalen Streifen, an dem Litauen an Polen grenzt, dort sind wir über die Grenze gefahren. Sämtliche Grenzübertritte waren völlig ohne Probleme. Europa halt :-) ! Man muss höchstens mal den Personalausweis vorzeigen, dann geht?s schon weiter. Ist schon toll, frei von einem Land zum nächsten fahren zu können, ohne sich stundenlang mit Grenzbeamten und Zöllnern rumschlagen zu müssen. Das wissen wir jetzt noch mehr zu schätzen als vor dieser Reise.

Aber es hat natürlich nicht nur Vorteile, wieder in Europa zu sein. Was uns direkt aufgefallen ist, sind die Unmengen von Ampeln und vor allem Verkehrs- und Verbotsschildern, die überall rumstehen. Irre, was alles verboten ist! Plötzlich durften wir in keinen Waldweg mehr reinfahren und nirgends mehr zelten. Wir mussten uns regelrecht wieder an europäische Verkehrsregeln gewöhnen! So ganz klappt es immer noch nicht :-).

In Polen haben wir einige Tage in der masurischen Seenplatte verbracht. Auch hier ist die Landschaft wieder sehr schön, aber es ist alles sehr touristisch und für unseren Geschmack zu voll. Aber man findet immer noch ruhige Fleckchen, wenn man ein paar Strassen abseits vom Touristenrummel fährt. Polen hat uns teilweise sehr gut gefallen, dabei hatten wir von diesem Land eigentlich gar nicht viel erwartet. Vielleicht war das gerade gut so.


im masurischen Seengebiet

Und irgendwann war es dann soweit. Wir konnten und wollten nicht noch mehr Zeit "vertrödeln", schließlich wollten wir ja pünktlich in Gieboldehausen beim MRT sein. Nach fast 6 Monaten Reise standen wir also an der deutsch-polnischen Grenze. Das war schon ein bisschen aufregend. Außerdem hatten wir Bammel, das uns die deutsche Polizei direkt entsprechend begrüßt, denn unsere Motorräder waren (sind...) alles andere als TÜV-konform. Z.B. war auf der Africa Twin vorne ein Straßenreifen, hinten Stolle. Sowas sieht man natürlich ohne Brille und das führt in einer Verkehrskontrolle zur sofortigen Stilllegung! Welch eine Horrorvorstellung! 6 Monate Reise und dann kurz vor dem Ziel gestoppt von der deutschen Polizei... Wir haben uns an der Grenze so hingestellt, dass die XT die A-Twin ein bisschen verdeckt hat, und der Typ hat zum Glück nicht so genau hingeguckt. Wir sind dann so schnell wie möglich abgehauen, aber nur, um ein paar hundert Meter weiter bereits unsere nächste Straftat zu begehen: Parken auf der Autobahn! Streng verboten!


wieder in Deutschland

Unsere erste Station in der Heimat war ein ruhiger Campingplatz irgendwo an der Spree. Total unwirklich, wieder in Deutschland zu sein. Wir haben uns natürlich gefreut, aber gleichzeitig waren wir auch echt traurig. Man kann das gar nicht beschreiben, eigentlich lebt man in diesen Tagen in einem ziemlichen Gefühlschaos. Freunde und Familie wieder zu sehen ist toll, aber die Vorstellung, dass in ein paar Tagen alles vorbei ist und das "normale" Leben wieder beginnt ist komisch. Man gewöhnt sich so schnell an das Unterwegssein, wir konnten uns gar nicht vorstellen, bald wieder fest irgendwo zu wohnen oder gar arbeiten zu gehen und jeden Tag das gleiche zu machen.

In Lutherstadt Wittenberg an der Elbe haben wir noch mal einen Zwischenstopp eingelegt. Die Sache mit den Reifen war uns doch irgendwann zu heikel geworden. Von Lettland aus hatten wir deshalb bei unserem Reifensponsor angerufen und tatsächlich noch mal je einen Satz Michelin Anakee ordern können :-). Die lagen wie vereinbart bei einem Reifenhändler in Wittenberg, wo wir sie aufgezogen haben und somit wenigstens wieder auf den ersten Blick den deutschen Bestimmungen entsprochen haben. Nebenbei haben wir uns noch Wittenberg angeschaut, wo Luther 1517 seine Thesen an die Schlosskirche genagelt hat. Selbst wir bekennenden Kulturbanausen waren beeindruckt! Auch das ist etwas, was wir an Europa wirklich schätzen. Es gibt überall alte Geschichte und vor allem eine gewachsenen Kultur, wie kaum in einem anderen Kontinent.


Marktplatz in Wittenberg

Von Wittenberg war es dann nicht mehr weit bis nach Gieboldehausen. Freitag Nachmittag sind wir wie geplant dort angekommen. Mario, ein Motorradreisender der ebenfalls direkt aus Ulan Bator kam, aber eine andere Route genommen hatte, war bereits dort, und im Laufe des Abends sind viele Freunde und Bekannte eingetrudelt. Es war richtig schön, so viele Leute wieder zu sehen :-). Alle wollten unsere Geschichten hören, aber wir wussten nicht so recht, was wir erzählen sollen. Wo soll man bloß anfangen? Wir sind so voll mit Geschichten, Bildern, Erlebnissen, das muss sich erst mal alles setzen und im Inneren ein bisschen sortiert werden. Aber das beste war folgendes Willkommensgeschenk:


endlich wieder deutsches Klopapier !!!!!

Nach dem MRT in Gieboldehausen sind wir bei unseren Familien vorbei gefahren, und haben dann noch einen unplanmäßigen Abstecher nach Aachen, in die "alte Heimat" gemacht. Der Kettensatz der Africa Twin musste getauscht werden und außerdem stellte sich heraus, dass das Lenkkopflager doch ziemlich massakriert war nach den vielen schlechten Pisten. Und natürlich musste Jörg dafür unbedingt zu seinem Laib- und Magenschrauber fahren. Anderen vertraut er sowieso nicht, wenn er es nicht selber macht. Die XT haben wir allerdings noch nicht in eine Werkstatt gebracht, das hat noch Zeit.

Insgesamt haben beide Motorräder die Reise wirklich gut überstanden. Es gab keine größeren Defekte, wir haben uns unterwegs auf die nötigsten Wartungsarbeiten wie Ölwechsel beschränkt, das war auch schon alles. Wir haben mit der XT eine wirklich gute Wahl getroffen. Für Fernreisen ist sie ein nahezu perfektes Motorrad: leicht, zuverlässig, unempfindlich und robust. Es gab immer wieder Strecken, das wäre ich mit einem schwereren Motorrad nicht durchgekommen. Aber genauso oft gab es Tage, an denen hätte ich die Karre am liebsten im nächsten Fluss versenkt. Denn ein großes Manko hat die XT: sie ist auf guten Strassen mit Gepäck einfach viel zu langsam.

Mit der Africa Twin gab es wie immer überhaupt keine Probleme. Es gibt wohl kaum ein zuverlässigeres Mopped. Sie hat nun 88.000 km auf dem Tacho stehen, und hat uns noch nie im Stich gelassen. Außer Verschleißteilen muss nie irgendwas repariert werden. In Fernreisekreisen ist die Africa Twin ja inzwischen ein Mythos, zu recht wie wir meinen. Unser alter Lopez hat es jedenfalls verdient, wieder auf Vordermann gebracht zu werden, damit er noch viele weitere Kilometer durchhält.

Inzwischen sind wir in Waibstadt angekommen, einer kleinen Stadt zwischen Heidelberg und Heilbronn, die nun für die nächsten Monate unser Zuhause sein wird.

willkommen im neuen Heim

Wie es bei uns weiter geht, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Im Moment sind wir "arbeitslos", auch wenn wir uns noch nicht offiziell gemeldet haben. Aber wir haben bereits erfahren, gegen welche Auflagen seitens der Agentur für Arbeit wir verstoßen haben! Jetzt müssen wir uns um solchen Sch**** kümmern wie Versicherungen, Arbeitslosengeld, Bewerbungen, etc. Kaum sind wir wieder in Deutschland, hetzen wir von Termin zu Termin. Ständig müssen wir irgendwas. Das sind wir einfach nicht mehr gewöhnt, und es fällt uns richtig schwer. 31.000 Kilometer haben wir insgesamt zurück gelegt auf dieser Reise, in 5 Monaten und 3 Wochen. In dieser Zeit sind wir mehr oder weniger frei durch die Weltgeschichte gefahren, jetzt fehlt uns das Unterwegssein und die Freiheit. Wir hoffen, dass wir uns noch die Zeit nehmen können, in Ruhe unsere Fotos und vor allem unsere Erinnerungen zu sortieren, vielleicht einen Diavortrag vorzubereiten oder mit einem neuen Buch anzufangen.

Es ist kaum zu glauben, wie schnell Zeit vergehen kann, wenn man etwas erlebt.

Wo sind nur all die Monate geblieben? Wir sind doch eben erst losgefahren! Gerade waren wir noch auf dem Basar in Samarkand, haben echte Abenteuer bewältigt auf den wilden Strassen in Tadschikistan und haben unser Zelt mitten in der Einsamkeit der Mongolei aufgestellt. Doch nun ist unsere Reise zu Ende, leider. Wir sind wieder in Deutschland und ganz langsam macht sich der Alltag wieder bei uns breit. Was bleibt ist das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben und mehrere 1000 Fotos.

Und natürlich jede Menge Fernweh!

Wir möchten zum Schluss noch allen danken, die unsere Reise mit viel Interesse verfolgt haben. Wir haben ganz viel positives Feedback bekommen, dafür vielen Dank. Wir können jedem nur empfehlen, mal für ein paar Monate die Koffer zu packen und sich aus dem normalen Alltag "auszuklinken".

Glaubt uns, es lohnt sich!

Viele Grüße



Kirsten und JörgKommentare: 4     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
03.09.2007 - Location: irgendwo in Deutschland
Wieder im Lande

Hallo zusammen,

ja, wir sind tatsächlich wieder in Deutschland!

Nach einigen Tagen in Lettland, Litauen und Polen sind wir pünktlich zum Motorrad-Fernreise-Treffen in Gieboldehausen eingerollt, wo viele Freunde und Bekannte uns einen tollen Empfang bereitet haben.
Vielen Dank an euch alle!

Einen ausführlichen Abschlußbericht bleiben wir vorerst noch schuldig. Aber den reichen wir in paar Tagen nach, versprochen. Bis dahin versuchen wir uns halbwegs wieder einzuleben...

Kirsten und JörgKommentare: 6     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
20.08.2007 - Location: Jekabpils
Long way home Teil 2 - Trans Russland

Hallo Ihr Lieben,

sie ist vorbei, die Internetlose Zeit! Wir sind wieder in der Zivilisation angekommen!
Die letze Zwischennachricht konnten wir nur telefonisch uebermitteln, und auch das war mehr als schwierig. Irgendwie wollen die Russen scheinbar immer noch nicht wirklich Kontakt zur restlichen Welt. Inzwischen haben wir Russland aber verlassen und nun gibts auch wieder alles, was das Reiseherz begehrt!

Aber der Reihe nach. In Ulan Bator war fuer uns die Zeit der Entscheidung gekommen. Wie sollten wir weiter reisen? Sollten wir ueberhaupt weiter reisen? Wenn ja, wohin? Und wie lange? Oder doch zurueck nach Deutschland? Und wenn ja, wie? Es war schwierig. Die Entscheidung haben wir lange vor uns hergeschoben. Ideen hatten wir viele, wir haetten die Motorraeder dort stehen lassen koennen, oder vielleicht sogar verkaufen koennen. Eine zeit lang sah es so aus, als wuerden wir in ein Flugzeug steigen und nach Australien fliegen. Aber irgendwann haben wir doch festgestellt, dass der Wunsch weiter zu reisen aus der Perspektivlosigkeit des Zurueckkommens geboren wurde. So richtig gluecklich hat uns das alles nicht gemacht. Und letztlich muss man irgendwann zurueck, ob man will oder nicht. Und wenn man immer weiter von Kontinent zu Kontinent reist, spult man irgendwann nur noch ein Land nach dem anderen ab, das ist schade. Nach fast 5 Monaten Reise waren wir satt, voll von Eindruecken und tollen Erlebnissen, die wie ein D-Zug an uns vorbei gerast sind, obwohl wir uns schon deutlich mehr Zeit gelassen hatten als alle anderen.

Und so haben wir uns also nach langer und reiflicher Ueberlegung entschlossen, den Heimweg anzutreten.

Doch vorher haben wir es uns im Oasis Guesthouse in UB richtig gut gehen lassen. Wir waren nicht alleine dort, insgesamt 12 Motorradfahrer aus der ganzen Welt hatten sich dort versammelt. Wie schon geschrieben waren nicht alle in bestem Zustand, Menschlein und Maschinen waren teilweise ganz schoen zerbeult. Doch die Tage dort waren mit die besten der ganzen Reise. Hatten wir alle einen Spass!!! Abends haben alle immer stundenlang Reisegeschichten erzaehlt, die natuerlich mit jedem Bierchen wilder wurden. Aber viele Geschichten waren wirklich schlimm, z.B. die von Phil und Angie, 2 Englaendern, die voellig aufgeloest eines abends dort ankamen. Mit ihrem umgebauten Allrad-Iveco hatten sie sich im Schlamm ueberschlagen und sind dann mit letzter Kraft noch irgendwie bis zum Oasis gekommen. Sie hatten zuhause alles aufgegeben und waren auf Weltreise. Nun war alles dahin, tragisch. Irgendwie wollen sie ihren total zerstoerten Bus wieder gerade biegen und weiter fahren, was bleibt ihnen auch anderes uebrig. Ja, so ist sie die Mongolei, wahrlich kein Spielplatz, sondern ein hartes, raues und nicht ungefaehrliches Land.

Fuer uns war die Mongolei das grosse Ziel gewesen, jetzt ging es also zurueck. Die urspruengliche Idee, mit der Transsib nach Moskau zu fahren haben wir schnell verworfen. Es haette ewig gedauert, auf die Tickets zu warten, da im Juli und August alles ausgebucht ist. Wir haben uns von der ganzen Truppe verabschiedet, sind auf die Motorraeder geklettert und losgefahren, um das kleine Russland unter die Raeder zu nehmen.

im Oasis
die ganze wilde Bande im Oasis Guesthouse

Das kleine kleine Russland. Was hatten wir uns da bloss vorgenommen. "Mal eben" Trans-Sibirien, dann ueber den Ural, durch Westrussland, Lettland, Litauen und Polen. Ist doch eigentlich nicht weit, oder?

Doch, ziemlich weit sogar. Wir sind gefahren, bis uns fast der Hintern geblutet hat. Irre, jeden Tag haben wir etliche hundert Kilometer abgespult, immer Richtung Westen. Zuerst ging es ueber Ulan Ude zum Baikalsee, der, wie alle grossen Seen, eigentlich eine Enttaeuschung war. Man steht halt an einem Ufer und guckt auf Wasser, das wars aber auch schon. Das Wetter war schlecht, es war sehr kalt und regnerisch, dazu kamen unglaubliche Mueckenschwaerme und die ueblichen Schwierigkeiten in Russland. Hotel? Fehlanzeige. Keine Auslaender, wie ueblich. Zelten bei schlechtem Wetter und zu vielen Muecken macht auch nicht immer Spass. Zumal es schwer ist, einen Platz zu finden, da ganz Sibirien ein einziger Sumpf ist.

Mitten durch diesen Sumpf geht die grosse Transitstrecke. Und natuerlich war hier entsprechend viel Verkehr. Zum einen fahren hier sehr sehr viele LKW, die es sehr sehr eilig haben. Aber schlimmer noch sind die Autoschieber. Sie holen neue Autos aus Japan oder Korea und fahren diese von Vladivostok nach Novosibirsk, Moskau oder St. Petersburg quer durch Russland. Auf Zeit natuerlich, denn je schneller sie sind, desto mehr Autos kriegen sie rueber. Diese Typen fahren meist Tag und Nacht, in Kolonne, und sie sind fast immer, wie auch fast alle LKW-Fahrer, mit jeder Menge Vodka getunt. Es war wirklich nicht ungefaehrlich.

Hinter Irkutsk ging es dann streng nach Westen, z.T. war die Strasse aber unasphaltiert oder in sehr schlechtem Zustand. Der Matsch auf den Pisten war natuerlich durch den vielen Verkehr nicht wirklich gut befahrbar, und die Alukoffer der XT haben hier wieder mal die eine oder andere Umgestaltung erfahren... In Krasnojarsk haben wir einen Tag Pause gemacht. Wir waren dort nach ewiger erfolgloser Hotel- und Zeltplatzsuche erst mitten in der Nacht angekommen, am naechsten Tag war an Fahren nicht zu denken. Von dort wollten wir eigentlich einen Bericht senden, aber: kein Internet. Es koennten ja boese Neuigkeiten aus der weiten Welt nach Russland dringen, sowas geht nicht. Der eiserne Vorhang ist immer noch intakt.

Die weitere Strecke fuehrte ueber Novosibirsk, Omsk nach Ekaterinenburg und zum Ural. Die Gegend dort war wirklich schoen und das Wetter hatte sich inzwischen auch beruhigt. Und als wir den Ural endlich uerbquert hatten waren wir, zumindest geografisch, wieder in Europa. Leider hat kein Schild darauf hingewiesen, da haetten wir gerne ein Foto gemacht. Aber auch nach dem Ural hat sich der Tagesablauf nicht geaendert. Morgens ca, um 7 Uhr Zelt abbauen, losfahren, irgendwo an einer Raststaette fruehstuecken. Mit Glueck gab es Blini, eine Art Pfannkuchen, aber nicht selten auch Borschtsch (Rote-Beete-Suppe) oder Wuerstchen mit Majo. Dann fahren fahren fahren bis Mittags, wieder irgendwo Rast machen und was essen. Diesmal meistens Gulasch mit Nudeln oder Schaschlik. Alles sehr einseitig, aber was will man machen. Nachmittags ab 6 haben wir dann nach Moeglichkeiten zum Uebernachten gesucht. Wenn wir oft erst gegen 9 oder halb 10 endlich einen Platz fuers Zelt oder ein schaebiges Motel gefunden hatten, standen meist weit mehr als 500 km auf der Uhr.

Ausser in Krasnojarsk haben wir keine Pause gemacht. Moskau haben wir weitraeumig umfahren, was recht gut ging. Und ab dort haben wir die km gezaehlt. Es war nicht mehr weit bis zur Grenze. Und nach 16 Tagen und 7300 km war es dann soweit, wir standen an der Grenze und hatten somit Russland durchfahren! Hurra!!!!!! Wir haben dabei viele verschiedene Landschaften durchquert, auch etliche Zeitzonen, und sind ueber die grossen Fluesse Russlands gefahren: den Jennisej, den Ob, den Irtysch, die Wolga. Teilweise war Russland wirklich schoen, besonders morgens, wenn es noch ruhig auf der Strasse war und sich der Nebel gehoben hat.



morgens in Sibirien

Man durchquert auch immer wieder kleine Doerfer mit schoenen orthodoxen Kirchen:

Aber dominierend sind die unendlichen Waelder in Russland. Hier gibt es ueberall auch Woelfe und Baeren, was das Zelten schon interessant macht. Aber Sibirien ist so gross und so leer, dass die Tiere eigentlich genug Platz haben und dem Menschen aus dem Weg gehen koennen.


das typische Bild in Sibirien:
Birken, soweit das Auge reicht

Im Westen Russlands wird dann die Infrastruktur auch besser. In einem Ort haben wir ploetzlich ein Schild gesehen, mit einem grossen goldenen M. McDonalds! Wer uns kennt, weiss, dass wir dort normalerweise nicht hingehen, weil es der absolute Verfall jeglicher Esskultur ist. Aber hier war es fuer uns ein Ort der Zivilisation! Endlich mal was Richtiges zu essen! Und das Zeug schmeckt ueberall auf der Welt gleich und heisst auch gleich. Auch wenn die Russen gnadenlos alles, aber auch wirklich alles ins kyrillische uebersetzen. Das sieht dann so aus:


Meckes auf kyrillisch

Je weiter man nach Westen kommt, desto offener wird auch die Landschaft, mit immer mehr Landwirtschaft. Und ganz im Westen, Richtung lettischer Grenze ist es dann auch wieder ruhiger auf den Strassen, denn hinter Moskau hoert fuer die Russen die Welt sowieso auf. Fuer uns aber nicht! An der Grenze dauerte es mal wieder ewig. Wir hatten dabei noch Glueck, denn wir konnten an der kilometerlangen LKW-Schlange vorbei fahren. Und dann sahen wir auf der anderen Seite der Grenze eine blaue Flagge mit einem Kreis aus Sternen: Europa! Die Einreise nach Lettland dauerte max. 2 Minuten, 27 Sekunden. Wie wir es gewohnt waren, haben wir dem Uniformierten unseren ganzen Papierstapel gegeben. Er hat mal kurz geguckt, das wars. "Und wohin muessen wir als naechstes?" haben wir gefragt. Er hat gegrinst und gesagt, wir koennten fahren. Keine Stempel, kein Papierkram, kein Geld, kein Visum, keine Gepaeckkontrolle. "Europa!" hat er gerufen, und "Gute Reise!" Wir haben gejubelt, sind auf die Motorraeder gestiegen. Als wir nach Lettland reinfuhren haben wir laut "FREIHEIT" gebruellt, das war ein tolles Gefuehl! Bisher wussten wir es ja schon sehr zu schaetzen, Europaer zu sein, aber nach dieser Reise erst recht!

