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Südamerika 2004 
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Immer noch Peru, geschrieben von Kirsten und Jörg am 11.09.2004

Hola chicos,

wie immer finden wir erst gar keinen Anfang fuer unsere mail. Was haben wir zuletzt geschrieben? Ach ja, Huaraz und die Wanderung. Das ist ja schon wieder ewig her :-)

Nach so viel Bergen und zu Fuss gehen waren wir auch mal wieder froh, auf die Motorraeder zu steigen. Leider hat die BMW ihren Dienst verweigert, wir wussten schon seit Tagen, dass die Batterie hin war. Da half nur noch ein dickes Ueberbrueckungskabel und schliesslich konnte es doch losgehen. Eigentlich hatten wir eine Route durch die Berge geplant, aber so mussten wir nach Lima, um eine neue Batterie zu kaufen. Wenn ihr mit dem Zeigefinger auf der Landkarte mitfahrt koennt ihr den Finger jetzt mal ein paar Zentimeter bewegen, denn wir haben jede Menge Kilometer gemacht. Irgendwie hatten wir das Gefuehl, weiter nach Sueden zu muessen und die verbummelte Zeit aus Ecuador ein bisschen aufzuholen. Die Strecke zur Kuste war wieder mal traumhaft schoen, man faehrt innerhalb von 100 km vom Hochgebirge bis in die Wueste. Erst gings ueber einen 3500m hohen Pass, dann in wilden Kurve bergab. Die Landschaft veraendert sich irre schnell. Auf einmal kommen die ersten Felder in Sicht, dann Bananenbaeume und ploetzlich wird es warm und ruckzuck ist man an der Kueste. Die besteht hier in Peru fast asusschliesslich aus Wueste. Allerdings ist es nicht heiss und sonnig, sondern kuehl und neblig, denn hier herrscht 6 Monate im Jahr ein kalter Nebel, garua genannt. Der ensteht irgendwie ueber dem Pazifik, wo der kalte Humboldtstrom die Feuchtigkeit kondensieren laesst (oder so aehnlich..). Trotzdem geniessen wir die perfekte Strasse, die wieder mal nur gerade aus geht. Und dann kommt das, was JEDEM Motorradreisenden hier passiert: die unvermeidliche Polizeikontrolle.

Die Kontrollen rund um Lima sind beruechtigt, wir sehen die Jungs schon von weitem und wissen sofort: jetzt sind wir faellig! Klar sind wir zu schnell gefahren, aber wer sieht schon ein, auf einer 4 spurigen kerzengeraden Strasse 45 kmh zu fahren, nur weil ein paar Bambushuetten rechts und links stehen! Der Officer hat auch ruckzuck eine Strafe fuer uns parat: Fuehrerscheine einziehen und 160 soles, umgerechnet 40 Euro, pro Nase versteht sich! Spinnt der oder was? Wir lassen erst mal einen Redeschwall los, wie vorsichtig wir doch immer fahren, das wir noch nie Probleme hatten, wie schoen Peru ist usw. Ausserdem behaupten wir, nicht so viel Geld dabei zu haben. Wenn er bestochen werden will, sollte er spaetestens jetzt was sagen, aber er will nicht. Erst als wir sein Motorrad bewundern wird er besser gelaunt. "Ist das eine echte Harley Davidson, wow...". Am Ende laesst er uns mit einer Verwarnung fahren und wir halten uns auch weiterhin nicht an diese idiotischen Geschwindigkeits-begrenzungen, so!

Nach weitern 100 km steht uns der Horror bevor: quer durch Lima und in dieser 8 Millionen-Stadt mit 50 km Durchmessern ein Hotel finden. Natuerlich wird es auch noch dunkel und als das Hotel endlich gefunden ist, steht da so ein doofer Hydrant im Weg und will nicht weichen! Also hat Kirsten erst mal waagerecht vorm Hotel geparkt. Lima hat uns nicht sehr gut gefallen, es ist laut, voller Verkehr und riesig. Aber immerhin haben wir Sonntagsmorgens mit Hilfe eines altersschwachen und extrem kurzsichtigen Taxifahres eine Batterie fuer die Berta aufgetrieben und konnten schnell weiter nach Sueden duesen.