Und nun sind wir also in Lettland. Ein kleines beschauliches Land, in dem alles sehr skandinavisch ist, aber eben nicht mehr russisch. Egal was wir fragen, es heisst nicht mehr NJET, sondern "ja, natuerlich". Wir sind vom Regen in einen kleinen Ort namens Jekabpils gespuelt worden, wo wir nun seit 2 Tagen sind und uns endlich mal ausruhen. Wir haben nun Zeit fuer den Rueckweg, "nur" noch Litauen und Polen stehen auf dem Programm, dann sind wir wieder in Deutschland.

Nach fast einem halben Jahr geht unsere Reise damit zu Ende. Wir waren schneller unterwegs als geplant, aber wir haben uns trotzdem viel Zeit gelassen fuer alles. Diese Reise war wirklich toll!!! Mann, was haben wir alles erlebt! Erst die endlosen Steppen in Kasachstan, Weite ohne Ende. Dann die tollen Seidenstrassenstaedte und der Orient in Usbekistan, mitten in der Wueste. Schliesslich Tadschikistan, ein echtes Abenteuer, ein wirklich tolles Land voller sehr freundlicher Menschen und einer unglaublichen Kulisse aus Bergen, direkt an der Grenze zu Afghanistan. Kirgistan war superschoen, einfach zu bereisen, gruen und trotzdem bergig, mit einer faszinierenden Nomadenkultur und modernen Staedten. Und als Highlight, die Mongolei, eines der schoensten Laender, das wir kennen. Fast unerschlossen und rau, aber dafuer umso beeindruckender.
Natuerlich gab es auch Schwierigkeiten auf dieser Reise, und das nicht zu knapp. Die Strassen waren oft sehr schlecht, die Pisten sehr schwierig zu befahren. Die Versorgungslage war oft schlecht und die Infrastruktur an manchen Stellen quasi nicht vorhanden. Polizei und Militaerkontrollen haben uns das Leben manchmal schwer gemacht, genau wie der unsinnige Papierkram und bescheuerte Visabestimmungen. Aber wir haben es alles gemeistert, und wir sind wirklich froh darueber.

Jetzt kommen wir nach hause, mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Gut 30.000 km werden wir dann gefahren sein, ein halbes Jahr ist eine lange Zeit und das Unterwegssein wird uns fehlen. Und doch freuen wir uns auf ganz spiessige Dinge wie Waschmachinen, Sofa, oder Pizza mit Rotwein, und natuerlich auf Freunde und Familien.

Apropos Freunde! Wie schon angekuendigt werden wir diese Reise in Gieboldehausen auf dem Motorrad-Fernreise-Treffen abschliessen. Ihr werdet doch hoffentlich alle dort sein, oder? Ihr Thomasse, Christians, Heike, Anke, Michael, Lars, Julia, Bernds, und all die anderen, ihr lasst uns doch nicht alleine da sitzen, oder? WEHE, ihr seid nicht da!

Fuer heute war es das wieder. Vielleicht melden wir uns nochmal von unterwegs. Wir werden an der Ostsee entlang dem Rueckweg antreten, ganz in Ruhe und ohne Stress. Wir schaetzen, dass es noch 2500 km sind. Also quasi um die Ecke

Bis zum naechsten mal, dann vielleicht schon aus Deutschland



Kirsten und JörgKommentare: 2     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
07.08.2007 - Location: Krasnoyarsk
Long way home

Hallo alle zusammen,

Leider hat sich eine kleine Aenderung in unserer Reiseroute ergeben. Aus organisatorischen Gruenden koennen wir nicht, wie geplant, mit der Transibirischen Eisenbahn zurueck bis nach Moskau fahren. Deswegen muessen wir nun die ganze Strecke mit dem Motorrad fahren. Naeheres dazu im naechsten Bericht da dieser hier nur telefonisch uebermittelt wurde. Das Internet ist hier in Sibirien wohl noch nicht so verbreitet :-) Momentan sind wir in Krasnoyarsk und bis Moskau sind es "nur" noch ca. 4100 Km.

Ansonsten geht es uns gut und wir hoffen bis Ende August wieder in Deutschland zu sein. Wenn alles klappt schaffen wir es bis zum MRT in Gieboldehausen. Wir beeilen uns und hoffen natuerlich dort alle Bekannten und Freunde zu treffen.


Kirsten und JörgKommentare: 152     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
29.07.2007 - Location: Ulan Bator
2 in mongolia

Hallo liebe Freunde, Bekannte und Verwandte,

lange lange ist es her, dass wir uns gemeldet haben. Einige von euch wollten schon Vermisstenanzeige aufgeben, aber keine Sorge, wir leben noch und es geht uns gut. Sehr gut sogar, denn wir sind am Ziel. Wir sind in der Mongolei.

Die letzten Reparaturen bzw. die Wartung der Motorraeder in Barnaul hat ja wie schon geschrieben einige Zeit in Anspruch genommen. Es war aber auch bitter noetig, bisher hatten wir auf der Reise wenig Aufwand damit getrieben. Mit Hilfe der Jungs aus der Yamaha-Werkstatt gings dann aber ganz gut. Wir haben ihnen versprechen muessen, unbedingt das Foto von ihnen hier reinzustellen. Also, hier ist das Kompetenzteam:


Yamaha Barnaul, Siberia

Frisch gewartet sind wir also Richtung Suedosten gestartet. Von Barnaul aus bis zur mongolischen Grenze sind es gut 800 km, und der Hauptteil der Strecke geht durch den russischen Altai. Der Altai ist ein riesiger Gebirgszug, der sich ueber den Osten Kasachstans, den Westen der Mongolei und eben ein kleines Stueck in Russland erstreckt. Die wenigsten haben wahrscheinlich vorher davon gehoert, dabei sind die Alpen dagegen nur ein Mueckenschiss. Der russiche Teil ist wirklich schoen, ruhig und leer, und man hat bereits das Gefuehl, in einer riesigen Landschaft zu sein. Teilweise sind die Berge ganz dicht an der Strasse, man faehrt an Fluessen entlang oder durch kleine Schluchten. Aber immer wieder spuert man die Naehe zur Mongolei, naemlich wenn sich die Landschaft oeffnet und man grosse Ebenen durchquert. Je naeher man der Grenze kommt, desto offener wird das Land.

russischer Altai
weite Blicke im russischen Altai

Die Strasse ist dazu bis zur Grenze wirklich in einem sehr guten Zustand mit wenig Verkehr. Wir haben die Tage hier sehr genossen. Abends haben wir immer perfekte Zeltplaetze gefunden, an sauberen Fluessen, unter schattenspenden Baeumen und mit Sichtschutz zur Strasse. Teilweise waren die Plaetze so schoen, dass Joerg gerne laenger dort bleiben wollte. Aber gleichzeitig hat uns so eine innere Unruhe voran getrieben. Es hat schon gekribbelt, so nahe an der Mongolei wollten wir dann also auch endlich dort einreisen. Und so sind wir am 13. Juli die letzen Meter in Russland gerollt und standen mittags vor einem grossen Grenzzaun bei Taschanta. Nur waren wir seltsamerweise die einzigen dort, und das Tor war auch zu... Nach einigem Warten und ebenfalls einigem Hupen kam schliesslich eine kleine Beamtin aus dem haeuschen getippelt, freundlich laechelnd. Wir haben ihr unsere Paesse unter die Nase gehalten, aber sie hat nur gesagt "sorry, today holiday!" Wir waren echt baff, haben versucht ihr zu erklaeren, dass das doch eine international border sei, und sie nicht einfach dicht machen koennen. Aber sie hat nur gelaechelt. "Today holiday, tomorrow 9 o'clock open." Aha, dann ist das wohl so. Der Grund lag allerdings auf mongolischer Seite. Vom 11.-13. Juli findet naemlich alljaehrlich das sog. Nadaam-Fest in der Mongolei statt, mit Ringen, Pferderennen, Bogenschiessen, etc. Und da liegt das ganze Land sowieso lahm, also macht man halt gleich die Grenzen zu. Sonst muesste ja jemand waehrend dem Nadaam arbeiten. Unvorstellbar!

Wir sind also wieder umgedreht, haben kurz hinter Taschanta unser Zelt zwischen ein paar Huegeln aufgebaut und gewartet. Was blieb uns auch anderes uebrig. Puenktlich um 9 am naechsten Morgen waren wir dann aber wieder dort, und diesmal ging alles glatt. Die Ausreise aus Russland war wieder ziemlicher Papierkram, zumal immer nur ein paar Fahrzeuge auf einmal abgefertigt werden. Man koennte sich ja ueberarbeiten.... Hinter dem Grenzzaun gibt es einen 20 km breiten Streifen Niemandsland, und dann waren wir tatsaechlich dort, in der Mongolei. Die Einreise war problemlos, alle Schauergeschichten die die Runde machen sind totaler Quatsch. Man braucht keine speziellen Zolldokumente, man kann ganz normal uber die Grenze fahren wie ueberall anders auch.

Waehrend der Einreise haben wir zwei Deutsche kennen gelernt, die ebenfalls hier gewartet haben. Lore und Manty aus Oberammergau sind mit ihrem Expeditions-Truck hierher gefahren. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, und so sind wir nach ausfuehrlichem Kaffeetrinken im LKW schliesslich zusammen losgefahren. Und wir alle vier waren von den ersten Eindruecken total ueberwaeltigt. Es ging sofort ueber eine sehr kleine Piste steil einen Pass hoch, und oben haben wir alle "Booooaaahhhhh" geschrien, denn so eine Aussicht hat wohl vorher noch keiner von uns gesehen.


genialer Blick vom ersten mongolischen Pass

Oben auf dem Pass stand ein sog. Owoo. Das sind Steinhaufen, geschmueckt mit blauen Opferschals und allerlei anderen Opfergaben. Man umrundet den Owoo drei mal im Uhrzeigersinn und legt dabei jeweils einen Stein ab. Das bringt Glueck fuer die Reise. Natuerlich haben auch wir dort um goettlichen Beistand gebeten, und die Mongolen, die dort ein Picknick abgehalten haben, hatten ihre wahre Freude an uns und haben uns sofort zum Vodka eingeladen. Sie waren wirklich sehr freundlich, uns ist gleich aufgefallen, wie froehlich hier alle Menschen sind. Und wie neugierig und ueberhaupt nicht kontaktscheu. Da gibt es keine Schonfrist, man wird sofort integriert, ob man will oder nicht.

Owoo

Owoo
2 typische mongolische Owoos

Genauso wenig gibt es eine Schonfrist auf der Strecke. Ohne Eingewoehnungszeit geht es von perfektem russischen Asphalt sofort in die vollen. Die mongolischen Pisten haben es in sich. Im Altai bestehen sie zum grossen Teil aus steilen steinigen Stuecken. Und auf so einem steinigen Stueck ist es passiert, der Truck von Manty und Lore hatte einen Plattfuss. Jetzt konnten wir uns endlich revanchieren fuer die Fuersorge, die die beiden uns 2 Tage lang entgegen gebracht haben. Sie haben uns mit Schinkenbroten, kalter Cola und warmen Wasser versorgt, und nun konnten wir beim Reifenwechsel wenigstens einen Teil unserer "Schuld" begleichen. Alles klappte problemlos, aber es ist schon eine ganz schoene Schinderei. Am naechsten Morgen guckte Manty ganz komisch beim Fruehstueck. Ihm lag was auf der Seele. "Wir fahren zurueck" hat er nur gesagt. Die Pisten waren ihm nicht geheuer, er befuerchtete weitere Reifenschaeden. Das Profil der Reifen hatten die beiden in Deutschland nachschneiden lassen, neue Reifen waren wegen Lieferschwierigkeiten nicht zu bekommen. Und genau in so einen Schnitt hat sich ein spitzer Stein gebohrt. Ein Ersatzreifen war damit schon aufgebraucht, das Risiko war ihm einfach zu hoch. Und so ist wieder eine Reisegemeinschaft zerbrochen. Wir haben erstaunlich gut zusammen gepasst, obwohl die Fahrzeuge ja nicht unterschiedlicher sein koennen. Schweren Herzens haben die beiden umgedreht, und ihren Traum von der Mongolei und vom Baikalsee vorerst begraben.


der Truck von Lore und Manty

Fuer uns war es natuerlich auch ein schwerer Abschied. Nicht nur, weil jetzt die Versorgung mit Schinkenbroten jaeh unterbrochen war! So einen LKW vor oder hinter sich zu wissen, vermittelt eine sehr grosse Sicherheit. Und ploetzlich waren wir armen kleinen Motorradfahrer ganz alleine in so einem riesigen und leeren Land!

Und riesig ist die Mongolei tatsaechlich. Und vor allem wirklich wunderschoen. Es ist mit das schoenste Land, das wir je gesehen haben. Bilder sagen da mehr als 1000 Worte







Die Weite und vor allem die Ruhe in diesem Land ist wirklich irre. Nachts haben wir immer unser Zelt irgendwo aufgeschlagen, meistens auf einem Huegel oder so. Man kann immer kilometerweit gucken, und absolut nichts ist im Weg. Der Sternenhimmel ist wohl auch nur in wenigen Regionen der Welt so schoen wie hier. Wir waren total begeistert von der Mongolei!

Die Versorgung mit Lebensmitteln und Benzin ist eigentlich hier kein Problem. Alle paar hundert Kilometer kommt ein Ort, und meistens findet man zumindest Grundnahrungsmittel. Wenn wir in einem solchen Ort Halt machen, gibt es immer einen Menschenauflauf. Die Mongolen sind wirklich unglaublich neugierig, sofort wird alles angefasst und diskutiert. Nicht immer ist das ganz harmlos, leider gibt es hier sehr viele Besoffene, die sind natuerlich besonders anhaenglich. Aber auch wenn alle nuechtern sind, kann es so aussehen:

wo ist die AT?
Irgendwo da unter den ganzen Menschen ist die Africa Twin

Die Strecke fuehrte uns zum Teil sehr weit in den Sueden des Landes, dort wo die Wueste Gobi liegt. Wir haben die Gobi "nur" gestreift, aber bereits so einen guten Eindruck von der Trockenheit bekommen. Dieses Jahr ist es besonders trocken, die Regenzeit ist bisher quasi ausgefallen und es ist sehr heiss. Da passen die Kamele, die es hier ueberall gibt natuerlich erst recht in die Landschaft. Am Pistenrand begegnen wir ihnen immer wieder, und die Mongolen haben auch eine sehr direkte Art, mit diesen Tieren umzugehen. Uns war das ein bisschen unheimlich, aber wenn wir schon nicht die Vodkaflasche mit den Jungs leeren muessen wir uns wenigstens mit ihrem Kamelen fotografieren lassen!

Kamele
lauter Kamele

Ein Kapitel fuer sich sind die mongolischen Pisten. Manche Karten vermitteln den Eindruck, es gaebe eine durchgehende Piste. Dem ist aber nicht so. Zwischen den Orten verlieren sich die Spuren irgendwo in der Steppe. Die Navigation ist schwierig, nicht selten sind wir einfach nur querferldein gefahren. Einmal haben wir uns so sehr verfahren, dass uns der Umweg einen ganzen Tag gekostet hat. Wir haben immer wieder nach dem Weg fragen muessen, und manchmal trifft man sogar jemand, der Englisch kann (Russisch kann hier kaum jemand). Allerdings haben wir auch gelernt, dass jemand noch lange nicht die Wahrheit sagt, nur weil er Englisch kann, oder manchmal ist es einfach ein Verstaendnisproblem. Wir fragen zum Beispiel nach dem Weg zur Hauptpiste. Als Antwort kommt:"fahrt hier ueber die Huegelkette, dann seht ihr einen Antennemast, dort ist die Hauptstrecke." Dass es aber einen ganzen Tag dauert, bis man tatsaechlich mal einen solchen Mast sieht, sagt er nicht. Warum auch, ihm ist das ja klar, und danach haben wir ja auch nicht gefragt. Diese Verfahrer kommen zustande, weil die Pisten sehr sehr breit sind und aus vielen Spuren bestehen. Wenn man auf einer der aeusseren Spuren faehrt, fuehrt diese manchmal unmerklich und ganz langsam in eine andere Richtung, und wenn man es merkt ist man schon 20 oder 30 km vom Kurs abgekommen. Da hilft auch kein GPS, weil die Pisten hier immer viele Kurven beschreiben und staendig ihren Verlauf aendern, wenn sie zu schlecht werden. Und schlecht sind sie eigentlich alle. Hauptbestandteil mongolischer Pisten sind Sand und Wellblech, in allen erdenklichen Auspraegungen:


Wellblech vom Feinsten

Dieses Wellblech ruettelt alles kaputt. Es gibt laut Joerg fogende Kategorien
1. ach du scheisse; 2. ich fahr keinen Meter mehr; 3. ich will sterben
und noch schlimmere Flueche, die man nicht oeffentlich schreiben kann. Fast noch schlimmer ist der Sand, der teilweise wirklich tief und echt schwer zu fahren ist. Doch zum Glueck sind wir ohne groessere Blessuren davon gekommen, die XT ist nur einmal in den Sand geplumpst, das wars. Wir waren aber auch wirklich sehr langsam unterwegs. Fuer die 1500 km Piste von der Grenze bis zum Beginn der Asphaltstrasse suedwestlich von Ulan Bator haben wir 9 Tage gebraucht, mit einer Fahrzeit von 51 Stunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von kanpp 30 km/h. So tolle Sachen kann einem ein GPS verraten!

Einen Abstecher von der Hauptroute haben wir uns noch geleistet, naemlich nach Karakorum. Karakorum ist die ehemalige Hauptstadt des mongolischen Grossreichs unter Dschingis Khan. Heute zeugt nur noch wenig davon, es gibt zwar eine deutsch-mongolische Grabung dort, aber wegen der unglaublichen Hitze haben wir uns das nicht angeschaut. Dafuer waren wir in einem Kloster, Erdenezuu genannt. Wir waren schwer beeindruckt von diesem buddhistischen Kloster, in dem man den Moenchen beim Rezitieren der Gebetsformeln zuschauen und zuhoeren kann. Leider lassen sie sich dabei nicht fotografieren, aber das muss man respektieren.





Die Tempel sind alle ueber und ueber mit goldenen Buddhas und anderen Goettern ausstaffiert, und die Vielfalt der Symbole und Zeichen kann wahrscheinlich noch nicht mal ein normaler Mongole deuten. Das war wirklich toll, sowas kannten wir bisher nur aus Buechern oder Fernsehen. Karakorum hatte fuer uns auch sonst noch einiges zu bieten: die erste Dusche seit Barnaul! 14 Tage lang waren wir abseits von jeder Zivilisation, haben uns nur in Fluessen waschen koennen und kaum Menschen getroffen. In Karakorum gab es dann endlich andere Touristen. Ein bunter Haufen Hippies und Langzeitreisender haengt hier ab, und wir hatten einige sehr lustige Abende.

Wir waren auch echt zuversichtlich, als wir Karakorum wieder verlassen haben. Auf alle Karten war eine durchgehende Asphaltstrasse bis Ulan Bator eingezeichnet. Aber ihr ahnt es schon... Richtig, kein Asphalt. Die Strasse soll neu gemacht werden. Aber anstatt Stueck fuer Stueck vorzugehen, reissen die Mongolen erst mal alles ab, was da war. man stelle sich vor: in Deutschland gibt es nur eine asphaltierte Strecke, z.B. die A3 zwischen frankfurt und Koeln. Ansonsten gibt es keine Strassen, bestenfalls Feldwege. Und irgendjemand kommt dann auf die Idee, diese A3 wegzubaggern. Eine Umleitung gibt es natuerlich nicht, jeder sucht sich seinen Weg durch Waelder und Felder rechts und links.

Es war wirklich hart hier zu fahren, besonders weil es sehr heiss war, weit ueber 35 Grad. Die Umgehungspisten sind so schlecht, dass man teilweise nur im 1. Gang fahren kann. Ueber all dem liegt eine gigantische Dunstglocke aus dichtem Staub, die man schon aus 100 km Entfernung sieht, nicht uebertrieben. Die Strecke enthaelt viele Loecher mit ganz feinem Sand und Staub, der sich komischerweise wie Wasser verhaelt. Wenn man reintritt enstehen richitge Staubspritzer, die wie Wassertropfen rumspringen und noch mehr Staub aufwirbeln. Die Wuestenfahrer sagen wohl Fech Fech zu so einem Zeug. Abartig! Auf ueber 200 km herrscht dieses Zeug vor. Ob es irgendwann mal wieder eine richtige Strasse geben wird weiss der Himmel.

Nach langer Fahrt und zermuerbenden Tagen sind wir vorgestern endlich endlich in Ulan Bator angekommen. Hier wohnen wir im Oasis Guesthouse, das von einem deutsch-oesterreichischen Paar geleitet wird. Sibylle fuettert uns und inzwischen 12 weitere Motorradfahrer nun taeglich mit Wiener Schnitzel und Kaesekuchen, und wir koennen uns ein bisschen erholen. Wir haben es noch gut getroffene, nicht wenige der Biker hier haben gebrochenen Rippen und verdrehte Gelenke, und im Hof stehen die Motorradleichen, die es nicht mehr aus eigener Kraft bis Ulan Bator geschafft haben und auf LKWs weiter gereist sind. Die mongolischen Pisten sind wohl doch alles andere als ein Spielplatz fuer abenteurliche Enduro-Experimente.

Jedenfalls war die Mongolei bisher das extremste und anstrengenste, aber auch schoenste Land unserer Reise. Unser Fazit ist absolut positiv. Es ist ein faszinierendes Land!

Von hier aus werden wir uns nun langsam nach Norden wenden, Richtung Baikalsee. Wie genau unsere Reise weiter geht wird sich in den naechsten Tagen entscheiden. Noch ist alles offen.

Viele liebe Gruesse nach Deutschland und bis bald!

Kirsten und JörgKommentare: 1     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
10.07.2007 - Location: Barnaul
In Sibirien

Hallo zusammen,

das Vorhandensein eines Internetcafes ist hier so eine Seltenheit, dass wir es sofort ausnutzen und nun einen kurzen Zwischenbericht schicken. Wer weiss, wann wieder was kommt. Wir rechnen erst wieder in Ulan Bator damit, also in ca. 2500 km! Bilder gibts diesmal keine, aber die reichen wir nach.

Wir sind in Sued-Sibirien, in einer Stadt namens Barnaul, ca. 250 km suedlich von Novosibirsk. Der Weg hierhin war von Oeskemen, wo wir zuletzt geschrieben haben eigentlich nicht sehr weit. Zwischen Oeskemen und Semipalatinsk haben wir aber eine falsche Strasse erwischt, entlang eines Flusses, und es gab keine Bruecke. Deshalb sind wir auf einer winzigen Strasse gelandet, die dann auch bald nicht mehr asphaltiert war. Leider war der Verkehr aber sehr dicht, und als wir staubig und schlecht gelaunt am Pistenrand standen, haben wir etwas entdeckt: Wilden Hanf, Gras, Hasch, wie man es auch immer nennen will. Nicht nur ein Pflaenzchen, sondern halbe Waelder! Jeder hartgesottenen Kiffer haette sich hier locker seinen Jahresbedarf pfluecken koennen! Zu dumm, dass wir schon vor Jahren aufgehoert haben zu rauchen und auch ansonsten nicht so viel mit Drogen am Hut haben! Das Zeug waechst hier ueberall. Vielleicht kochen wir ja mal ein paar Blaettchen in der Suppe, dann werden die Strassen gleich viel besser.

Und auch den Grenzuebertritt nach Russland haetten wir dann wohl ein bisschen relaxter ueber uns ergehen lassen koennen. Schon auf Kasachischer Seite war alles wieder seeeehr langsam. Der Schlagbaum bleibt unten, und es bildete sich schon eine lange Autoschlange. Das ist uns inzwischen egal, wir draengeln uns meistens vor und wedeln mit unseren deutschen Paessen. Fuer irgendwas muessen sie ja gut sein. Und meistens klappts, auch diesmal kamen wir zumindest schon mal ins Gebaeude. Dann muss man die ueblichen Stationen ablaufen. Passkontrolle, Tamoschnja (Zoll) und noch ein paar weitere undurchsichtige Bueros. Es dauert ewig, bis man die Ausreisestempel hat, man darf nur einzeln vortreten, muss hinter einer gruenen Linie stehen bleiben und in eine Kamera (!!!) gucken. Ein bisschen wie bei Blues Brothers, als Elwood aus dem Knast entlassen wird.

Auf der Russischen Seite wurde es nicht besser. Eine Versicherung fuer die Motorraeder hatten wir zum Glueck schon bei unserer ersten Einreise im April abgeschlossen, sonst haette es noch laenger gedauert. Alles wird x mal in dicke Buecher eingetragen, und nach 2 Stunden waren wir bei einem sog. Tamoschnja-Broker gelandet. Der Typ war dermassen unfreundlich und langsam, dass Joergs Adrenalin-Pegel von Minute zu Minute anstieg. In Europa kann man sich solche Situationen eigentlich nicht so gut vorstellen. Alle offiziellen Stellen (eigentlich auch jeder Kiosk...) haben lediglich kleine Fenster, hinter denen der wichtige Mensch sitzt. Das Fenster ist eben in seiner Augenhoehe, das heisst in unserer Bauchhoehe. Man muss sich also buecken und irgendwas in das Fensterchen reinreichen, das dann natuerlich sofort zu geht. Irgendwann geht es wieder auf und ein Wortschwall kommt raus, den wir natuerlich nicht verstehen. Unser Broker hatte aber garkeine Lust zu sprechen, ausser NJET konnte der kaum andere Woerter. Njet ist das wichtigste Wort in Russland, gefolgt von ni snaju (weiss nicht) und ni rabotajet (geht nicht/arbeitet nicht). Es hat dann noch ueber eine Stunde gedauert, bis durch das Fensterchen unsere Papiere wieder raus kamen, natuerlich nachdem Geld reingewandert war. Joerg war jedenfalls kurz davor, den Typen zu vermoebeln.

Somit waren wir also in Sibirien! Klingt weit weg, ist es auch. Die Landschaft ist flach hier, mit grossen Waeldern, aber auch sehr viel Landwirtschaft und vor allem vielen grossen Fluessen. Es ist sehr heiss und schwuel, dementsprechend gibt es Unmengen von Moskitos, die einen sofort anfallen, sobald man anhaelt. Man muss noch nicht mal das Visier aufklappen, sie finden auch so in den Helm hinein.

Weil es hier sehr viel geregnet hat sind die Pisten abseits der Hauptstrassen natuerlich sehr schlammig. Das gemeine ist, dass die Sonne schnell die oberste Schicht abtrocknet, und man sieht dann nicht, dass darunter wenigstens 30 cm tiefer zaeher Matsch ist. XT und Fahrerin haben deshalb auch schon ein ordentliches Schlammbad genommen, dabei hat die XT auch wieder mal ihre Koffer von sich geschmissen. Der Traeger, den wir montiert haben ist diesmal sehr stabil, und das Motorrad natuerlich auch. Die ganze Energie eines Sturzes wird somit erfolgreich vom duennen Alukoffer und dessen Befestigung absorbiert. Naja, wirklich lustig war das nicht, wieder eine Baustelle mehr.

Doch dann sind wir in Barnaul gelandet. Wir hatten einige private Adressen hier, bei denen wir unter kommen sollten. Unsere erste Station war der Flughafen, dort gibt es meistens Telefone, Bankautomaten und man kann Stadtplaene kaufen. Wir konnten unsere Kontaktpersonen sogar anrufen, aber irgendwie konnten die doch kein Englisch und waren wohl auch gerade nicht in der Stadt. Also blieb uns nichts anderes uebrig, als ein Hotel zu suchen, immer eine kostspielige Angelegenheit in diesen Laendern. Auf der Suche danach haben wir einen sehr grossen Fluss ueberquert. Im Kreuzwortraestel steht immer "Strom in Sibirien mit 2 Buchstben". Genau, der Ob. Der war fuer uns immer so weit weg, und nun sind wir auf einmal hier. Unglaublich, wie schnell die 4 Monate unserer bisherigen Reise vergangen sind.

Vom Hotel aus sind wir dann die Hauptstrasse hoch gelaufen, die natuerlich Leninstrasse heisst. Wir waren auf der Suche nach etwas ganz bestimmten, naemlich anderen Motorradfahrern. Es hat etwas gedauert, aber dann haben wir ein paar eingfangen, und sie haben uns verraten, was wir wissen wollten: ja, es gibt hier eine Motorradwerkstatt! Die erste seit Istanbul! Sogar eine Yamaha-Werkstatt!!!

Und dort haben wir also die letzten 2 Tage verbracht. In Almaty haben wir ja ein Paket mit Reifen und Ersatzteilen bekommen. Die XT bekam also gestern unter schweren Geburtswehen eine neue Kette, neue Reifen, frische Bremsbelaege, einen Oelwechsel und sogar die Ventile wurden eingestellt. Und der Koffer passt auch wieder. Der Mechaniker hat dabei viel gelernt, besonders ueber deutsche Gruendlichkeit und deutsche Arbeitsweise. Wir werden immer ausgelacht fuer unsere Genauigkeit, hier geht es eher nach dem Motto: husch husch reparieren, dann haelts ja wieder fuer einen Tag.
An der Africa Twin war wie immer wenig zu tun, lediglich Oelwechsel und einen neuen Hinterreifen aufziehen. Den vorderen mussten wir schon von Hand ein paar Tage frueher wechseln, da er total abgefahren war. Nicht nur, dass die Stollen weg waren, nein, es kam schon das Gewebe durch, und wir haben uns nicht getraut, damit noch weiter zu fahren.

Wir waren superfroh, dass wir die Werkstatt hier in Barnaul gefunden haben. Die Jungs waren wirklich sehr bemueht und hilfreich, ein Phaenomen, was ansonsten nicht sehr verbreitet ist in diesem Land. Jetzt koennen wir bzw. die Motorraeder frisch gewartet auf die naechste grosse Etappe gehen. Vor uns liegt nun der vermutlich schwierigste, aber auch der spannenste Teil unserer Reise. Nur noch 800 km bis zur Mongolei !!!

Wir stocken nun also unsere Vorraete auf, weil wir nicht erwarten koennen, in so einem leeren Land viel zu finden. Hat ein bisschen was von Expeditionsvorbereitungen, und es kribbelt maechtig bei uns. Wir hoffen sehr, dass das Wetter einigermassen mitspielt. Wenn es weiter so viel regnet, wird es sehr schwierig in der weglosen Steppe zu fahren. Dann versinkt alles im Schlamm und die Fluesse werden unpassierbar. Aber das waere ja nicht das erste mal, dass wir hinten auf einem LKW mitfahren... Ganz so wild wird es sicher nicht werden. Wir freuen uns jedenfalls und sind auch ein kleines bisschen aufgeregt. Aber nur ein kleines bisschen

Die naechste Station wird also Ulan Bator sein. Wir schaetzen, dass wir bis dorthin 2-3 Wochen brauchen, je nach Wetter. Macht euch also keine Gedanken, wenn ihr eine Zeit lang nichts von uns hoert. Eins steht fest: wir werden es geniessen!

Und nun wartet auf uns ein (oder zwei) Sibirskaja Korona, so heisst das Bier hier. Kalt wird es wahrscheinlich nicht sein. Kuehlschrank ni rabotajet.

Viele Gruesse nach hause

Kirsten und JörgKommentare: 2     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
04.07.2007 - Location: Ust-Kamenogorsk
Wieder in Kasachstan

Hallo liebe Daheimgebliebene!

Nach ueber einer Woche haben wir Bishkek irgendwann verlassen, auch wenn wir gerne noch laenger am Pool gefaulenzt haetten. Doch die Reisekasse verzeiht solche Ferien nicht allzu oft.
Wir haben Kirgistan allerdings noch nicht sofort verlassen, sondern sind noch einige Tage durch die Berge gefahren. Zwar hatten wir viele Strecken schon gesehen, aber es war einfach so schoen dort, dass man ruhig auch 2 mal hinfahren kann. Wir sind ja schliesslich auch schon mehr als 2 mal die gleichen Strecken in der Eifel gefahren
Allerdings hatte sich das Land im Vergleich zu unserer ersten Tour ziemlich veraendert. Denn schlagartig, quasi ueber Nacht, hat der zentralasiatische Sommer Einzug gehalten. Und damit war das Wetter dann also so, wie es hier zu dieser Jahreszeit sein soll: unglaublich heiss! Die Temperaturen sind in der Ebene locker auf 40 Grad geklettert, nur in den Bergen auf ueber 3000 m war es etwas kuehler. Ausserdem haben wir eine weitere Besonderheit des hiesigen Sommers kennen gelernt: gigantische Stechmuecken! Zwar hatten wir auch vorher ab und zu mal einen Mueckenstich, aber nix aussergewoehnliches. Aber Kirgistan ist sehr wasserreich, und kaum wird es richtig warm, schwirren die Moskitos aus und suchen Opfer. An einem Abend haben wir tatsaechlich mit unseren Mueckeschutzhueten vor dem Zelt gesessen, weil es sonst nicht auszuhalten war. Essen und Trinken ist mit so einem Hut zwar etwas schwieriger, aber das Bier hat trotzdem den Weg in unsere Kehlen gefunden.

Eine besonders schoene Strecke in Kirgistan fuehrt durch das sog. Susamyr Tal. Die Piste war auf unserer ersten Tour dort eigentlich ganz gut, aber innerhalb von 2 Wochen hatte sie sich zur fiesen Wellblechstrecke entwickelt. Und als wir da so bei 35 Grad in dicken Staubwolken ueber die Piste hoppelten, wurden wir auf einmal von einem sehr schnellen Gelaendewagen ueberholt. Wir dachten "Mann, so ein Ar..., staubt uns hier voll!" Aber dann sahen wir ein deutsches Nummernschild, aus einem Auto wurden 5 und ploetzlich standen wir in inmitten eines Autokorsos. Diese 10 Menschen fahren von Wuchi (geschrieben Wuxi) in China ueber Land bis in ihre Heimatstadt Bocholt (www.wuxi-bocholt.de). Wir haben uns echt gefreut, mal andere Deutsche im eigenen Fahrzeug zu treffen. Sie haben mir eine Broschuere gegeben, wo alles genau drin erklaert war, aber Joerg hat das nicht mitbekommen. Deshalb glaenzte er mit der Frage: "Wer von euch ist eigentlich der Wuxi?" Die Gesichter haettet ihr mal sehen sollen, zum totlachen

Der weitere Weg fuehrte uns dann nochmal nach Bishkek, denn es standen einige kleine Reparaturen an. Auf den Ruettelpisten haben wir ein paar Schrauben verloren, unter anderem eine seeehr grosse und seeehr wichtige, die den Koffertraeger der XT festhaelt. Doch dass war schnell erledigt, und so mussten wir Kirgistan dann tatsaechlich irgendwann verlassen, weil unser Visum auslief.

An der Grenze wurde es spannend. Wir haben ja schon vor einiger Zeit geschrieben, dass wir quasi illegal im Land waren, ohne jeden Stempel oder sonstigen Papierkram. Am Zoll war das noch kein Problem. Der Officer fand das nicht so wichtig, er wollte lieber unsere Telefonnr. und Adresse aus Deutschland, damit wir ihm helfen, ein deutsches Auto zu kaufen. Deutsche Autos, speziell Audis, gibt es hier naemlich mehr als in Deutschland. Die ganzen alten und auch einige neue Karren werden von Europa hierher gebracht, und das ein oder andere geklaute ist sicherlich auch dabei. Jedenfalls gibts hier fast so viele Audis wie Pferde. Aber wir schweifen ab....
An der Passkontrolle ist natuerlich aufgefallen, dass wir keinen Einreisestempel hatten. Ausserdem hatten wir auch noch 2 verschiedene kirg. Visa, eines aus Deutschland, und eines aus Dushanbe, beide natuerlich mit unterschiedlichem Datum. Das sorgte fuer ganz schoene Verwirrung. Die Beamten haben dann versucht, den Grenzuebergang, an dem wir eingereist sind, anzurufen. Guter Witz, irgendwo in den Bergen, an der Grenze zu Tadschikistan, auf 4200 m liegt ein dickes Buch, in dem irgendwo unsere Namen stehen.... Nach ueber einer Stunde haben sie aufgegeben, uns aber zum Glueck durchgelassen. Allerdings duerfen wir nun nicht mehr einreisen (unser 2. Visum galt noch ein paar Tage), wir waren unerwuenschte Personen!

Somit waren wir also wieder in Kasachstan. Unser geliebtes Kasachstan... Die Strasse hinter der Grenze war erstaunlicherweise sehr gut und wir waren recht schnell in Almaty, der groessten Stadt in Kasachstan ganz im Sueden. Hierher mussten wir hin, um das Visum fuer die Mongolei zu beantragen. Das ging erstaunlich schnell und problemlos innerhalb von wenigen Stunden. Ansonsten wollten wir in Almaty ein Paket vom Flughafen abholen, in dem Reifen und Ersatzteile aus Deutschland geschickt werden sollten. Nur leider verzoegerte sich das ganze, weil unserer Lieben, die das organisieren eben auch mal Urlaub machen bzw. beruflich unterwegs waren. Wir hatten schon soooooo viel Zeit in Kirgistan "totgeschlagen" (nicht dass das uebermaessig schlimm war), nun mussten wir nochmal warten.

In Almaty zu warten, ist unbezahlbar. Diese Stadt ist wirklich unglaublich. Nach 4 Stunden Suchen hatten wir endlich ein freies Hotelzimmer gefunden, fuer schlappe 95 Dollar. Essen gehen oder andere Dinge sind in Almaty teurer als in einer deutschen Grossstadt. Die Stadt ist DIE Boomtown in ganz Zentralasien, und hier steckt einfach irre viel Geld drin. Jeder ist "Buisinessmen", und selbst mit einem small buisiness kann man sich schon einen 100.000 Dollar Lexus leisten. Was hier fuer Karren rumfahren (oder besser: im Stau stehen) ist unfassbar. 7er BMW, S-Klasse Mercedes, Hummer und riesige Landcruiser sind Standard, drunter geht nix. Die Mieten sind in der Stadt unerschwinglich. Trotzdem ist es fast nicht moeglich, ein Internetcafe zu finden oder einene Telefonanruf nach Deutschland zu machen.... Aber trotzdem ist es eine faszinierende Stadt!!!!

Almaty
Blick auf Almaty aus unserem 26 stoeckigen Hotel

In Almaty konnten und wollten wir also nicht warten. Wir haben die Moppeds wieder bepackt und sind Richtung Suedosten gafhren, zum sog. Sharyn Canyon. Das ist ein Canyon der dem Grand Canyon in den USA aehnelt, wenn auch natuerlich viel kleiner. Wir wollten gerne im Canyon selber zelten, wer von euch "long way round" gesehen hat, wird sich vielleicht noch an die Bilder erinnern. Wir waren also wieder auf Mc Gregors Spuren, aber an einer Stellen haben wir es ihnen dann doch nicht gleich getan. Die Piste zum Canyon ist ok, die Strecke in der Schlucht selber auch, aber der Abstieg in den Canyon war fuer uns zu heftig. Es ging dermassen steil runter, voller tiefer Rillen, riesiger Bodenwellen und dicker Steine, das waere mehr als ein Sturz vorprogrammiert gewesen. Und genau das wollten wir vermeiden, also haben wir die Mopeds oben stehen gelassen, haben endlich mal die Wanderschuhe angezogen und sind zu Fuss durch den Canyon.

Sharyn
Sharyn Canyon

Wir waren schon sehr enttaeuscht, nicht hier durch fahren zu koennen, und irgendwie haben wir uns auch ein bisschen wie Feiglinge gefuehlt. Ein paar Hundert Meter miese Piste und wir kneifen. Aber wir hatten auf jeden Fall Recht! Denn auf dem Rueckweg sind wir mit einem Ranger diese Steigung hochgefahren, und es ist absolut sicher, dass wir mit den Motorraedern dort NIE sturzfrei hochgekommen waeren. Der Niva Allrad-Jeep mit Untersetzung (und noch 2 anderen wilden Schalthebeln, in denen der Fahrer die ganze Zeit geruehrt hat) kam mit Ach und Krach die Steigung hoch, dabei plaerrte russische Popmusik und Joerg sass eingeklemmt zwischen 4 (!!!) russischen Studentinen auf der Rueckbank. Wenn das nicht besser ist, als verbeulte Alukoffer und abgebrannte Kupplungen ...

Vom Sharyn Canyon aus sind wir dann nochmal nach Almaty gesaust, denn tatsaechlich hatte es noch mit unsererm Paket aus Deustchland geklappt. Tom und Snezana, unsere Logistik-Experten in Aachen, haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und uns in einer Blitzaktion die Sachen geschickt. Nochmal 1000 Dank!!! Unglaublich, von der Abholung durch die Spedition in Aachen bis wir das Paket in den Haenden hielten sind noch nicht mal 48 Stunden vergangen. Die Welt ist echt klein geworden.
Die Zollformalitaeten am Flughafen waren wieder mal etwas undurchsichtig fuer uns. Aber zum Glueck haben wir einen englisch sprechenden Agenten getroffen, der hat uns in Schlepptau genommen, und innerhalb von einer Stunde hatten wir alle erforderlichen Stempel auf unserem Airway Bill. Immerhin 11 an der Zahl! Ohne Alex haetten wir das wohl nie durchblickt. Und das ganze wurde irgendwie auch so deklariert, dass wir noch nicht mal was dafuer zahlen mussten!

Mit frischen Reifen hinten drauf geschnallt und jeweils einem Kettensatz im Gepaeck sind wir dann endlich weggefahren aus Almaty, nun immer Richtung Norden. Vor uns lag wieder mal die kasachische Steppe. Und die kasachischen Strassen... So schoen die Landschaft auch sein mag, die Fahrt durch sie hindurch wir einem dermassen vermiest durch diese unglaublich schlechten Strassen! In Almaty strotzt alles nur so vor Geld, und der Rest des Landes gammelt ab und ist vollkommen kaputt, die Leute verrecken an TB oder Lepra und keinen kuemmert's. Aber ueberall haengen Plakate, die den Praesidenten mit gluecklichen Kindern vor bluehenden Feldern zeigen. Zum Kotzen. Kasachstan 2030 steht darunter. Bis 2030 soll das ganze Land reformiert und modern sein. Wer's glaubt... Kasachstan ist ein Lehrstueck dafuer, was passiert, wenn man zu schnell zu viel Geld in ein armes und unterentwickeltes Land mit niedrigem Bildungsstand pumpt. Der Reichtum einiger weniger basiert einzig und allein auf Oel, dadurch fliessen die Dollar nur so in Stroemen. Ansonsten hat sich leider wenig getan. Schade, denn es ist eigentlich ein sehr schoenes Land.


Zelten in der kasachischen Steppe ist eigentlich wunderschoen, wenn nur die Strassen nicht waeren....

Inzwischen sind wir in dem lustigen Ort Ust-Kamenogorsk gelandet (Oeskemen auf kasachisch), ganz im Nordosten in der Naehe von Semey. Semey wird den meisten von euch unter seinem alten sovjetischen Namen gelaeufiger sein, frueher hiess es Semipalatinsk. Die Russen haben hier bis 1991 offiziell 467 Atombomben getestet, und damit das Land eigentlich unbewohnbar gemacht. Nicht dass es das ist oder jemals war, aber das kuemmert natuerlich wieder niemanden.

In ein paar Tagen werden wir Kasachstan verlassen und dann nach Russland fahren. Hier in Oeskemen sieht die Landschaft schon wieder ganz anders aus. Keine Steppe mehr, sondern gruen und huegelig, mit Waeldern. Es ist schon ein Vorgeschmack auf das Neue, was uns nun erwartet, und auf das wir uns freuen: Sibirien!!