Weiter gehts durch die Wueste bis nach Huacachina, einer richtigen Oase inmitten von riesigen Sandduenen. Eigentlich geht hier auch eine ganz gute Strasse hin, aber Joerg hat irgendwie eine Abzweigung verpasst und auf einmal stecken wir mitten im feinsten Sand fest. Nur mit viel gutem Zureden konnte er mich dazu bewegen, hier wieder selbst rauszufahren! Unser Hostal hat eine Poolbar, und abends trinken wir jede Menge Caipirinha und lassen es uns richtig gut gehen. Auf unserem weiteren Weg fahren wir durch Nasca, wo die weltberuehmten Nasca-Linien sind. Ob sie von Ausserirdischen stammen oder nicht koennen wir auch nicht rausfinden! Von einem Aussichtsturm koennen wir einige der beeindruckenden Figuren sehen, die sich auf einer riesigen Ebene befinden. Um alles richtig zu sehen muss man ein Flugzeug chartern, aber wir sind halt leider nur auf der Durchreise... Kaum verlaesst man die Kueste geht es wieder steil bergauf. Eigentlich versuchen wir uns immer langsam an grosse Hoehen anzupassen, aber das ist hier unmoeglich. Von Meereshoehe auf 4200 m sind es auch hier wieder nur 120 km! Oben empfaengt uns die schoenste Landschaft unserer bisherigen Reise. Riesige Ebenen auf ueber 4000m, im Hintergrund schneebedeckte Berge und vorne Lagunen mit Flamingos! Die wollen wir natuerlich fotografieren, aber Flamingo-Jagd auf dieser Hoehe ist echt atemberaubend :-). Die goldigen Vicuñas und ihre domestizierten Verwandten, die Llamas und Alpacas, stehen auch ueberall rum. Sie tragen bunte Ohrpuschel, damit der Besitzer sie wieder erkennt. Alpaca-Wolle ist wirklich ein feines Stoeffchen, und in einem winzigen Oertchen kaufen wir fuer einen Spottpreis zwei Felle fuer unsere Sitzbaenke. Angeblich soll das ja was bringen, aber uns tut der Hintern trotzdem noch weh! Das Pumafell, das uns angeboten wurde haben wir allerdings lachend abgelehnt.

Wir geniessen jeden Kilometer dieser unvergleichlichen Strecke mit perfekten Kurven. Wir haben viel Zeit, waehrend des Fahrens Gedanken ueber die Reise zu spinnen. Wir empfinden beide das gleiche: diese Reise zu machen war die beste Entscheidung. Selbst wenn wir jetzt abbrechen muessten, haette sich der Aufwand schon gelohnt, denn wir haben schon so viel Schoenes erlebt. Es ist ein wahrhaft erhabenes Gefuehl sich in einer sollchen Landschaft zu bewegen. Hier sind die Dimensionen auch viel groesser, als sie in Ecuador waren. Wir haben Zeit genug, jedes Detail der Wueste oder der Berge aufzunehmen, und da wir nicht in einem Auto sitzen bekommen wir alles viel direkter mit, Hitze, Kaelte, Wind, Regen, Sand, Geraeusche und Gerueche. Fuer die Menschen sind wir auch greifbar wenn wir irgendwo anhalten, kein Blech und Glas ist zwischen uns. Sie koennen uns und alles anfassen, was sie natuerlich auch staendig tun :-). Wir uebernachten in einem winzigen Oertchen namens Puquio (mal sehen, ob ihr das auf euren Karten findet...), aber die sind uns inzwischen am liebsten. Keine Touri-Abzocke, sondern echte Herzlichkeit. Wieder mal wurde ein halbes Wohnzimmer leergeraeumt, damit die Moppeds sicher parken! Unser Spanisch reicht inzwischen auch, um im Ort ein paar Schwaetzchen zu halten, die Leute freuen sich, wenn sich jemand fuer sie interessiert und ein paar soles im Dorf laesst. Fast ist es schade, dass wir nach drei Tagen in dieser traumhaften Landschaft schon bald das schoene Cuzco erreichen, die Andenmetropole und ehemalige Hauptstadt der Incas. Hier treffen wir Heike und Christian wieder und verbringen nochmal 2 Tage zusammen, bevor sich unsere Wege wieder trennen. Ausserdem treffen wir durch Zufall noch ein Paar aus der Schweiz wieder, die mit uns im Hafen von Guayaquil auf ihr Auto gewartet haben. Die Welt ist echt klein, die meisten Leute haben hier fast die gleiche Reiseroute und man trifft sich ab und zu mal wieder. Hier in Cuzco werden wir uns Macchu Pichu anschauen, das ist absolutes Pflichtprogramm! Danach gehts weiter nach Arequipa und zum Colca-Canyon, wieder mal angeblich der tiefste Canyon der Welt.

Bis bald und viele liebe Gruesse nach Hause

Kirsten und Joerg
 
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