Aber davon beim naechsten Mal.
Viele liebe Gruesse an euch alle und schreibt mal wieder!



Kirsten und JörgKommentare: 4     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
18.06.2007 - Location: Bishkek
Stutenmilch und Currywurst

Wir sind in Kirgistan. So nennen wir es zumindest. Die offizielle deutsche Bezeichnung fuer dieses kleine Land ist aber Kirgisistan, und manche sagen auch Kirgisien. Eigentlich ist das ja egal, denn das Land ist jedesmal das gleiche. Kirgistan unterscheidet sich sehr von den Laendern, die wir bisher bereist haben. Es ist zwar auch sehr gebirgig, aber viel gruener, und die Kultur ist auch eine ganz andere. Aber dazu spaeter mehr, erst mal chronologisch zum Ablauf der Strecke. Es ist wenig aufregendes passiert in den letzten Wochen, aber die Landschaft war dafuer umso schoener, deshalb kriegt ihr dieses mal viiiiele Bilder zu sehen!

Zuletzt haben wir aus Osh geschrieben, der ersten groesseren Stadt, wenn man von Tadschikistan rein kommt. Die "Strasse" hierhin fuehrt vom 4200 m hohen Kyzyl Art Pass immer bergab, und wie gehabt ist sie teilweise in einem erbarmungswuerdigen Zustand. Das unberechenbare Wetter ist wieder mal Schuld, und die Strasse ist zum grossen Teil von einem Fluss weggerissen.

Strasse weg
mal wieder kein Durchkommen

Es gibt zwar immer Umleitungen durchs Flussbett, aber die sind natuerlich auch nicht gerade wie eine deutsche Autobahn. Doch was soll uns noch schocken? Wir haben immer an den Karl auf seiner alten BMW gedacht, der in Tadschikistan einfach ohne Zoegern durch alles durchgefahren ist und uns alle hinterher gezogen hat. Deshalb geht es auch hier immer nach dem Motto "Augen zu und durch", und immer schoen am Gas bleiben, das ist das Wichtigste!

Schon vor Osh haben wir gesehen, was dieses Land sonst noch ausmacht, naemlich unglaublich gruene Hochtaeler, in denen die Nomaden ihre Jurten aufbauen um mit ihren Tieren, hauptsaechlich Pferde, hier die warmen Monate zu verbringen. Jailoos heissen diese Plaetze auf Kirgisisch, das kann man mit Sommerweide uebersetzen. Auch wenn heutzutage die Jurte oft durch einen Bauwagen ersetzt wird, vor dem ein Audi parkt, leben die Nomaden doch zum Grossteil noch recht traditionell. Die Jurten ploppen hier im Juni ueberall wie Pilze aus dem Boden, es dauert nur ein paar Stunden, bis so ein Filzhaus aufgebaut ist.

Aufbau einer Jurte
Aufbau einer Jurte

Innen sind die Jurten immer sehr farbenfroh ausgeschmueckt. Die typischen Teppiche oder Wandverkleidungen heissen Shyrdak, sie sind aus Fell und sehr bunt. Viele Jurten sind tagsueber fuer Touristen geoeffnet, und da kommt man dann in den zweifelhaften Genuss, das kirgisische Nationalgetraenk probieren zu duerfen bzw. muessen. Die Kirgisen melken im Fruehjahr die Stuten, und diese Milch wird dann irgendwie in einem Schafsbalg vergoren oder fermentiert. Das Ergebnis heisst Kymyz, und es ist so ziemlich das ekelhafteste, was man trinken kann. Es schmeckt salzig, saeuerlich, fettig und alkoholisch, und meistens schwimmen auch ein paar Fliegen oder sonstwas drin. Dann sitzt mal also in einer solchen Jurte, mit einer riesigen Schale Kymyz vor sich, und muss irgendwie dieses Zeug runterkippen. Alles andere ist ja unhoeflich. Und so waren wir bisweilen extrem unhoeflich, denn irgendwo ist Schluss mit Voelkerverstaendigung. Und in die Jurte zu reihern waere sicherlich noch unhoeflicher...

In der Jurte
immer laecheln und runter mit dem Zeug!

Kymyzverkauf
Drive in Kymyzverkauf

An einem Jailoo haben wir gestoppt, weil die Leute gerade dabei waren ihre Schafe zu scheren. Zur Begruessung gabs wie ueblich Kymyz, und dann durfte ich (Kirsten) auch mal probieren, ein Schaf zu scheren. Wolle habe ich keine abschneiden koennen, dafuer aber jede Menge Haut. Ich weiss auch nicht, wie das kam... Das arme Schaf! Die Nomaden haben sich alle kaputt gelacht ueber meine Begabung, und die Wunden des voellig geschockten Viechs wurden mit Kymyz desinfiziert. Mit was auch sonst.

Schafsfrisoer
wenn das der Tierschutzbund sieht!

Kirgistan ist ein wirklich tolles Land, und egal wo man ist, sind die Berge nicht weit. Tien Shan heisst der groesste Gebirgszug hier, der auch die Grenze zu China markiert. Tien Shan bedeutet Himmelsgebirge, und der hoechste Gipfel ist weit ueber 7000 m hoch. Am Fuss des Tien Shan liegt ein riesiger See, Issyk Kul genannt.

Issyk Kul
Lake Issyk Kul vor den Bergen des Tien Shan

Wir wollten ihn umrunden und dann auf der Suedseite noch ein paar Abstecher in die hohen Berge machen. Wir haben immer wieder versucht, Informationen ueber diese Strecken zu bekommen, denn es liegt noch sehr viel Schnee und wir wussten von einigen kaputten Bruecken. In Karakol, einem groesseren Ort im Osten hat sich dann herausgestellt, dass die in unserer Karte eingezeichnete Strecke eigentlich noch nie durchgehend vorhanden war. Klar, mit dem Motorrad ist das alles kein Problem, zur Not fliegen wir halt, und es dauert alles auch hoechstens einen Tag, weil wir ja mindestens mit 200 km/h fahren. Nur ein einziger ortskundiger Fuehrer hat klipp und klar gesagt, dass noch nicht mal wir dort her fahren koennen. 50 km Strasse fehlen einfach komplett, und vorher und hinterher sind Bruecken seit langem weggespuelt. Also haben wir schweren Herzens auf unserer Tien Shan Ueberquerung verzichtet und sind satt dessen "nur" in ein paar Seitentaeler suedlich und oestlich von Karakol gefahren. Die Karte stimmte hier natuerlich auch nicht wirklich, aber das war nicht schlimm, denn so sind wir durch Zufall in ein ganz einsames und wunderschoenes Hochtal geraten. Die Piste war kaum befahren, nur ein paar Jurten standen hier oben, und irgendwann sind wir abseits aller Wege nur noch ueber Wiesen und durch Flussbetten gefahren.

in einsamen Taelern
unterwegs in einsamen Taelern

abseits aller Strassen
where the streets have no name

In diesen Hochtaelern fliesst immer mindestens ein grosser Fluss, der natuerlich sehr am "Design" der Strasse mitarbeitet. Wenn man Glueck hat, gibt es Bruecken, oder manchmal auch nur Reste von Bruecken. Das ist jedesmal recht spannend, und natuerlich reduziert es die Reisegeschwindigkeit auf deutlich unter 200 km/h.


gute Bruecke


nicht mehr so gute Bruecke

Zelten ist ueberall problemlos moeglich. Man sucht sich einfach einen schoenen Platz und bleibt solange man will. Manchmal haben wir schon mittags unser Zelt aufgebaut, weil es einfach sooo schoen war, und weil wir nicht wieder zuruck wollten an den dicht besiedelten Issy Kul See, um dort irgendwo in einem Homestay mit Plumpsklo zu uebernachten. Diese Abende haben wir immer sehr Malboro-maessig verbracht, Holz suchen, Feuer machen, Bier im Fluss kuehlen. Ab und zu kam ein Nomade vorbei, der sich kurz an unserem Feuer gewaermt hat und einen heissen Tee von uns bekam, ansonsten stoert einen hier nur das laute Rauschen der Fluesse. Nur einmal hatten wir Pech, es hat die ganze Nacht geregnet, und dann sind die Pisten bzw. Pfade sehr schlammig.


perfekte Zeltplaetze gibt es ueberall in Kirgistan

Nach den Ausfluegen zu den Jailoos sind wir immer wieder nach Karakol zurueck gefahren. Dort gab es einfach alles, was man so braucht, und ab und zu muss man ja auch mal duschen. Wir haben es so geplant, dass wir an einem Sonntag dort waren, denn da findet eimmer ein grosser Tiermarkt statt.

Tiermarkt Karakol
auf dem Tiermarkt in Karakol

Unser Vermieter war ganz entsetzt, dass wir nicht schon morgens um 5 dort sein wollten. Gegen 8 steigen doch die Schafspreise auf das Doppelte! So ein Pech. Also haben wir kein Schaf gekauft, und ein Pferd koennen wir auch schlecht mitnehmen, auch wenn es nur 150 Dollar kostet. Dafuer haben wir uns schon mit jeder Menge anderen Souvenirs eingedeckt, unter anderem grosse Shyrdaks und ein paar der typisch kirgisischen Maennerhuete. Das alles ist im Moment in einem sehr grossen und sehr teuren Paket auf dem Weg nach Deutschland, und wir hoffen sehr, dass es auch ankommt.

Im Moment sind wir in Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans. Wir haben hier schon vor einigen Tagen ein neues Visum fuer Kasachstan beantragt, dass wir angeblich heute bekommen sollen. Mal gucken, ob sich nachher rausstellt, dass wir irgendwas falsch ausgefuellt haben und nochmal 5 Tage warten muessen. Bishkek ist zwar ein guter Platz, um auf diesen Papierkram zu warten, aber wie alle grossen Staedte in Zentralasien ist es sehr teuer hier. Es gibt zwar auch Budget-Absteigen, aber fuer 30-40 Dollar teilt man sich dann das Zimmer mit zu vielen Sechsbeinern und das Klo mit zu vielen Zweibeinern. Wir sind also mal wieder in einem der schickeren Guesthouses gelandet, wo wir immer zwischen Computer und Pool pendeln, uns ab und zu ein kuehles Bierchen goennen und Urlaub vom Urlaub machen. Und ausserdem gibt es hier ganz in der Naehe ein deutsches Brauhaus namens Steinbraeu, mit Weisswurst, Sauerkraut und "Karriworst".

Eigentlich wollten wir in ein paar Tagen dann nach Almaty in Kasachstan fahren, um dort ein Paket mit Reifen und Ersatzteilen abzuholen und das Visum fuer die Mongolei zu beantragen. Aber das Paket verzoegert sich wohl noch, und so werden wir Kirgistan noch nicht verlassen und wieder fuer ein paar Tage in den Bergen zelten.
Inzwischen sind wir nun schon ueber 3 Monate unterwegs. Die Zeit ist wie schon damals in Suedamerika unglaublich schnell vergangen. Bisher sind wir gut 14.000 km in 9 verschiedenen Laendern gefahren. Das hoert sich erstmal nicht sehr viel an, aber es waren viele sehr schwierige Pisten dabei, und ausserdem ist das ja eine Reise und kein Rennen. Karl und Ulli, die beiden Deutschen, mit denen wir in Tadschikistan gereist sind, sind inzwischen schon in der Mongolei. Auch wir sind unserem urspruenglichen Zeitplan weit voraus, aber bis zur Mongolei wird es wohl noch ein bisschen dauern.

Zum Schluss noch zwei weitere typische Eindruecke aus Kirgistan. Zum einem wieder mal eine "Tankstelle", und dann noch der gute alte Lenin, der hier wirklich an jeder Ecke rumsteht. In allen anderen Laendern wurden die Relikte aus der Sovjetzeit gnadenlos entfernt, nur hier nicht.



Shell V-Power


good old Lenin


Und bevor man uns nun gewaltsam vom Computer entfernt beenden wir diesen Bericht fuer heute.

Viele liebe Gruesse!



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01.06.2007 - Location: Osh
River deep, mountain high

Asallom aleykum!

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist seit unserem letzten Bericht. Und es ist so viel passiert, dass wir wieder garnicht wissen, wo wir anfangen sollen...

Dushanbe war die letzte Station, von der aus wir uns gemeldet haben. Wir hatten unglaubliches Glueck, denn wir sind dort bei Isabella gelandet, der Sekretaerin des deutschen Botschafters. Sie hatte nicht nur ein grosses Haus mit schoenem Garten, sondern auch ein grosses Herz und ueberlaesst uns ihre Sauna, Waschmaschine, Internetanschluss und alles, was das Motorradfernreiseherz sonst noch begehrt. Tagsueber haben wir in ihrem Hof an den Motorraedern gewerkelt, und abends sassen wir immer zu fuenft in der Kueche und haben lange Isabellas Insidergeschichten ueber Tadschikistan gelauscht. Besonders schlecht kam dabei der tadschikische Praesident Rachmon weg. Er fuehrt sich aehnlich despotisch und groessenwahnsinnig auf wie sein verstorbener Kollege aus Turkmenistan. Der Tunnel unter dem Anzob-Berg z.B. war seine Idee, und weil er ja schon seit seit Jahren nicht fertig wird, gab es halt ein Dekret, in dem steht, dass er fertig ist und gefaelligst zu benutzen sei. Was daraus wurde habt ihr ja im letzten Bericht sehen koennen. In Dushanbe laesst der nette Herr ueberall arme Stadtviertel ausradieren, um dort neue und sehr schicke Praesidentenpalaeste samt Statuen von sich aufzustellen. Klar, Palaeste kann man ja schliesslich nie genug haben! Eine Handvoll sind es schon in der Hauptstadt, ein weiteres Dutzend im ganzen Land. Spaeter werdet ihr noch mehr ueber diesen Praesidenten erfahren...

Nach 5 Naechten in Dushanbe gings dann fuer uns wieder los. Ulli und Karl haben innerhalb kurzer Zeit ihr sog. GBAO-Permit fuer die weitere Strecke bekommen, und wir haben ein frisches kirgisisches Visum, das nun eine Woche frueher beginnt als urspruenglich geplant. Alles ging problemlos, schnell und unbuerokratisch gegen entsprechende Dollarscheine.
Zu viert zusammen mit Ulli und Karl stand nun das Pamir-Gebirge auf unseren Routenplan. Um dort hin zu gelangen, gibt es zwei Moeglichkeiten, einen direkten Pass oder einen Umweg ueber den Sueden des Landes. Wir haben uns fuer letztere Variante entschieden, weil sie landschaftlich sehr schoen ist und der groesste Teil der Strecke sogar asphaltiert ist. Bis Khuljab war auch alles kein Problem, das Wetter war sehr schoen, die Gegend auch, gruen und huegelig, und mitten drin der riesige dunkelblaue Nurek-Stausee. Hinter Khuljab wendet sich die Strecke dann nach Osten Richtung afghanische Grenze, und ab da wird sie unglaublich schlecht. Sie fuehrt immer direct am Grenzflus entlang nach Kalaikhum. Das Tal ist sehr eng und die Strecke ist winzig und steinig, und oft durch Steinschlaege, Erdrutsche oder Fluesse zerstoert. Meistens konnten wir die Hindernisse gut bewaeltigen, nur vor einem sehr tiefen und schnell fliessenden Fluss habe ich (Kirsten) kapituliert und das lieber den Jungs ueberlassen. Und prompt ist Joerg die XT mitten im Fluss ausgegangen, da war es wieder mal gut, dass wir zu viert unterwegs waren. Wir alle standen bis zu den Knien im Wasser um das Moped zu befreien, aber keiner hat vorher dran gedacht, die Stiefel auszuziehen.


die XT als Seepferdchen!

Zwei Tage haben wir von Dushanbe bis Kalaikhum gebraucht. Einen Zeltplatz fuer die Nacht zu finden war garnicht so einfach, weil es eben alles sehr steil war, und wir wollten auch nicht direkt an der Grenze zu Afghanistan zelten. Irgendwie war uns das nicht ganz geheuer, warum auch immer. Doch schon am naechsten Tag mussten wir uns an den Gedanken gewoehnen, denn es gibt einfach keine andere Moeglichkeit. Es ist komisch, auf der einen Seite des Flusses sind wir, in Tadschikistan. In einem sehr armen Land, aber es gibt wenigstens halbwegs befahrbare Strassen. Auf der anderen Seite des Flusses liegt also Afghanistan. Ein Land, dass noch viel aermer ist, das verschunden ist von Jahrzehnten Krieg, und von dem wir wenig wissen. Ausser das, was unsere Medien beherrscht. Auch wir haben natuerlich die juengsten Entwicklungen mitbekommen und die Fernsehbilder vor dem geistigen Auge. Was wir in Realitaet sehen ist aber ganz anders.

Grenzfluss
links Tadschikistan, rechts Afghanistan

Das Ufer ist extrem steil, es gibt nur Eselspfade, die sich Kilometer um Kilometer am Fluss entlang ziehen. Ab und zu sieht man sehr einfache Doerfer, die an die steilen Haenge geklebt sind, und wenn es das Gelaende zulaesst auch ein paar Felder. Die Menschen gucken zu uns rueber, auf die andere Seite, wie aus einem Gefaengnis raus. Wenn wir zu ihnen gelangen koennten, wuerden sie uns wahrscheinlich wie ueberall freundlich die Haende schuetteln und uns als Gaeste in ihr Haus aufnehmen. Aber ihre Welt bleibt uns verschlossen, wir koennen (und wollen) den Fluss nicht ueberqueren. Wir haben einige Leute getroffen, die in Afghanistan gereist sind, alle sagen es sei kein Problem gewesen. Aber fuer uns stellt sich die Frage erst garnicht, es mag gut gehen, vielleicht aber auch nicht. Das Risiko bleibt unkalkulierbar. Auch auf tadschikischer Seite stossen wir ab und zu auf Relikte der Buergerkriegszeiten. Kaputte Panzer liegen rum, und es gibt auch noch ungeraeumte Minenfelder, wenn auch wesentlich weniger, als wir erwartet hatten. Sie sind mit solchen makaberen Schildern gekennzeichnet.

Bumm
hier moechte man nicht unbedingt zelten...

Es ist unglaublich krank, sein eigenes Land zu verminen und seine eigenen Leute in die Luft zu sprengen. Es trifft sowieso immer Unschuldige. Der Buergerkrieg ist seit 10 Jahren offiziell vorbei, aber es gibt immer noch Clans und Warlords und Tadschikistan bleibt ein Kunstgebilde. Hier im Sueden sind die Menschen verwandt mit den Afghanen, sie sehen gleich aus und sprechen die gleiche Sprache. Nur die Politik zieht die Grenzen. Es ist jedenfalls sehr interessant, sich mal selber ein Bild von der ganzen gegend zu machen, die im Uebrigen wunderschoen ist! Und bedroht oder unsicher haben wir uns hier nie gefuehlt, wie ueberall waren die Menschen sehr freundlich und offen. Zwar muessen wir hier und auch auf dem weiteren Weg entlang der Grenze unzaehlige Militaerkontrollen ueber uns ergehen lassen (wir haben zum Glueck saemtliche erforderliche Sondergenehmigungen), aber die Soldaten, die hier mitten im Nichts diese Grenze bewachen sind noch halbe Kinder, die mit ihren riesigen Gewehren irgendwie seltsam aussehen.

Der weitere Weg fuehrte nun von Kalaikhum nach Khorog, wo der eigentlich Pamir-Highway beginnt und nach Osten abzweigt. Wir haben uns aber fuer die suedliche Route entschieden, immer entlang der Grenze durch das Tal bzw. Die Schlucht des Panji River. Von hier aus soll man die besten Blicke auf die Berge haben. Soll man? Richtig, wir hatten mal wieder schlechtes Wetter... Und da sassen wir also im sog. Wakhan Korridor, der Hindukush auf der einen und der Pamir auf der anderen Seite, und von beidem sahen wir nicht ein Steinchen, weil die Wolken so tief hingen. Es ist wie verhext! Das Wetter spielt ja dieses Jahr ueberall auf der Welt verrueckt, hier natuerlich auch. Es regnet deutlich mehr als ueblich. Von wegen kontinentales Klima...

Es besserte sich erst, als wir ueber einen fuerchterlichen Pass ueber 4300 m das Flusstal verlassen hatten und oben auf dem Dach der Welt angekommen waren. Bam-i-Dunya ist der einheimische Name fuer den Pamir, dass heist uebersetzt eben "das Dach der Welt". Die Berge reichen bis 7500 m hoch, das eigentliche Pamir-Plateau liegt um 4000 m. Der Pass hier hoch war eine Katastrophe. Karl ist mit seiner BMW immer vorgefahren, er brettert gnadenlos uber alles drueber. Das hat uns andere hinterhergezogen, wir alle sind vorher im Leben noch nie ueber so dickes Geroell, durch so tiefe Rillen, ueber so hohe Kanten, auf so abartigem Wellblech, durch so tiefen Sand und durch so steile Serpentinen gefahren. Alle kamen ohne Sturz durch, was an ein Wunder grenzt, und als Belohnung hat uns dann der aspahltierte Pamir-Highway erwartet!

auf dem Pamir Plateau
auf dem Pamir Plateau

Das Pamir-Plateau ist wirklich toll, man fuehlt sich echt wie auf dem Dach der Welt. Es ist wenig Verkehr hier oben, nur ab und zu sieht man Karawanen von Lastwagen, die aus dem nahen China hierher kommen. Natuerlich leben hier oben auch Menschen, z.B. in dem kleinen Ort Alichur. Hier sind wir in einem sog. "Homestay" abgestiegen, die typische Form der Unterkunft in Zentralasien. Das bedeutet, dass eine Familie einfach ein Zimmer fuer Touristen frei macht und man mit ihnen zusamen unter einfachen Bedingungen haust. Das ganze ist denkbar billig und natuerlich sehr basic. Da es ueblicherweise keine Moebel in den Hausern gibt, legt man sich einfach auf die Teppiche auf ausgebreitete Matten, gegessen wir auch sitzend auf dem Boden. Unsere Unterkunft in Alichur hatte weder Wasser noch Strom, und es gab auch nur ein Dorfplumpsklo hinter dem Yak-Stall. Als wir hier ankamen, fanden wir das alles noch nicht so schlimm. Da wussten wir auch noch nicht, dass wir einige Tage hier verbringen mussten, mit einer Mischung aus Hoehenkrankheit und Salmonellenvergiftung der besonders heftigen Sorte. Wir waren zu schnell aufgestiegen (von 2400 m auf 4000 m), und die Eier vom Fruehstueck am Vortag waren ziemlich schlabbrig gewesen. Selber schuld, beides haetten wir besser wissen muessen... Das waren einige unschoene Momente, und irgendwann hat unsere Gastmutter dann einen Arzt gerufen. Joerg hatte zwar Angst, dass er ein Murmeltier ueber unseren Koepfen schwenkt, aber das war zum Glueck nicht der Fall, und seine bunten Pillen aus dem Einmachglas haben auch irgendwann geholfen. Die Behandlung hat incl. Medikamente 12 Somoni gekostet, umgerechnet etwas mehr als 4 Dollar.

Halbwegs genesen sind wir dann weiter nach Norden gefahren, immer entlang der M41 Richtung Kirgistan. Karl und Ulli hatten uns bereits verlassen, die beiden haben viel weniger Zeit und waren gesund, also warum sollten sie auf uns warten. Der Abschied ist uns schwer gefallen, wir waren eine gute Gemeinschaft und haben neue Freunde gewonnen.
Doch vor der kirgisischen Grenze mussten wir noch einige Paesse ueberqueren, der hoechste davon 4655 m hoch und auch wieder in sehr schlechtem Zustand. Der Blick von hier oben war allerdings phantastisch:


Blick vom 4655 m hohen Ak Baital Pass nach Sueden

Kurz hinter dem Oertchen Murgab entdeckten wir dann rechts neben der Strasse einen Zaun. Davon hatte uns Isabella in Dushanbe schon erzaehlt. Es ist die Grenze zu China. Laut Karte verlaeuft sie viele Kilometer weiter im Osten, aber tatsaechlich beginnt China nun direkt neben dem Pamir Highway. Wie kommt das? Tja, der Praesident ist mal wieder schuld. Die Berge auf der ehemaligen Grenze sind stark uranhaltig, so hat also der tadschikische Praesi mal eben etliche Kilometer Land an die Chinesen verkauft. Die haben natuerlich gleich einen schicken Zaun entlang ihres neuen Terretoriums gezogen, der sich nur Hunderte (!!!) von Kilometern entlang der Strasse nach Norden zieht, bis zur kirgisischen Grenze. Jetzt wird der Pamir von einer neuen chinesischen Mauer durchschnitten und die einmalige Landschaft ist verschandelt. Was ist das fuer ein Praesident, der einfach so sein Land verschachert? Vielleicht brauchte er mal wieder einen neuen Palast...

Eine letzte Zeltnacht in Tadschikistan haben wir uns noch am 3900 m hohen Karakul-See gegoennt, der sich kurz zeigt, bevor ein Sturm aufzieht und saemtliche Berge ringsrum verschluckt.

Lake Karakul
Lake Karakul

Hinter dem See ueberquerten wir dann den 4200 m hohen Kyzylart-Pass und erreichten somit Kirgistan. Seltsamerweise wollte uns an der Grenze niemand das kirgisische Visum abstempeln, und eine Zollerklaerung oder Einfuhrgenehmigung fuer die Moppeds wollte man uns auch nicht geben. Sowas kennen wir garnicht aus Asien, wo bisher alles immer sehr buerokratisch zuging. Sind wir jetzt illegal im Land? Mal gucken, was bei der Ausreise passiert...

Aber bis dahin ist es noch Zeit, jetzt geniessen wir erstmal die Vorzuege einer grossen Stadt. Wir sind in Osh, wo wir ein ganz tolles Guesthouse gefunden haben, mit einem richtigem Bett und eigenem Bad mit einem richtigen Klo! Mit Garten, und Teekueche und Internet, und die Sonne scheint sogar auch mal zur Abwechslung!

Soweit der neueste Abenteuerbericht. Eines wollen wir aber noch erwaehen, naemlich die Benzinversorgung in diesem Teil der Welt. Die Motorraeder laufen ja brav mit jedem Sprit, und das ist auch gut so. Hier gibt es kaum Tankstellen, und wenn sind die Zapfsaeulen sowieso ausser Betrieb. Getankt wird grundsaetzlich mit Kanister und Trichter, und wenn's ganz hart kommt auch schon mal aus der Plastikflasche. Das Zeug kann man dann an irgendeinem Haus kaufen, und es hat angeblich 80 Oktan, aber das ist sicherlich gelogen. Der armen XT geht in grossen Hoehen sowieso schon immer die Luft aus (Hoechstgeschwindigkeit uber 4000 m gerade mal noch 60 km/h), und dann auch noch sowas:


Tiger im Tank!

Also Leute, geniesst die Errungenschaften der modernen europaeischen Zivilisation! In diesem Sinne, viele liebe Gruesse aus Kirgistan und bis bald

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18.05.2007 - Location: Dushanbe
Auf der Achse des Boesen

Hallo alle zusammen,

so schnell geht das, eben noch auf der Seidenstrasse, jetzt auf der angeblichen Achse des Boesen! Ja genau, wir haben mal wieder eine Grenze ueberquert, und nun sind wir in Tadschikistan. Ein Land, mit dem die meisten Menschen sicher nur Terrorismus, Taliban, Buergerkrieg und Minenfelder assoziieren.

Auch wir hatten wenig Vorstellungen von diesem Land, das eingezingelt zwischen Afghanistan und China mitten in Asien liegt. Bergig hatten wir es uns vorgestellt, und wild. Und genau so ist es auch. Und dazu kommen noch unglaublich freundliche Menschen, die so gastfreundlich sind, dass es einen fast beschaemt. Und wir hatten uns vorgestellt dass Tadschikistan sicher eines der haertesten Laender unserer Reise wird. Und auch das ist eingetreten....

Usbekistan haben wir am 14. Mai verlassen, bei sehr schoenem Wetter und deutlich ueber 30 Grad. Von Samarkand bis zum Grenzuebergang ist es nicht weit, und auch die Formalitaeten gingen wie bisher ueberall recht schnell und problemlos. Nur kurz vor uns hatten 2 weitere Deutsche mit Motorraedern diese Grenze ueberquert, wir kannten Ulli und Karl schon aus Usbekistan und wollten uns spaeter wieder irgendwo unterwegs treffen. Schon direkt nach der Grenze merkten wir, wie arm Tadschikistan ist. In unserem reisefuehrer steht, dass es zu den 30 aermsten Laendern der Welt zaehlt, und man sieht ueberall noch die Spuren der Sovjetzeit und teilweise auch des Buergerkriegs. Endlich aenderte sich auch die Landschaft, nach so vielen Wochen oder fast Monaten in der Steppe oder Wueste sahen wir nun Berge vor uns, das war wirklich eine Wohltat. Tadschikistan scheint ein wunderschoenes Land zu sein!

Ein landschaftliches Highlight sind die "seven lakes", die man von der Grenze aus recht schnell erreichen kann. Wie der Name sagt liegen dort 7 Bergseen, wunderschoen zwischen steilen Bergen. .


Piste an den Seven Lakes

Eigentlich wollten wir bis zum letzten See fahren, ca 50 km von der Hauptstrasse aus. Aber leider war die Piste viel schlechter als erwartet, sehr steinig und mit sehr steilen Serpentinen. Das ganze endete recht schnell mit blauen Flecken und verbeultem Alu, also haben wir unser Zelt bereits am 3. See aufgeschlagen. Am naechsten Morgen kamen Ulli und Karl aus dem Tal heraus, beide sahen auch ziemlich gebeutelt und sturzgeplagt aus, die Piste muss weiter hinten noch fuerchterlicher gewesen sein. Wir alle 4 hatten solche Verhaeltnisse hier nicht erwartet, und wir haben beschlossen, sicherheitshalber von nun an zusammen zu fahren. Es ist halt einfacher, zu viert ein vollbepacktes Motorrad wieder aufzuheben!

Der weitere Weg sollte uns von hier nach Dushanbe fuehren, der Hauptstadt Tadschikistans. Die Strecke ist als dicke rote Strasse in unserer Karte eingezeichnet, und es ist ausserdem die einzige Strasse, die es gibt. Da wuerde man doch eine halbwegs intakte Strecke erwarten, oder? Weit gefehlt! Eine solche Piste haben wir alle 4 noch nicht gesehen, und wir sind alle ja nicht ganz unerfahren. Die Berge sind so steil, dass sich die Strecke nur durch Flusstaeler schlaengeln kann. Der Asphalt ist schon lange total zerstoert, durch Erdrutsche, Steinschlag und Wintertemperaturen von -30 Grad. Auf etlichen Abschnitten konnten wir nur im 1. Gang fahren, und nicht selten kamen dann auch noch solche Hindernisse dazu:


mitten in der Schafherde


steile Serpentinen

Weil die Strecke nach Dushanbe in einem Tag nicht zu bewaeltigen war, haben wir noch eine weitere Nacht im Gebirge gezeltet, am wunderschoenen Iskander Kul, einem Bergsee auf 2200 m Hoehe. Hier ist es so schoen, dass sogar der Praesident ein Haus hier hat. Und an den steilen Ufern gab es ansonsten auch kein flaches Fleckchen, also haben wir unser Zelt direkt neben der schicken Villa aufgebaut, sehr zum Missfallen des Hausmeisters. Aber was wollte er machen, es war schon spaet und das Wetter wurde schlecht, er konnte uns ja schlecht wegschicken. Allerdings hat er uns dann am naechsten Morgen doch gebeten, schleunigst zu verschwinden, damit er keinen Aerger kriegt. Die Piste hierher zum Iskander Kul war eigentlich ganz gut, deshalb hat uns der leichte Regen noch nicht viel ausgemacht. Und wenn wir frueh losfahren, sind wir auch frueh in Dushanbe. Dachten wir zumindest...

Das Wetter wurde immer schlechter, und so sind wir bald im Dauerregen gefahren. Wir wussten, dass vor uns ein Pass liegt, 3800 m hoch. Im Vorfeld hatten wir immer wieder versucht, Informationen darueber einzuholen, aber die Angaben waren sehr widerspruechlich. Manchmal hoerten wir, der Pass sei noch gesperrt, aber es gaebe einen Tunnel. Andere sagten, der Tunnel sei gesperrt und der Pass geoefnnet. Je weiter wir nach oben kamen, desto mehr stellte sich aber heraus, dass der Pass tatsaechlich unpassierbar ist, und der noch nicht komplett fertiggestellte Tunnel genutzt wird. Nur leider steht dieser Tunnel unter Wasser. Wie hoch das Wasser ist, konntetn wir auch nicht rausfinden, die Angaben schwankten zwischen 20 cm hoch auf 2 km Laenge und 1 m hoch auf 5 km Laenge. Das kann ja heiter werden. Aber nicht nur das Wetter wurde schlechter, auch die Strasse war einfach in einem katastrophalen Zustand. Der Fluss ist durch den Regen immer weiter angeschwollen, und an einer Stelle hat er dann die Strasse weggerissen. Mit den Motorraedern kamen wir gerade noch so durch, aber auch nur mit Schieben, weil der Rest der Strasse schon unterspuelt war.


weggerissenen Strasse

Weiter oben standen wir dann ploetzlich in einer riesigen Baustelle. Der Tunnel ist tatsaechlich noch im Bau, wird aber schon fleissig genutzt. Und er steht tatsaechlich unter Wasser, und zwar zu tief. Fuer uns ist er unpassierbar.

Mit dem Motorrad gibt es hier kein Durchkommen, der Untergrund ist zu schlammig und voller Loecher, und die Stroemung im Wasser ist zu stark. Ausserdem ist er weitgehend unbeleuchtet und die Abgase der LKW lassen einen fast ersticken. Nach eingem Hin und Her konnten wir schliesslich mit Hilfe des Chefingenieurs einen LKW organisieren, der die Motorraeder aufladen und uns durch den Tunnel bringen konnte. Das ganze war wirklich mehr als abenteurlich, die Motorraeder passten ganz knapp nur auf die Ladeflaeche, die 3 Jungs haben versucht hinten alles festzuhalten, waehrend ich vorne bei den Arbeitern im Fahrerhaus sass. Mit 10 km-h sind wir durch den Tunnel gehoppelt, der wirklich fast komplett unter Wasser stand. Zusaetzlich schossen noch aus der Decke und den Tunnelwaenden rieisge Wasserfontaenen, eine Durchfahrt mit dem Motorrad waere unmoeglich gewesen.


Das Abladen auf der anderen Seite ging dann relativ schnell, dank tatkraeftiger Hilfe unserer Fahrer und Begleiter. Das Wetter war auf der anderen Seite des Berges allerdings noch schlechter, wie eine Sintflut kam der Regen runter. Die Strasse war weiter grauenhaft, und nun kamen etliche Erdrutsche und Wasserdurchfahrten hinzu. Wir wollten nur noch runter von diesem Berg, bevor die Strasse voellig unpassierbar wird und wir hier oben festhaengen. Dushanbe haben wir schliesslich vollkommen durchnaestt und dreckig irgendwann am spaeten Nachmittag erreicht. Wir hatten eine Adresse eines Guesthouses, das haben wir ziemlich lange gesucht und nicht gefunden. Wir wussten aber, dass es in der Naehe der deutschen Botschaft sein muss. Dort haben wir also gefragt, und so sind wir an Isabella geraten. Sie ist die Sekrataerin des Botschafters und hat uns allesamt in ihr Haus aufgenommen. Sie hat ein Herz fuer arme Kreaturen, beherrbergt einige alte und kranke Katzen und nun also auch 4 gebeutelte Motorradfahrer.

Inzwischen ist die Strecke, die hinter uns liegt nach tagelangem Dauerregen gesperrt, sie ist vollkommen unpasserbar geworden. Ausserdem ist die Wasserversorgung der Stadt zusammengebrochen, weil der reissende Fluss alles zerstoert hat.

In Dushanbe stehen nun einige organisatorische Dinge an. Ulli und Karl brauchen noch eine Genehmigung zum Befahren des Pamir, wir alle muessen wieder eine seltsame Registrierung machen, und unser Visum fuer Kirgistan muss vordatiert werden. Ob das alles klappt wie geplant und was uns im Pamirgebirge so alles passiert, erfahrt ihr dann beim naechsten Mal! Sicher wird es wieder spannend...

Viele liebe Gruesse!



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09.05.2007 - Location: Buchara
Auf der Seidenstrasse

Hallo ihr Lieben,

auch wenn die Internetverbindung hier sehr langsam ist, versuchen wir es mal wieder mit einem neuen Bericht.

In Tashkent, unserer ersten Station hier in Usbekistan, waren wir 3 Tage. Wir haben die Stadt sehr genossen, da wir endlich nach der langen Durststrecke in Kasachstan wieder in der Zivilisation waren. Von den ueber 2 Millionen Einwohnern merkt man wenig, alles ist sehr ruhig, weitlaeufig und nett rausgeputzt. Es gibt zwar auch die typischen Sovjet-Plattenbau-Kolosse, aber deutlich mehr neue und sehr schicke Haeuser.

Es gab in Tashkent fast alles, nur Oel fuer die Motorraeder konnten wir nirgends auftreiben. Es gibt hier einfach keine grosen Motorraeder, deshalb ist sowas nicht zu bekommen. Also muessen wir den Oelwechsel noch ein bisschen rauszoegern. Das tut uns zwar leid fuer die braven Moppeds, die bisher problemlos laufen, aber was will man machen.

Von Tashkent aus sind wir Richtung Suedwesten gefahren, es war nur eine Tagesreise bis nach Samarkand. Samarkand war fuer uns immer DER Inbegriff der Seidenstrasse, die durch ganz Usbekistan fuehrt. Samarkand wurde frueher auch "das glanzvolle Antlitz der Erde" genannt und ist 2750 Jahre alt. Ueberall in der Stadt wimmelt es vor Moscheen, Koranschulen (Medressen)und Minaretten, alles ist mit unglaublich schoenen blauen Mosaiken verziert. Das Herz der Stadt ist der sog. Registan, wo sich 3 Medressen gegenueber stehen und sich mit ihren riesigen Eingangsportalen selber uebertreffen.

vor dem Registan
vor dem Registan in Samarkand

Wir haben uns immer wieder dort hingesetzt und staunend alles einfach nur angeguckt, einmal sind wir sogar morgens um halb 6 aufgestanden, um aufs Minarett zu klettern und die Stadt im Sonnenaufgang von oben zu fotografieren. Eigentlich ist sowas ja nicht erlaubt, aber die Polizisten, die hier Wache halten, lassen einen fuer ein paar Sum, so heisst die Waehrung hier, dann doch hinauf.

Apropos Sum, ein kleiner Exkurs: es gibt hier in Zentralasien ja viele lustige Waehrungen, in Kasachstan war es der die das Tenge, hier ist es eben der Sum. Ein Euro entspricht ca 1700 Sum. Doof ist nur, dass es keine groesseren Scheine gibt als 1000er, und die auch nur selten. Wenn man also 100 Euro umtauscht, kriegt man eine Schubkarre voll Geld zurueck. In den Banken sind die Svetlannas hinter ihren Glasscheiben den ganzen Tag damit beschaeftigt, riesige Geldstapel hin- und herzutragen und zu zaehlen. Hier seht ihr den gegenwert von ca 80 Euro:

haufenweise Kohle
I'm a material girl !

Diese seltsame Waehrung ist auch der Grund, warum es hier keine funktionierenden Geldautomaten gibt. Man stelle sich vor, ein ahnungsloser Tourist hebt 300 oder 400 Euro am Automaten ab, dann ist das Ding leer! Aber man kann ueberall in Banken und auf der Strasse tauschen, Dollar und Euro werden gerne genommen.

Erstaunt hat uns ausserdem, wie viele Touristen es in Usbekistan gibt. Immer wieder begegnet man franzoesischen oder deutschen Reisegruppen, aber es gibt auch viele Backpacker und Langzeitreisende. Die treffen sich dann immer wieder in den wenigen preiswerten Unterkuenften. Wir sehen immer wieder die gleichen Leute, egal wohin wir fahren. Alles ist sehr familiaer, und in den schoenen Hostels haben wir schon manch lustigen Abend verbracht. Z.B. hier in Samarkand, wo Joerg seine erste richtige Vodka-Session hatte. Dafuer gab es aber auch allen Grund. Jean, ein Franzose schleppte die Flasche an, und er erzaehlte eine unglaubliche Geschichte. Er war mit einem umgebauten Jeep unterwegs, mit dem er schon durch Afrika und Suedamerika gefahren war. In Aserbaidschan liess er Oel und Kuehlfluessigkeit wechseln, bevor er die Faehre uebers Kaspische Meer nach Turkmenistan nahm. Dort angekommen stellte er fest, dass ihm leider nur gefaerbtes Wasser ins Auto gefuellt wurde, und in einer eiskalten Nacht in der Wueste ist dann alles geplatzt. Er hatte fuer Turkmenistan allerdings nur ein Transitvisum fuer wenige Tage, also hat er sein Auto in einer "Werkstatt" zurueck gelassen, und kam nach Usbekistan um ein neues Visum zu beantragen. Es hat ewig gedauert, und als er endlich zurueck war in Ashgabat, musste er feststellen, dass die Mechaniker sein inzwischen repariertes Auto vollstandig zu Schrott gefahren hatten! Einfach um einen Baum gewickelt! Totalschaden! Wenn das kein Grund ist, sich zu besaufen.... Und eine Flasche Vodka muss immer komplett gelehrt werden! Am zweiten Abend mussten wir uns natuerlich revanchieren, zumal das Zeug hier unglaublich billig ist. Eine wirklich gute Flasche kostete gerade mal 1600 Sum, also weniger als 1 Euro. Es gibt auch schon welche fuer 800 Sum, aber das will wohl keiner trinken. Vodka trinkt man wie alles hier aus kleinen Schaelchen, die "piala" genannt werden. Eine dritte Flasche wartet noch auf ihre Vernichtung. Sie wurde uns auf einer Hochzeit geschenkt, in die wir zufaellig geraten sind. Und da man ja nicht gleichzeitig Vodka trinken und Motorrad fahren kann, haben sie uns halt eine Flasche mitgegeben.

In Samarkand waren wir 3 Tage, weil es uns da so gut gefallen hat (nicht nur wegen dem Vodka!). Dann sind wir wieder aufgebrochen, aber das naechste Ziel lag wieder nur einen Tag entfernt, naehmlich die Stadt Buchara. Aehnlich wie Samarkand strotzt Buchara nur so vor Sehenswuerdigkeiten, die alle sehr dicht im Stadtkern gepackt sind. Diese Staedte hier an der Seidenstrasse sind wirklich sehenswert, man kann es einfach nicht beschreiben. Es ist wirklich wie bei 1001 Nacht, und wenn gleich eine Kamelkarawane um die Ecke kaeme, wuerde es echt passen. Buchara ist noch touristischer, was teilweise schon etwas nervt, weil wir mindestens 20 Mal am Tag erklaeren muessen, warum wir keine grossen Teppiche transportieren koennen. "Mister, I also have very small carpets, also for motorbikes!!!"

Buchara
Moschee in Buchara

Und natuerlich trafen wir in Buchara auch wieder die Leute aus Samarkand, z.B. zwei russische Fotografen, zwei Finanzbeamte (!!) aus Leipzig, 3 deutsche Zivis, die ihren Zivildienst in Kirgistan absolvieren, etc.

Samarkand und Buchara sind die groessten der ehemaligen Seidenstrassenstaedte, aber die am besten erhaltene heisst Chiva. Sie liegt fast 500 km weiter westlich mitten in der Wueste Kysylkum am Fluss Amur-Daria, dem groessten Strom ueberhaupt in Zentralasien. Das Wasser des Amur-Daria wird wie auch beim Syr-Daria in Kasachstan fast komplett abgezweigt, um die Baumwollplantagen zu bewaessern, weshalb der Aralsee nun fast ausgetrocknet ist. Zu unserer Schande muessen wir gestehen, dass wir nicht mit den Moppeds nach Chiva gefahren sind, sondern mit einem Taxi. Ja, genau, Taxifahren ist hier naemlich auch sehr billig, fuer die fast 500 km zahlt man je nach Verhandlungsgeschick 40-60 Dollar. Und so haben wir uns erspart, 500 km geradeaus durch die Wueste uber die schlechte Strassen zu fahren, und dann 500 km den gleichen Weg wieder zurueck. Der Taxifahrer auf der Hinfahrt war nicht gerade zimperlich, mit ueber 100 Sachen ist er durch die Loecher gebrettert. Der Fahrer auf der Rueckfahrt war vorsichtiger, er hat die Loecher mit 130 umkurvt. Dabei hat er natuerlich noch Sonnenblumenkerne geknackt, telefoniert und CDs gewechselt. Da sage nochmal einer, Maenner seien nicht multitaskingfaehig! Wer schon mal mit dem Ringtaxi auf dem Nuerburgring gefahren ist, weiss ungefaehr, wie wir uns gefuehlt haben!

Der alte Kern von Chiva ist noch komplett von einer Stadtmauer umgeben, und man hat wirklich das Gefuehl in einer Oase vor vielen hundert Jahren zu sein. Zumindest wenn man sich die Souvenierstaende und die russischen Gebauede ausserhalb der Mauern wegdenkt

Chiva
Chiva von oben im Abendlicht
Mauer Chiva
Chivas alte Stadtmauer

Inzwischen sind wir also wieder zurueck in Buchara, wo die Moppeds und die Flasche "Woddi", wie Joerg immer sagt, auf uns warteten. Morgen brechen wir wieder auf, wir werden nach Sueden in die Berge fahren. So langsam muessen wir naemlich mit der Hoehenakklimatisierung fuer Tadschikistan beginnen, dort liegt alles sehr hoch. Aber noch haben wir ein paar Tage Zeit in Usbekistan (unser Visum fuer Tadschikistan beginnt erst am 14.Mai), einem Land, dass uns bisher sehr gut gefaellt. Besonders die Menschen sind sehr nett, freundlich und dabei nicht aufdringlich, was sehr angenehm ist. Viele koennen Englisch und sind ueberaus gastfreundlich und aufgeschlossen, die Strassen sind brauchbar, Essen und Benzin sind billig und es gibt alles, was das Touristenherz begehrt. Ausser Motorradoel

Also Leute, Koffer packen, und auf nach Usbekistan!



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02.05.2007 - Location: Taschkent
Doroga plocho

Guten Morgen nach Deutschland!

Zumindest denken wir, dass gerade Morgen bei euch ist. Wir haben inzwischen so viele Zeitumstellungen mitgemacht, dass wir ein bisschen den Ueberblick verloren haben. Wir muessten theoretisch 4 Stunden vor euch sein.

Der letzte Bericht liegt nun schon fast 2 Wochen zurueck. Wir waren einige Tage in Atyrau, ganz im Nordwesten Kasachstans. Mischa und Saripa haben uns in ihr Haus aufgenommen und uns bestens versorgt. Das neu gebaute Haus war wie eine Oase, denn der Rest der Stadt ist nach einigen Tagen Regen fast vollstaendig im Matsch versunken. Schlamm und Ueberschwemmungen sind generell ein grosses Problem in der Gegend, aber Atyrau ist immer besonders betroffen. Wer es nicht gesehen hat, kann es sich kaum vorstellen, es ist wirklich alles knietief voller Matsch.

Matsch in Atyrau
Matsch ohne Ende in Atyrau

Die Stadt war auch ansonsten nicht sehr einladend, aber unsere Gastgeber haben es uns trotzdem sehr angenehm dort gemacht. Atyrau lebt eigentlich nur vom Oel, neben den Matschstrassen gibt es riesige Hochhaeuser der Oelkonzerne. Nur wo das ganze Geld bleibt, weiss der Himmel. In die Infrastruktur des Landes fliesst es jedenfalls nicht. Saripa hat uns schliesslich zum Abschied noch Beschbarmak und getrockneten Fisch fuer Wochen mitgegeben, dann haben sie uns wieder in die Steppe entlassen.

Die Strecke kurz hinter Atyrau war noch perfekt asphaltiert. Alle in Atyrau haben uns ausgelacht wegen der Stollenreifen, die wir dort aufgezogen haben, und wegen unseren Bedenken bezgl. der Strasse. Mit dem Motorrad koennten wir ja schliesslich mindestens 150 km/h fahren, da waeren wir doch in 3 Tagen in Usbekistan. Irgendwie haben wir aber etwas anderes geahnt. Und Recht behalten. Der tolle Asphalt war naemlich schnell Vergangenheit, und dann liegt der Schnitt eben nicht bei 150, sondern bei hoechstens 15 km/h. Erst wurde es nur etwas loechrig, dann matschig, dann immer schlimmer. Bei Maqat gab es riesige Ueberschwemmungen, der halbe Ort wurde weggespuelt, die Strasse auch, deshalb gab es nun eine Art Umleitung, die aber ebenfalls vollkommen schlammig war. Auf diesem Untergrund kann man eigentlich nicht fahren, es geht nur im ersten Gang, einer faehrt, der andere schiebt, damit man nicht sofort auf der Nase landet. Wenn man den Matsch dann ohne Sturz bewaeltigt hat, kommen die Loecher. Wir haben oft gehoert, hier gaebe es Schlagloecher, so gross, dass ganze Autos drin verschwinden koennen. Das haben wir immer fuer Quatsch gehalten, sowas kann es doch garnicht geben.

Doch! Sowas gibt es, und zwar nicht nur einmal. Die Strassen in Kasachstan sind in einem unvorstellbar schlechten Zustand. Sowas eine Strasse zu nennen, ist eigentlich ein Beleidigung fuer alle anderen existierenden Strassen! Es geht oft nur im ersten Gang voran, durch unglaubliche Loecher, uber Buckelpisten, wie es sie in keinem Skigebiet gibt und durch tiefsten Matsch. Da Bilder mehr sagen als Worte, hier eine Impressionen:

immerhin noch Asphalt
gute Strasse in Kasachstan

durch die Pampe
normale Strasse in Kasachstan

im Loch
in einer mittleren Bodenwelle

nix geht mehr
schlechte Strasse in Kasachstan

Es gab schlimmere und weniger schlimmere Stuecke, aber unser Tagespensum lag selten ueber 150 km. In einer besonderen Matschpassage nach einer verregneten Nacht haben wir eine ganze Stunde fuer 4-5 km gebraucht. Das alles war gepaart mit einer nicht vorhandenen Infrastruktur, sodass man sich auch abends nicht erholen konnte. Wir haben immer irgendwo abseits der Piste gezeltet, weil es einfach nirgends ein Gastinitsa oder aehnliches gab. Einkaufen konnten wir auch fast nichts, morgens gab es deshalb labberiges Weissbrot, tagsueber Schokoriegel, abends Nudeln mit Ketchup und wenns gut lief eine Dose Bier. Vodka haetten wir an jedem Schlagloch kaufen koennen, aber andere Lebensmittel sind nicht zu bekommen.

Die Strecke fuehrte uns ueber Aktoebe nach Sueden, vorbei an Shalqar, Embi und Aral, allessamt Kaeffer, die mehr als trostlos waren. Die "Strasse" heisst irgendwann M32, auch genannt "die Todesstrasse", weil die Zustaende wirklich schon etliche Opfer gefordert haben. Ab und zu gab es auch Polizeikontrollen. Das lief dann immer so ab: "woher kommt ihr?" "Von XYZ" "Kak doroga tam?" (wie ist dort die Strasse?) "Doroga plocho!" (Strasse schlecht) "Wohin fahrt Ihr?" "Nach ABC. Kak doroga tam?" "Tam tosche plocho!" (dort auch schlecht). "Schasliwa" (gute Reise).

Nach ueber 1 Woche zwischen Zelt und Piste hatten wir schliesslich die 1200 km bis zum Aralsee bewaeltigt, davon fast 900 km Piste. Selbst wenn mal Asphalt in allen erdenklichen Aufloesungsstufen da war, war er hoechstens mit 40-50 km/h befahrbar. Ihr koennt euch vorstellen, dass unsere Laune und Motivation mit jedem Tag sank.

Den Aralsee bzw seine mickrigen Reste haben wir uns nicht angeguckt, das haette nochmal einen extra-Tag auf der Piste bedeutet, weil das Wasser sich immer weiter zurueck zieht. Auch an Bayqonur, dem Weltraumbahnhof, sind wir nur vorbei gefahren, fuer Auslaender ist die Stadt sowieso nur mit Sondergenhemigung zu besuchen.

Ab dem Aralsee ist die M32 dann fast durchgehend asphaltiert, was aber wie oben beschrieben auch nicht viel bringt. Irgendwie hatten wir staendig das Gefuehl, niemals aus diesem Land rauszukommen, und unser Visum fuer Usbekistan hatte schon laengst begonnen. Aber wer kann sowas schon im Vorfeld planen?

Aber es gab nicht nur schlechtes in Kasachstan, wir jammern euch ja die Ohren voll. Die Menschen reissen das Negative oft wieder raus. Einmal haben wir auf der Suche nach einem Zeltplatz an einem einfachen Bauernhaus gefragt. Es gab in der weiten Ebene einfach nirgendswo einen Platz, der vor neugierigen Blicken schuetzt, sowas garantiert dann naechtlichen Besuch. Und natuerlich durften wir bei der Familie uebernachten, aber nicht im Zelt, sondern im Haus. Die Raeume sind immer mit Teppichen ausgekleidet, die Waende ebenfalls. Man sitzt auf dem Boden, isst von einem niedrigen Tisch und legt sich nachts einfach irgendwo hin. Unsere Isomatten und die Schlafsaecke haben fuer einige Lachanfaelle bei unseren Gastgebern gesorgt, und wir hatten trotz Sprachbarriere einen sehr netten Abend. Ausserdem konnten wir endlich mal ein paar der kleinen Geschenke loswerden, die wir seit Deutschland mit uns rumschleppen. Einen Ball fuer den kleinen Sohn, ein Taschenmesser fuer Baschoch, eine Parfumproebchen fuer Ayda. Es sind nur Kleinigkeiten, aber mehr koennen wir halt nicht transportieren.

zu Besuch
Uebernachtung bei der Hirtenfamilie

Nicht nur die Menschen in diesem Land sind sehr neugierig, auch die Viecher keonnen ganz schoen aufdringlich sein. Wenn man z.B. in Sichtweite einer Kamelherde zeltet, kann man schon mal Besuch vom Oberchef bekommen, der seine Herde verteidigen will. Zum Glueck gehoeren die Kamele immer irgendjemanden, d.h. den Hengsten werden die Vorderbeine zusammen gebunden, damit sie nicht weglaufen. Das war unser Glueck, denn so waren wir immer schneller als der wuetende Pascha, der schaumend vor Wut saemtliche Drohgebaerden an uns ausprobiert hat. Er kam seeehr nahe, hat die Alukoffer vollgesabbert, hatte ueberhaupt keine Angst, auch nicht als Joerg ihn getreten und geboxt hat, und hat erst aufgegeben, als wir den Spiess umgedreht haben. Wir sind dann auf seine Herde zugelaufen, das hat ihn irgendwann vom Zelt und den Motorraedern weggelockt.

hau ab!
gehst du weg!!!

Eine sehr schoene Seite der Steppe zeigt sich jetzt im Fruehjahr, denn ueberall bluehen Blumen. Meist wilde Tulpen in allen Farben, oder hier weiter im Sueden riesige Flaechen mit Mohn.

Mohnfelder
Blueten ohne Ende

Ganz im Sueden von Kasachstan beginnt dann der Einfluss der Seidenstrasse. Es gibt ja eigentlich nicht eine Seidenstrasse, es war mehr ein Netz aus Handelswegen. An einem dieser Wege liegt Turkestan mit seinem Mausoleum. Das ist die erste Sehenswuerdigkeit ueberhaupt in diesem Land, die haben wir uns natuerlich angeguckt. Da Sonntag war, war alles voller Menschen, und wir waren wie immer blitzschnell von einer Menschentraube umringt. Und die Kasachen sind wirklich mehr als neugierig. Kaum passt man mal zwei Sekunden nicht auf, schon sitzen sie auf den Motorraedern, fummeln am Gepaeck oder stuelpen sich den Helm ueber.

Mausoleum in Turkestan
Mausoleum in Turkestan

Inzwischen haben wir Kasachstan verlasen, gestern sind wir in Taschkent, Usbekistan angekommen. Der Grenzuebertritt war auch wieder eine Geschichte fuer sich, aber dieser Bericht ist eh schon zu lang geworden. Taschkent kommt uns vor wie ein Paradies, es gibt englisch sprechende Menschen, gruene Parks, Restaurants, Supermaerkte, Hotels, Duschen, und endlich auch gutes Wetter (ueber 30 Grad heute). Es ist total angenehm, mal mehrere Tage an einem Ort zu sein, und wir werden es in den naechsten 2 Wochen hier in diesem Land ruhig angehen lassen.

Das wars fuer heute, hoffentlich war es nicht zu lange. Schreibt uns fleissig aus der Heimat, wir freuen uns ueber jede Nachricht!

Viele Gruesse aus Usbekistan



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23.04.2007 - Location: Atyrau
Auf McGregors Spuren

Hallo zusammen!

inzwischen sind wir schon in Kasachstan angekommen!

Doch der Reihe nach. Aus Krasnodar, wo wir den letzten Bericht geschrieben haben, sind wir schnellstmoeglich wieder weggefahren. Die Stadt war uns einfach viel zu teuer, unsere Reisekasse ist eh schon geschroepft genug. Wir waeren gerne in einem preiswerteren Gastinitsa, so heissen die russischen Pensionen, abgestiegen, aber die duerfen oft keine Auslaender aufnehmen. Sie koennen die notwendige Registrierung der Paesse naemlich nicht machen, und ohne das muessen sowohl sie als auch wir irgendeine ominoese Strafe zahlen. In Russland und den anderen zentralasiatischen Lasendern braucht man nicht nur ein Visum, sondern muss auch noch diese seltsame Registrierung machen lassen, und zwr spaetestens 3 Tage nach der Einreise. Bei uns waren nun schon 5 Tage vergangen, ueberall wo wir gefragt haben, hiess es NJET, machen wir nicht. Wir haben ja ein Buisness-Visum, also muss uns theoretisch die einladende Firma registrieren, was natuerlich nicht geht. Lange Rede, kurzer Sinn, das Hotel hat uns den entsprechenden Stempel irgendwie verschafft, wie auch immer.

Von Krasnodar aus sind wir mitsamt den Reifen, die wir dort abgeholt hatten nach Osten gestartet. Der Gepaeckturm auf den Motorraedern war schon immens, aber da die russischen Strassen hier alle asphaltiert waren, machte es keinen SInn, jetzt schon die Stollenreifen aufzuziehen. Es geht immer nur gerade aus, die Landschaft wurde immer flacher, je weiter wir nach Osten gekommen sind. Fuer Abwechslung sorgten allerdings die vielen Polizeikontrollen, Russland ist dafuer ja beruehmt-beruechtigt. DIe meisten Polizisten waren nur neugierig, fragen nach dem Woher und Wohin. Einige waren sogar richtig interessiert an unserer Reise und sehr nett, mit denen hatten wir dann auch viel Spass.


lustige Polizisten

Andere waren nicht ganz so gut gelaunt, wollten irgendwelche Papiere sehen, die wir nicht hatten, oder wollten uns irgendwelche daemlichen Strafen aufdbrummen. Das beste waren 500 Rubel Strafe, weil die Motorraeder dreckig waren, laecherlich. Immer freundlich laechln und "ni panimaju" antworten, ich verstehe nicht, dann lassen sie einen irgendwann fahren. Einmal hat mir (Kirsten) das allerdings nicht geholfen. Ich bin naemlich auf den aeltesten Trick der Welt reingefallen: Vor einer Steigung hat mich ein LIeferwagen ueberholt, der dann vor mir sofort langsam geworden ist. Ich bin natuerlich wutentbrannt sofort wieder vorbei gebrettert. Tja, war aber Ueberholverbot und 100m weiter stand die Miliz. So ein Sch****! MEin Fuehrerschein (leider das Original) war blitzschnell im Polizeiauto verschwunden, und dann folgte das uebliche und genau geplante Prozedere. Die Dokumente werden beschlagnahmt, und nur bei Bezahlung einer horrenden Strafe (300 Euro) in einer weit entfernten Stadt (400 km) bekommt man sie wieder. Das will natuerlich keiner, also geht es schnell um "skolka", wieviel? 300 Euro standen also im Raum, dann 100, schliesslich haben wir uns auf 50 geeinigt. Und auf einmal konnten die Schweine auch deutsch! "Schneller schneller!" hat einer immer gesagt, weil ich so schnell nicht das Geld rausgekramt hatte. Und dann noch "dankeschoen und auf wiedersehen!" Arschloecher!

Die Polizeikontrollen blieben uns erst mal erhalten, auch auf dem weiteren Weg nach Osten. Die Landschaft wurde immer flacher und auch schon sehr steppig. Nachts haben wir immer irgendwo gezeltet, weil kein Gastinitsa zu finden war, sie wieder keine Auslaender aufnehmen durften, oder wir einfach keine Lust auf schaebige Absteigen hatten. Da das Wetter ganz schoen war, haben wir das Zelten in der Steppe sehr genossen:


ruhige Plaetze abseits der Strasse

Die Naechte sind im Moment noch sehr kalt, es friert immer und morgens ist Eis auf dem Zelt. Aber die Sonne waermt uns schnell, und beim Fahren ist es auch nicht zu kalt. Die Strecke wurde aber immer abenteurlicher, der Asphalt unglaublich loechrig und es gab das ein oder andere Hinderniss. Z.B. Fluesse, ueber die keine richtige Bruecke fuert. Es gibt dann meist irgendwelche Faehren oder wenig vertrauenserweckende Schwimmbruecken, diese hier wurde von einem stinkbesoffenen Officer bewacht, der uns erst mal 10 Minuten vollgelabert hat. "Ni panimaju" hat ihn nicht besonders interessiert...


wilde Schwimmbruecke

Am Grenzuebergang nach Kasachstan wurde es dann noch wilder, die Strasse war einfach weg, Bruecke auch, es gab nur Piste und eine wackelige Faehre. Die Ausreise aus Russland ging schnell. Jeder hat uns gefragt, ob wir in die Mongolei wollten. Woher wissen die das? Und am Grenzzaun vor dem Niemandsland zwischen Russland und Kasachstan hat dann einer gesagt, McGregor sei auch hierher gefahren! Aha, die meinen also die Jungs von Long way round, deshalb die Frage nach der Mongolei!

Die Einreise nach Kasachstan ging eigentlich auch problemlos, hat aber etwas gedauert. Zum einen, weil mitten im Vorgang ploetzlich das winzige Fenster zuging, hinter dem der Beamte sass. Mittagspause! Zum anderen, weil wir den ersten Auslaender seit Istanbul getroffen haben, einen Schweizer, der mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Indien ist. Wir hatten natuerlich viel zu bequatschen, soviel, dass die Grenzer uns irgendwann rausgeschmissen haben. Als wir dann die ersten Meter hinter der Grenze gefahren sind, haben wir es nochmal McGregor gleich getan und geschrien "We are in Kazahkstan!!!" 500 m hinter der Grenze war die Fahrt aber schon wieder vorbei, Polizeikontrolle! Macht ja auch viel Sinn, die Stempel in den Paessen waren noch nicht ganz trocken.

In Kasachstan wurden die Strassen dann schlagartig schlechter, und die Pisten rechts und links sandig und schlammig.


Aachen - Mongolei, Nebenstrecke

Wie den beiden von Long way round sind uns auch schon kurz hinter der Grenze die ersten Kamele begegnet, erst vereinzelt, dann ganze Herden.


Camel Trophy

Das Gefuehl ist schon irre, wenn man ploetzlich den ersten Kamelen gegenueber steht. Jetzt sind wir in Zentral-Asien, in unserem ersten "Stan"! Kasachstan ist ein riesiges Land, fast so gross wie ganz Westeuropa. Und viel gibt es hier nicht, es ist das Land des absoluten Nichts. Rechts und Links von der Strasse breitet sich die Steppe aus, nur alle paar Stunden kommt man mal durch ein armseliges Dorf. Heikes Spruch "hier moechte ich nicht tot ueberm Zaun haengen" faellt uns ein. Das ginge hier nicht mal, es gibt noch nicht mal einen Zaun! Aber die Weite gefaellt uns gut, die hat uns damals in Patagonien immer schon fasziniert. NUr wenn wir abends auf der Karte den winzigen Abschnitt sehen, den wir an diesem Tag gefahren sind, wird uns ein bisschen mulmig. Vor uns liegen noch sehr viele Kilometer Steppe...

Aber wir sind ja auch erst 5 Wochen unterwegs. In dieser Zeit haben wir ca 6500 km zurueck gelegt, und sind schon im 6. Land der Reise. Im Moment sind wir in Atyrau, einer groesseren Stadt im Westen Kasachstans. Wir besuchen hier Verwandte einer ehemaligen Arbeitskollegin, und wir wurden sofort in die Familie integriert. Das erste, was uns angeboten wurde, waren Dusche und Waschmaschine. Haben wir etwa gestunken, nach nur 4 Naechten in der Steppe ohne Dusche??? Kurz nach unserer Ankunft kamen schon haufenweise Freunde vorbei, um den Besuch aus Deutschland willkommen zu heissen. Unter anderem auch eine Deutschlehrerin, die aber erstaunlicherweise fast ueberhaupt nix verstanden hat. Immer wenn wir gesagt haben "koennen sie bitte das und das uebersetzen?" hat sie genickt, ja ja gesagt, und das wars Sehr seltsam. Abend gab es uns zu Ehren das kasachische Nationalgericht "beschbarmak". Das heisst uebersetzt 5 Finger, weil man es eben mit selbigen isst. Es besteht aus Nudelplatten, Kartoffeln, Zwiebeln und eigentlich Pferde- oder Hammelfleisch, aber zu besonderen Anlaessen wird es mit Stoer gemacht. Superlecker!


Beschbarmak mit Mischa, Sarina, Sofia und der Deutschlehrerin

Es ist natuerlich auch klar, dass Mischa sich frei nimmt, um uns beim faelligen Reifenwechsel zu helfen, uns den ganzen Tag durch die Gegend zu fahren, uns mit der Registrierung zu helfen, etc.

Morgen geht es wieder weiter, immer Richtung Osten, ueber Aktoebe an den Aralsee. Auf dieser Strecke werden wir sicher keine Internetmoeglichkeit haben, also macht euch keine Sorgen, wenn ihr mal eine Zeit lang nix von uns hoert. Wir wissen auch nicht, wie lange wir fuer die 1000 km brauchen werden, weil irgendwo auf diesem Stueck die Strasse einfach verschwindet. Genau wie bei Long way round.

Viele Gruesse aus Kasachstan, schreibt fleissig, damit wir beim naechsten mal was zu lesen haben!



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20.04.2007 - Location: Krasnodar
Oeztuerk fahren Russland

Hallo Ihr Lieben,

es war nicht einfach, in letzter Zeit ein funktionierendes Internetcafe zu finden, deshalb faellt nun dieser Bericht etwas groesser aus.

Zuletzt haben wir aus Istanbul geschrieben. Diese Stadt hat uns total beeindruckt, und wir haben die Tage dort sehr genossen. Doch irgendwann hat man dann auch genug vom Stadtleben und es zieht uns wieder aufs Motorrad. Die Fahrt nach Istanbul rein war ja schon kein Vergnuegen, aber aus dieser Stadt rauszufahren grenzt an Suizid.

Kennt ihr noch die Comicserie aus dem Radio, in der ein verwirrter tuerkischer Taxifahrer, der fanatischer Elvisfan war, immer jeden Gast nach Memphis fahren wollte, obwohl er garnicht wusste, wo das ist? Oeztuerk fahren Memphis, hat er immer geschrien... Und Oeztuerks gibts in Istanbul viele, sehr viele. Unglaublich, wie die Leute hier fahren, sowas irres haben wir echt noch nicht erlebt. Wir haben uns natuerlich wieder verfahren, weil die Beschilderung echt kacke ist. Wo Mekka ist weiss jeder, wo Memphis ist vielleicht auch, aber wo es zur Bosporusbruecke geht, weiss irgendwie keiner! Der Verkehr war ausserdem wieder so dicht, dass wir uns wieder nur durch gezielte Fusstritte wehren konnten. Joergs Endurostiefel haben dabei bleibende Eindruecke in tuerkischen Autotueren hinterlassen. Also, falls ihr mal in einer schwerst masochistischen Phase plant mit dem Motorrad durch Istanbul zu fahren, zieht euch Endurostiefel an, die machen die schoensten Beulen.

Hatten wir schon erwaehnt, dass es geregnet hat, als wir Istanbul verlassen haben? Egal...!

Irgendwann hatten wir den Bosporus gefunden , sind ueber die riesige Bruecke gefahren, und dann hiess es "welcome to Asia"!

Unsere weitere Route fuehrte dann entlang der tuerkischen Schwarzmeerkueste. Dieser Streckenabschnitt hatte wirklich viele Gesichter. Zum einen die unglaublich haesslichen tuerkischen Staedte, die nur aus seelenlosen Hochhaussiedlungen bestehen:


typisch tuerkische Architektur

Alte oder niedrige Haeuser gibt es kaum, und wenn werden sie ueberall abgerissen und durch immer neue Wohnkloetze ersetzt. Der Zustrom von Leuten vom Land scheint unerschoepflich zu sein.

Auf der anderen Seite zeigt die Kueste aber auch immer wieder ihr schoenes Gesicht, mit unverbauten Abschnitten, Steilkueste, tollen Buchten und richtig schoenen (wilden) Zeltplaetzen.

Kueste
tolle Ausblicke entlang der steilen Schwarzmeerkueste

Zeltplatz
einsamer Zeltplatz dirket am Meer

Wir sind einige Tage immer entlang der Kueste gefahren, und das Wetter hat auch ausnahmsweise mal mitgespielt. Das waren zusammen mit den Tagen auf Chalkidiki in Griechenland bisher sicher die entspannensten Tage unserer bisherigen Reise. Die tuerkischen Strassen sind allerdings sehr schlecht. An der Kueste fuehrt die Route immer wild bergauf und bergab mit unzaehligen Kurven, und wenn wir mal einen Abstecher ins Inland gemacht haben, wurde es teilweise noch rauer. Die Strecken hier sind auch sehr wenig befahren, und die Doerfer, durch die man faehrt sind in der Zeit stehen geblieben. In einem dieser kleinen Doerfer mussten wir zu einem Schuster, weil sich 3 von 4 Schnallen an Kirstens neuen Motorradstiefeln bereits verabschiedet hatten. Natuerlich fand sich hier, wie auch sonst ueberall in der Tuerkei, wieder jemand, der deutsch konnte, und im Nu waren die Schuhe repariert. Die Nieten halten jetzt fuer die Ewigkeit! Ausserdem ist sowas immer ein Happening. Das halbe Dorf kommt angelaufen, sofort bringt einer Tee und wir werden hoffiert von vorne bis hinten.

im Schuhladen
beim Tee im Schuhladen

Ueberhaupt sind wir ueberall in der Tuerkei sehr freundlich empfangen worden. Wenn die Tuerken nicht gerade hinterm Steuer sitzen, Beton oder Muell in die Landschaft kippen, sind sie naemlich ein sehr nettes und vor allem gastfreundliches Volk. Mehrfach wurden wir zum Essen eingeladen, ein Tee muss mindestens immer sein, und in jedem noch so kleinen Kaff findet sich jemand, der deutsch oder manchmal auch englisch kann. Von daher werden wir die Tuerken in guter Erinnerung behalten, auch wenn sie ihr eigentlich schoenes Land inzwischen durch ihre Bauweise sehr verschandelt haben.

Irgendwann hatten wir dann Trabzon erreicht, eine grosse Stadt im Osten. Von hier aus geht die Faehre uebers schwarze Meer nach Russland. Also eigentlich sollte sie Dienstags gehen, deshalb kamen wir Montags nachmittags dort an, doch dann stellte sich raus, dass sie schon genau an diesem Tag ging. So ein Fahrplan ist halt eine relative Sache. Der geaenderte Fahrplan besagt nun, dass um 18 Uhr Passkontrolle sein sollte, um 21 Uhr die Abfahrt. Typisch deutsch, wie wir nun mal sind, waren wir schon um 17 Uhr am Hafenbuero, die 400 Dollar (!!!!!!) fuer die Ueberfahrt hatten wir schon vorher bezahlt. Die Ausreiseformalitaeten waren eine sehr undurchsichtige Angelegenheit, keiner wusste wieder mal so genau, was wo zu tun ist (Oeztuerk?). Nach einer Stunde hatten wir aber schicke Stempel in grosser Zahl im Pass und sind siegessicher zum Schiff gefahren, das uebrigens schon ca 17.000 Jahre alt war und unter kambodschanischer Flagge fuhr. Aber wir mussten natuerlich erst mal warten. Und warten und warten. Im Schiff wurden naemlich dutzende LKW abgeladen, einer nach dem anderen. Alle hatten die gleiche Fracht: Tomaten. Der ganze Kahn war vollgestopft mit Tomaten. Tonnenweise! Um 7 und um 8 und auch um 9 kamen immer noch neue Ladungen Tomaten an, und irgendwann wollten wir schon in die Kabine gehen. Das Gepaeck hatten wir laengst abgebaut und schon oben verstaut. Es hat dann tatsaechlich bis 23.45 Uhr gedauert, bis die letzte Tomate im Schiff verstaut war, und wir endlich reinfahren konnten. Mit uns war nur noch ein LKW an Bord (ratet, was er geladen hatte?), und ein weiteres Auto, das wars. Ansonsten nur Tomaten.

Die Ueberfahrt nach Russland war dafuer aber relativ ruhig. Fuer die 400 Dollar wurde uns einiges geboten: eine 3 qm grosse Kabine mit zwei haengemattenartigen Betten, eigenes Klo, Klimaanlage oder so ein Schnickschnack gab es natuerlich nicht. Uebrigens auch keine wasserdichten Schotten, Rettungsboote, etc. Aber wir sind ja heil angekommen. In Russland standen dann natuerlich sofort wieder Formalitaeten an. Eigentlich lief alles glatt, einige Menschen konnten ein bisschen Englisch, und wir wurden brav von einem zum anderen gefuehrt. Und trotzdem, obwohl alles wirklich sehr glatt lief, hat das ganze Prozedere satte 4 Stunden gedauert. Wie gesagt, wir waren die einzigen Auslaender an Bord, man mag sich nicht vorstellen, wie lange es dauert, wenn gleich mehrere einreisen wollen!

Sochi, die erste Stadt in Russland hat uns gut gefallen. Aber wir sind nicht hier geblieben, sondern direkt weiter gefahren, weil wir neugierig waren auf dieses riesige Land.

in Russland!
in Russland!

Wir sind in Russland!!! Der Hammer! bzw. die Sichel!. Die Kueste war hier allerdings etwas stressig, denn zum abartigen verkehr kamen nun auch noch russische Schlagloecher Marke Bombemkrater und unglaublich marode LKW, die mit 5 km/h in einer unendlichen Schlange die Berge hochkriechen. Wer von euch Motorrad faehrt, weiss, wie aetzend Stop and go bergauf ist, nach 10 Minuten faellt einem der Arm ab vor lauter kuppeln. Und in unserem Fall ging es 50 km so! Aber irgendwann hatten wir dann die Kuestenstrasse hinter uns gelassen, und Russland war hier genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten. Leer und arm. Die Leute wohnen in einfachsten Holzhaeusern, teilweise sehr zerfallen, touristische Infrastruktur gibt es hier schlicht keine. Dafuer schoene Zeltplaetze im Wald. Der Winter ist hier gerade erst vorbei, und nachts wird es immer noch sehr kalt, sodass morgens Eis auf Zelt und Motorraedern ist. Die Strassen sind teilweise sehr schlecht, und erste unasphaltierte Stuecke mussten wir auch schon bewaeltigen. Das war eigentlich nicht geplant, und die Karte wies auch eine normale Strasse aus, aber da muss man dann halt durch.

Inzwischen sind sind wir in Krasnodar, der groessten Stadt weit und breit. Hier am Flughafen lagen 2 Pakete fuer uns, die Tom und Snezana von BMW Kohl fuer uns auf die Reise geschickt hatten, mit Stollenreifen fuer die Pisten, die nun vor uns liegen. Und erstaunlicherweise haben die Zollformalitaeten nur eine gute Stunde gedauert, dann sassen wir mit unseren reifen schon wieder im Bus Richtung Hotel. Apropos Hotel, die sind wirklich unglaublich teuer in Russland. Eines sollte sage und schreibe 12.000 Rubel kosten (durch 35, um in Euro umzurechnen...), und wir wohnen nun in diesen Luxusapartment fuer schlappe 80 Euro pro Nacht:

Luxusbad
Luxus pur, fast geschenkt!

Billigere Hotels duerfen oft keine Auslaender aufnehmen, und koennen auch nicht die notwendige Registrierung der Paesse vornehmen. Aber davon mehr beim naechsten Mal!

Viele Gruesse
Kirsten und Joerg




Kirsten und JörgKommentare: 1     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
05.04.2007 - Location: Istanbul
Istanbul, die Zweite

Hallo schon wieder,

hier wie versprochen noch einige Bilder:


lustige Fischer am Marmara Meer



Spurensicherung nach dem Diebstahl im Hotel



wir vor dem Bosporus. Links Europa, rechts Asien
(im Hintergrund, nicht wir!)



Sultan Ahmet Moschee, auch die blaue Moschee genannt



verschleierte Frauen im traditionellen Stadtteil Fatih



Blick auf Istanbul von der Galata Bruecke aus



im Gewuerzbasar

Heute sind wir den ganzen Tag zu Fuss viele Kilometer durch das geniale Istanbul gelaufen. Die Stadt bietet einfach an jeder Ecke was neues, langweilig wird es hier nie! Trotz der unschoenen Eskapade im Hotel werden wir Istanbul in sehr guter Erinnerung behalten!

Aber morgen geht es wieder aufs Motorrad und dann endlich nach Asien!!

Viele Gruesse und bis bald

Kirsten und JörgKommentare: 2     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
04.04.2007 - Location: Istanbul
Istanbul, die Erste

Hallo zu hause,

leider koennen wir hier im Internetcafe keine Bilder hochladen, deshalb gibts diesmal nur Text und die Bilder reichen wir dann beim naechsten Mal nach. Versprochen : - ) !

Nach einigen ruhigen Tagen auf Chalkidiki (insgesamt waren wir 4 Tage dort, bei Joerg kam noch eiene Erkaeltung dazwischen) sind wir irgendwann erstaunlicherweise ohne Regen wieder losgefahren. Der Nordosten von Griechenland war wenig spektakulaer, und Tourismus gab es hier auch sehr wenig bis garnicht. Meistens war es nicht einfach, eine Gelegenheit zum Uebernachten zu finden, und die wenigen Hotels hatten teils sogar Suedamerkanischen Standard (kaputte Klospuelungen, nicht schliessende Tueren, etc...), dafuer aber deutsche Preise. Ueberhaupt ist Griechenland irre teuer geworden in den letzten Jahren!

Am 01. April waren wir schliesslich an der tuerkischen Grenze. Das war fuer uns die erste ernstzunehmende Grenze ueberhaupt, und der Grenzfluss war ueberall schwer vom Militaer bewacht. Die Soldaten sind im Stechschritt auf der Grenzbruecke auf und ab marschiert und waren alle bis an die Zaehne bewaffnet. Klar, EU Aussengrenze, und besonders gut leiden koennen sich die Nachbarn ja auch nicht. Und ueber allem weht die rote Fahne mit dem Halbmond!

Nach einigen wilden Stempeln im Reisepass hiess es schliesslich "welcome to turkey", und sofort war alles anders. Eigentlich war es ja noch eine Autobahn, aber der Belag war unglaublich loechrig und wellig. Fussgaenger sind auf der Autobahn genauso normal wie Traktoren oder sogar Pferdekarren, und die 4 (!!!) Leute auf dem Moped, das uns entgegen kam, sind vor lauter Winken fast von dem Ding gekippt.

Rechts und links von der Strasse lagen viele Felder, und Hirten kamen mit ihren kleinen Schaf- oder Ziegenherden direkt bis an die Fahrbahn. Der erste Eindruck war fuer uns ein kleiner Kulturschock, den wir hier noch nicht erwartet hatten. Die sog. Autobahn haben wir dann bald verlassen und sind nach Sueden Richtung Marmara Meer gefahren. Und hier wurde es dann richtig krass. Die Staedte sahen aus, wie nach einen Krieg. Kennt ihr noch die Fernsehbilder von Tschetchenien? Genau daran hat uns hier vieles erinnert, immer wieder Pferdekarren, kaputte Haeusergerippe und sehr arme Menschen. Irgendwo am Meer haben wir dann Halt gemacht, und in einer Strassenbude was gegessen (Joerg hat Muscheln gegessen, sehr mutig, aber bisher noch ohne Folgen : - ) ). Die Maenner haben mich (Kirsten) angeguckt, als waere ich ein Weltwunder. Eine Frau mit einem Motorrad passt einfach nicht in ihre Welt. Aber alle waren sehr freundlich zu uns und wir haben uns nicht unsicher gefuehlt.

Uebernachtet haben wir dann weiter oestlich in einem Ort in der Naehe von Terkidag. Dort gab es wenigstens ein paar Hotels und Restaurants, und auch Frauen ohne Kopftuch auf der Strasse. Die Leute hier waren auch sehr nett und sehr offen. Auf einer Bruecke haben uns Angler angesprochen, einer konnte sogar ein bisschen Englisch, und wir mussten alles genau erzaehlen und uns mit ihnen und den Fischen fotografieren lassen. Sehr lustig, schade, dass wir euch das Foto hier jetzt nicht zeigen koennen.

Wir sind aber nur eine Nacht hier geblieben und dann weiter Richtung Istanbul gefahren. Zuerst war der Verkehr noch recht gering, aber ca 20 km vor dem Molloch gings dann heftig los. Istanbul ist riesig, mit einer Ausdehnung von fast 100 km. Es ist wirklich unvorstellbar, wenn man es nicht selbst gesehen hat! Man schaetzt die Stadt auf 15 Mýllýonen Einwohner, am Rand sind viele viele Armenviertel, dann weiter innen draengen sich Wohnsilos Marke Plattenbau, bevor dann die eigentliche Stadt anfaengt. Wie eine Krake breitet sich die Stadt aus, ein riesiger Teppich. Der Verkehr wird immer dichter, je weiter man rein faehrt und saugt einen mit sich.

Wir wussten eigentlich ganz genau, wo wir hin wollten. Wir hatten zum ersten Mal auf all unseren Reisen ein Hotel vorgebucht. Zumindest hatten wir eine email hingeschrieben, es kam eine Antwort auf tuerkisch.... Das Hotel war in unserem Reisefuehrer als recht gut mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen beschrieben. Nur leider habe ich die falsche Autobahnausfahrt genommen, und auf einmal waren wir mitten in dem Gewuehl aus kleinen steilen Gasen und wussten nicht mehr, wo oben und unten war. Joerg hat dann mit dem GPS grob nach Himmelsrichtung navigiert und wir sind kreuz und quer durch Istanbul gefahren.

Fahren bedeutet hier ein echtes Abenteuer. Wer sich zuerst in die Kreuzung quetscht, hat Vorfahrt. Und wenn nicht, wird halt gehupt, Kontaktfahren ist das einzige Mittel, um irgendwann ueberhaupt vorwaerts zu kommem. Auf dem Motorrad ist sowas nicht witzig und sogar hoellisch gefaehrlich! Immer wieder haben uns hilfreiche Taxi- oder Busfahrer durch die Gassen gelotst, nur leider wussten die noch weniger als wir, wo es lang geht. Es hat ewig gedauert und viiiel Kupplung und Nerven verbraucht, bis wir am Hotel waren.

Das hat immerhin eine Art Garage und liegt im Stadtteil Fatih direkt neben einer grossen Moschee. Das ist eines der weniger touristischen Viertel, wo alles noch sehr traditionell ablaeuft. Die Frauen tragen hier nicht nur Kopftuch, sondern oft auch noch einen schwarzen Ganzkoerperschleier, der nur die Augen frei laesst. Und der Muezzin ruft nicht nur von unserer Moschee 5 mal am Tag zum Gebet. Das ist echt beeindruckend, weil es vielfach ueber die ganze Stadt schallt.

Heute wollten wir Sightseeing machen, darauf hatten wir uns echt gefreut. Morgens habe ich den Rucksack gepackt und nur kurz ins Portemonaie geguckt. Und siehe da: leer ! Das Geld ist weg! Dabei haben wir unsere Wertsachen immer bei uns. Bis auf eine halbe Stunde, in der wir im Hotel gefruehstueckt haben. Joergs Geld ist auch weg, sonst fehlt aber nichts. Jemand muss sich mit dem Schluessel Zugang verschafft haben, waehrend wir unten sassen. Unglaublich!!! Da faehrt man um die halbe Welt, ohne dass irgendwas weg kommt, und dann passiert einem sowas. Es war viel Geld, ca 800 tuerkische Lira und kanpp 100 Euro.

Wir haben nach einigen Hin und Her schliesslich sogar die Polizei herbei zitiert (war ganz schoen Arbeit...), und dann nahm alles seinen Lauf. Natuerlich konnte keiner Englisch, nur der Hotelmanager konnte 10 Woerter Deutsch. Zu sechst (!!) sind wir dann im Polizeiauto auf die Wache gefahren, wobei 2 ausgewachsenen Polizisten vorne auf dem Beifahrersitz sassen. Die Tuer ging natuerlich nicht mehr zu, also hat einer sie fest gehalten. Hammermaessig! Auf dem Revier gabs dann wieder stundenlang Palaver, von dem wir fast nix verstanden haben. Wir mussten so wichtige Sachen wie Vorname von Vater und Mutter zu Protokoll geben! Immer mehr Leute wurden eingeschaltet. Zeitweise waren 4 Uniformierte, 2 wichtige ohne Uniform und noch vier von der Kripo mit uns beschaefftigt, dazu noch zwei von der Spurensicherung. Ich habe dann so getan, als ob ich per Handy mit der deutschen Botschaft telefonieren wuerde, danach kam Bewegung in die Sache. Fast alle Beteiligten sind wieder ins Hotel gefahren, wo die Angestellten befragt wurden, ihre Zimmer durchsucht wurden, und bei uns im Raum wurden sogar Fingerabdruecke genommen. Die Bilder dazu gibts auch beim naechsten Mal : - ) .

Langer Rede kurzer Sinn: bei der ganzen Aktion kam natuerlich nix raus. Fast nix. Der Hotelchef hat uns immerhin 300 Lira zurueck gegeben, plus 3 Tage umsonst wohnen (vorher hatte er im Polizeirevier allerdings von 500 plus 3 Tage gesprochen, und das Zimmer kostete ploetzlich auch 50 Euro statt 40. Alles Abzocke!). Letztlich sind wir mit knapp 180 Euro Minus aus der Sache raus gegangen, das ist hier ne Menge Geld. Und fuer uns auch!

Trotzdem haben wir uns danach noch einen Teil der Stadt angeguckt. Und Istanbul ist richtig klasse!!! Die Stadt pulsiert so krass, sowas haben wir noch nie vorher gesehen, selbst nicht in Buenos Aires. Irre viele Menschen, irrer Verkehr, und ein totaler Mischmasch aus Orient und Okzident. Fuer uns ist alles neu und fremd. Endlich kribbelt es wieder, jetzt ist das hier eine richtige Reise und nicht nur ein Urlaub!!!

Die Moscheen sind alle total schoen, und nach den Basaren heute gucken wir uns morgen noch einige weitere Highlights an. Vielleicht finden wir dann auch ein Internetcafe, in dem man Bilder hochladen kann.

Das war's erst mal aus Istanbul, in den naechsten Tagen mehr. Schreibt fleissig!!! Viele Gruesse und bis bald!

Kirsten und JörgKommentare: 2     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
28.03.2007 - Location: Nikiti
Winter in Griechenland

Waehrend ihr Euch in Deutschland ueber den Fruehling freut, hat uns hier in Griechenland der Winter wieder eingeholt. Anfangs sind wir ihm ja immer wieder entwischt, aber da wir wie immer so rumtroedeln, hat er uns dann doch noch erreicht.

Aber der Reihe nach:
Von Venedig aus haben wir die Faehre nach Igoumenitsa in Griechenland genommen. Die Ueberfahrt war ziemlich ruhig, und das Schiff war halbleer. Wir hatten nur einzelnen Betten in jeweils einer Kabine fuer Maenner und einer fuer Frauen gebucht. Da Kirsten aber alleine in ihrer Kabine war ( es gibt offentsichlich wenig griechische Fernfahrerinnen), haben wir uns zusammen in die Kabine gelegt. Das nun freie Bett in der Maennerkabine haben wir einem armen kleinen Japaner ueberlassen, der seit 6 Jahren mit einer 250 er Suzuki auf Weltreise ist, und gekruemmt wie ein Bonsai in einem Sessel uebernachten wollte. Wir werden ihm (Nubo oder Nobu oder so aehnlich hiess er) bestimmt noch ein paar mal begegnen, da er eine aehnliche Route wie wir plant.

Nach der Ueberfahrt hat uns in Griechenland der Regen empfangen, und uns mehrere Tage nicht mehr los gelassen. Es ist wirklich erstaunlich, wo wir hinfahren, regnet es. Wir koennten ganze Wuesten begruenen, und das Welthungerproblem wird auch bald geloest sein, wenn wir weiter um die Welt reisen....

Auf den hohen Bergen hier in Nordgriechenland geht der Regen dann zu dieser Jahreszeit sogar in Schnee ueber. Wir wollten uns die Vikos Schlucht angucken, schon fast an der Grenze zu Albanien bzw Mazedonien.


Schlechtes Wetter an der Vikos Schlucht

Uebernachten war hier auch schwierig, ausser ein paar zwar sehr schoenen aber auch sehr teuren Touristenhotels hat hier nix geoeffnet.

Auch der weitere Weg nach Osten war nicht gerade gemuetlich:


noch schlechteres Wetter am Katara Pass

Echt erstaunlich, wieviel Schnee in Griechenland liegen kann... Aber fuer uns gab es keine andere Moeglichkeit, wir mussten ueber den Pass, denn das war der einzige Weg zu unserem naechsten Ziel, den Meteora Kloestern. Sie liegen in einem Felslabyrinth wie Adlerhorste hoch oben auf imposanten Felstuermen. Hier in der Naehe hatte zum Glueck auch endlich mal ein Campingplatz geoeffnet, auch wenn er ausser einem Plumpsklo nicht viel zu bieten hatte. Die Kloester haben wir uns aber trotzdem angeschaut, und erstaunlicherweise hat es genau in diesen 2 Stunden mal nicht geregnet.


eines der Meteora Kloester

Nach den Kloestern hat es aber sofort wieder angefangen zu schuetten wie aus Eimern, wir hatten echt die Nase voll. Die weitere Strecke bot auch nicht viel Schoenes, es ging vorbei an Thessaloniki bis zur oestlich davon gelegenen Halbinsel Chalkidiki, wo wir jetzt gerade sind (im Oertchen Nikiti). Hier machen wir mal ein paar Tage "Urlaub", in einem richtig typisch griechischen Ort und einer Pension direkt am Strand, total schoen. Das ist aber auch wieder die einzige, die geoeffnet hat. Hier ist sowas von Neben-Neben-Neben-Saison, dass die zahlreichen Campingplaetze oder Hotels alle noch geschlossen haben. Es gibt sogar richtige Geisterdoerfer, die nur im Sommer belebt sind, und nun voellig ausgestorben ein ziemlich trostloses Bild abgeben.

Fehlt noch ein weiterer Meilenstein unserer beliebten Versuchsreihe "Verformbarkeit von Aluminium", den wollen wir euch nicht vorenthalten:


schon wieder ein kaputter Alukoffer

Wie das passiert ist, sagen wir euch lieber nicht. Nur so viel: Beteiligt am Versuchsaufbau waren Dauerregen, rutschiger Asphalt und bremsende Griechen.

Schickt uns mal ein bisschen von eurem schoenen Fruehlingswetter hier runter.
Viele Gruesse und bis bald!


Kirsten und JörgKommentare: 1     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
22.03.2007 - Location: Venedig
Start mit Hindernissen

Hallo Ihr alle im winterlichen Deutschland,

nach einigen Tagen unterwegs koennen wir noch nicht mit spektakulaeren Bildern oder Geschichten dienen, trotzdem hatten wir schon einige Hindernisse zu bewaeltigen.

Von dem Oelverlust der XT haben wir ja bereits berichtet, das war zum Glueck relativ leicht zu beheben. Doch dann ging es weiter: eines Morgens in Waibstadt, bei einem Abschiedsbesuch bei Freunden, sprang Joerg ploetzlich wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett. Ich ahnte sofort, dass irgendwas nicht in Ordnung sein muss, denn normalerweise braucht er ewig, um wachzuwerden. Ein lautes "Scheisse" bestaetigte meinen Verdacht: vom Bett aus hatte er mit halb offenen Augen einen fetten Riss in der Rueckwand seines Alukoffers bemerkt. Das irgendwann die Koffer kaputt gehen, hatten wir ja einkalkuliert, aber doch bitte nicht nach 350 km Autobahn in Deutschland! Zum Glueck arbeitet der Nachbar von Claudia und Gerhard im Metallbau, der hat uns dann ein Alublech zugeschnitten, und mit Bohrmaschine, Karosseriekleber und Flex war nach ein paar Stunden alles repariert. Vielen Dank nochmal!


Joerg und Gerhard bei der Arbeit

Nicht das das alles war... Ein Schlauch am Scottoiler der XT loeste sich bereits in seine Bestandteile auf, aber auch dafuer hatten wir die passenden Ersatzteile dabei. So reduziert sich wenigstens unser Gepaeck.

Kurz darauf konnten wir aber endlich starten, sind bei allerschoensten Wetter ganz gemuetlich ueber die Alpen getuckert und schliesslich irgendwann in Italien angekommen.


am Achensee

Wir haben einige schoene Paesse unter die Raeder genommen, vieles ist natuerlich zu dieser Jahreszeit noch gesperrt, die anderen sind dafuer umso leerer. Von einem voellig unscheinbaren Pass im Trentino fuehrten einige noch verschneite Waldwege ab, klar, dass wir abbiegen mussten um wilde Fahrbilder zu machen.


XT im Schnee

Waehrend Joerg im Schnee rumfuhr, bin ich schon zurueck gelaufen, um mich fuer weitere spektakulaere Bilder in Position zu bringen. Und dann hoerte ich ein vertrautes und sehr brutales Scheppern. Ich habe sofort alles fallen gelassen und bin losgesprintet. HInter der naechsten Kurve lagen sie dann da mitten im Wald, der Kerl und die XT, beide ziemlich ramponiert... Der linke Oberschenkel ist fett geprellt, das Knie verdreht, und leider hat es auch den Koffer uebel erwischt. Jaja, die Koffer und die Traeger, das ist wie ein Fluch. Wenn es nicht von alleine kaputt geht, macht man halt mal einen kleinen Ausflug in den Wald. Leider hatte es auch inzwischen angefangen zu schneien, und die ersten Schneepfluege fuhren an uns vorbei Richtung Pass. Also haben wir alles notduerftig mit Spanngurten festgeschnallt und sind ins Tal gekrochen, wo wir einen netten Mecanico gefunden haben.



Nach kurzer Zeit war alles wieder repariert, jetzt passt der Koffer sogar besser als vorher.

Danach sind wir dann 2 Tage durch Schnee und Regen bei 2 Grad nach Venedig gefahren, wo wir im Moment sind und auf die Faehre nach Griechenland warten. Auf dem hiesigen Campingplatz haben wir uns in einer Art Dixiklo mit Betten eingemietet, um alles wieder zu trocknen. Joergs Bein geht es wieder besser, und inzwischen scheint auch wieder die Sonne



Venedig ist echt schoen, wir freuen uns aber jetzt auf das hoffentlich waermere Griechenland.

Bis bald und viele Gruesse!


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14.03.2007 - Location: Bad Breisig
Wir sind unterwegs!

Hallo zusammen!

Wir haben es geschafft:
alle Visa sind noch rechtzeitig fertig geworden, der Konsul hatte einen guten Tag, die Verschickung der Reifen haben wir organisiert (nochmal vielen Dank an Tom und Snezana von BMW Kohl!), unsere Wohnug haben wir leergeräumt und die Möbel eingelagert, die Motorräder sind noch rechtzeitig fertig geworden und wir haben uns von allen verabschiedet.

Und jetzt sind wir endlich unterwegs!

Echte Abenteuer können wir noch nicht berichten, außer das die XT schon nach 60 km auf der Autobahn die erste Panne hatte. Aus dem Motor lief irgendwo Öl raus, viel Öl. Aber zum Glück war es nur eine Dichtung am Ölfilterdeckel. Schon komisch, wenn man nach noch nicht mal einer Stunde Reise bereits das ganze Werkzeug auspacken muss. Hoffentlich ist das kein Omen...

Nach einigen Abschiedsrunden zu Freunden und Familien werden wir am Wochenende über die Alpen nach Italien düsen, dann weiter über Griechenland in die Türkei.

Viele Grüße und bis bald

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02.03.2007 - Location: Aachen
Der Konsul, der keine Lust hat und andere Geschichten

Wer eine große Reise vorbereitet, erlebt lustige Dinge.


An diversen Stellen haben wir ja bereits unsere Visa erwähnt, die wir zahlreich beantragen mussten. Auf Nachfrage hieß es bei der von uns beauftragten Visumcentrale immer, alles sei kein Problem und laufe problemlos. Soweit stimmt das wohl auch, in unseren Reisepässen leuchten inzwischen etlich bunte Aufkleber. Sagt man zumindest, denn bisher haben wir das noch nicht live gesehen. Denn unsere Pässe liegen seit nun fast 2 Wochen in einem hübschen kleinen Konsulat in Bonn.

Dort sitzt ein Konsul aus dem schönen Land Kasachstan (nein, nicht Borat...), und der hat keine Lust. In vielen anderen Konsulaten gibt es sowas wie Eilanträge, d.h. bei entsprechend höherer Gebühr bekommt man sein Visum schneller. Geht in anderen Ländern ja auch, man legt ein Scheinchen auf den Tisch und schon fluppt die Sache. Da heißt das dann allerdings Bestechung. Nur bei besagtem Konsul aus Kasachstan gibt es keine Eilanträge. Njet! Was soll auch diese ganze Hektik? Auf hartnäckiges Nachfragen bekommt man als Antwort, dass es in Kasachstan ja schließlich auch zwei Monate dauert, bis man ein Visum für Deutschland bekommt. Und noch hartnäckigeres Nachfragen entschleunigt unseren guten Konsul erheblich. Dabei können andere KOnsulate es doch auch:


Warten wir also mal ab, ob unser Konsul innerhalb der nächsten Tage sein Stempelkissen zückt. Sonst wird es nämlich mehr als eng, selbst der größte Optimist kann dann nichts mehr schön reden. Ohne Visum keine Reise!

Dabei warten in Atyrau, unserer ersten Station in Kasachstan doch bereits die Verwandten einer Kollegin auf uns! Der halbe Ort ist schon ganz verrückt nach dem Besuch aus Deutschland, das Haus wird noch schnell für uns renoviert und ein Pferd wird wohl auch geschlachtet.

Die anderen Dokumente sind allerdings fertig. Auch die, von denen wir, sagen wir mal, "ofizielle Kopien" angefertigt haben. Dabei ist uns eine seltsame Zahl aufgefallen auf dem Fahrzeugschein der Honda: Nächste HU im Mai 2007. Ups, das haben wir wohl übersehen. Macht ja nix, losfahren können wir wegen des fehlenden Visums eh noch nicht, also nichts wie hin zum DEKRA. Und dort arbeitet zufällig ein tadschikischer Prüfer, der völlig aus dem Häusschen ist, dass wir sein Land besuchen wollen. Er kennt einen der einen kennt, der uns sicher helfen kann wegen der Reifenverschickung. Und dann ruft er jemanden an, der alle anderen kennt, und so sind wir nun ausgestattet mit zahlreichen Adressen und Telefonnummern in halb Zentralasien. Ist sowas Zufall?

A propos Tadschikistan: wer dort hin möchte, braucht eine Sondergenehmigung, das sog. GBAO-Permit. Nach einigen Recherchen haben wir es schließlich online bei einer Firma namens Great Game Travel beantragt und per VISA Card bezahlt. Nur leider können die Menschen dort uns nur helfen, wenn wir auch ein paar Nächte in ihrem Guesthouse in Dushanbe buchen und auch die notwendige OVIR Registrierung über sie machen, was sie uns aber natürlich erst nach der Bezahlung mitgeteilt haben. Reine Abzocke, aber was bleibt uns anderes übrig? Ein Anruf bei der deutschen Botschaft in Tadschikistan bestätigt, dass die Beantragung des Permits vor Ort mehrere Wochen dauern kann. Und das ist schlecht, wenn man nur ein Visum für 4 Wochen hat.

Ihr seht, es bleibt spannend. Drückt uns mal die Daumen, dass das Visum noch den Weg in unsere Pässe findet, und das der gute Konsul das hier nie liest...



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18.02.2007 - Location: Aachen
Wir packen...

Bald geht es los! Jetzt sind es nur noch etwas mehr als 3 Wochen, bis wir endlich losfahren. Es wird auch langsam Zeit, dass die ganzen Vorbereitungen sich auszahlen, und wir wieder on the road gehen können. Damit Ihr einen kleinen Eindruck von unseren ganzen Vorbereitungen bekommt, hier ein paar Bilder:


Stefan und BeateStefan und Beate von Reifen Klar aus Roetgen verpassen unseren Motorrädern frische Gummifüße.

Man at work Man at work:-)










             

 

            wir packen ...Werkzeug

packen

 


 






Das ist nur ein seeehr kleiner Teil der
Ausrüstung!



Außerdem sind die Motorräder endlich fertig!

Jetzt fehlt noch der letzte Papierkram, unter anderem müssen wir noch eine Sondergenehmigung für die Pamir-Region in Tadschikistan herbeischaffen. Dafür haben wir bereits Kontakt mit der spezialisierten britischen Agentur Great Game Travel aufgenommen, wir hoffen, das es klappt (siehe unter "Infos"). Außerdem felht noch das Russland-Visum, langsam drängt die Zeit.

Übrigens ist unsere eigentlich Homepage nun fertig, sie heißt richtung-horizont.de , und dort findet ihr noch jede Menge weitere Fotos und Infos, und auch alles Details zu unserer Südamerika-Reise 2004/2005. 2to-mongolia werden wir aber weiterhin als Reiseblog von unterwegs nutzen.

Der momentane Starttermin für unsere Reise ist der 12. März, vielleicht auch ein oder zwei Tage später, je nachdem, ob wir rechtzeitig mit allem fertig werden.

Also, bis bald :-)

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10.01.2007 - Location: Aachen
Die Vorbereitungen gehen weiter ...

In Kürze wird unsere eigentliche Homepage www.richtung-horizont.de endlich online sein (hoffentlich!). Dort findet ihr dann alles, was mit unseren bisherigen und zukünftigen Reisen zu tun hat. Dann wird es hier auf 2to-mongolia.de ein bisschen aufgeräumter und übersichtlicher, und ihr bekommt auch nicht mehr ständig so viele unnütze Newsletter-Emails!

Ansonsten laufen die Vorbereitungen erstaunlich reibungslos:
  • die Jobs sind gekündigt
  • die Beantragung der Visa läuft bisher ohne Schwierigkeiten
  • die Motorräder sind (fast) reisefertig
  • wir suchen einen Nachmieter für unsere Wohnung
  • wir fangen an, all unsere 1000 Sachen in Kartons zu verpacken
  • die Sponsorenverträge sind auch endlich unter Dach und Fach
  • die letzten Impfungen stehen an
  • die Fähre von Venedig nach Igoumentisa ist gebucht
  • die internationalen Führerscheine sind beantragt
  • und und und ...
Und trotzdem bleibt noch jede Menge zu tun, das ein oder andere wird bestimmt noch schief gehen, und langweilig wird uns bestimmt nicht. In nur zwei Monaten geht es dann endlich los, wir können es kaum noch erwarten.

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13.12.2006 - Location: Aachen
Langsam wird's ernst

Langsam wird es ernst! Wir haben inzwischen unsere Jobs und unsere Wohnung gekündigt! Jetzt sind wir freie Menschen.

Außerdem haben wir die ersten Visa in unseren Pässen. Bisher ging alles ohne Probleme, nur für Kasachstan gibt es auf einmal neue Antragsformulare. Jetzt hoffen wir, dass wir nicht alles neu beantragen müssen.

Apropos Visa: weiß jemand, ob man ein Visum für die Mongolei in Bishkek (Kirgistan) oder in Barnaul (Russland) bekommt?

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11.11.2006 - Location: Aachen
Dia Visa-Anträge sind raus

Für viele der Länder, die wir bereisen wollen, brauchen wir ein Visum, und die Bestimmungen zur Beantragung sind ziemlich kompliziert.
Manche Visa gibt?s in Bonn, andere in Berlin oder Frankfurt. Wo man sein Visum bekommt, hängt davon ab, in welchem Bundesland man wohnt, auch wenn uns niemand erklären kann, warum das so ist. Bei manchen Konsulaten muss man die Anträge persönlich vorbeibringen, andere akzeptieren die Unterlagen per Post. Alles in allem ziemlich verwirrend und komplex, deshalb haben wir uns entschlossen, die gesamte Angelegenheit in Profi-Hände zu geben.

Im Internet findet man eine Vielzahl von Agenturen, die nichts anderes tun, als Visa zu beschaffen. Wir haben uns für die visumcentrale mit Sitz in Bonn und Berlin entschieden.

  • Wir brauchen jeweils ein 30 Tage Visum mit einmaliger Einreise für
  • Jetzt können wir nur noch warten und hoffen, dass wir alles richtig ausgefüllt haben und sich die Bestimmungen nicht noch mehrfach ändern. Drückt uns die Daumen, dass alles klappt! Näheres zu den einzelnen Visa unter Infos.
  • Kasachstan
  • Kirgistan
  • Usbekistan
  • Tadschikistan
  • und ein 6-Monats Buisness Visum mit multi-Einreise für Russland
Das Visum für die Mongolei und das zweite Visum für Kasachstan (auf dem Weg von Kirgistan zum Altai werden wir ein zweites Mal durch Kasachstan fahren) werden wir hoffentlich unterwegs bekommen. Alternativ wird uns die visumcentrale einen zweiten Reisepass mit den entsprechenden Visa nachschicken.

Die Visa müssen für genaue Zeiträume beantragt werden, die Planung ist uns unheimlich schwer gefallen. Woher sollen wir genau wissen, wann wir auf dieser monatelangen Reise wo sein werden? Jede Krankheit, jeder Unfall, eine miese Piste oder auch schlechtes Wetter kann die Zeitplanung völlig durcheinander bringen. Wir haben deshalb sämtliche Visa überlappend beantragt.

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07.10.2006 - Location: Aachen
Wir sind online!

Seit Anfang Oktober sind wir nun mit unserem Reisetagebuch online.

Noch ist viel Zeit bis zum Start unserer Tour, erst Mitte März 2007 soll es los gehen. Doch bereits jetzt werden wir regelmßig über unsere Vorbereitungen berichten.

Es gibt unendlich viel zu tun, um eine Langzeitreise vorzubereiten! Als Faustregel gilt: die Vorbereitungen dauern mindestens so lange, wie die Reise selbst. Ihr könnt in den nächsten Monaten immer mal wieder nachlesen, wie weit wir mit unseren Planungen und Vorbereitungen sind. Viel Spaß!

Kirsten und JörgKommentare: 1     Kommentare lesen  Kommentar schreiben
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