Suche 
 
Südamerika 2004 
Zurück zur ÜbersichtVorheriger Bericht  Nächster Bericht
 
Peru, die 3., geschrieben von Kirsten und Jörg am 03.09.2004

Hallo ihr Lieben zu hause,

schon wieder ist eine Woche vergangen, in der ihr von unseren Riesen-mails verschont wart, aber das hat jetzt ein Ende! Zuletzt waren wir in Chiclayo, wo wir 2 Tage mit Kultur und Museen verbracht haben. Aber irgendwann hat man ja genug von der ganzen Kultur und quirliger Stadt, also gings bald weiter nach Sueden. Die Panamericana fuehrt hier direkt am Pazifik entlang. Rechts sieht man den Ozean und links nichts als Wueste. Die Gegend ist wirklich menschenleer, es gibt nur Sand und Steine. Sogar richtige Duenen gab's da, wir waren noch nie vorher in einer echten Wueste und waren wirklich beeindruckt. Der stetige Seitenwind treibt den Sand und die Duenen ueber die Strasse und die Strasse geht kilometerweit geradeaus.

Das erste Stueck sind wir ohne Heike und Christian gefahren, aber wir haben sie gerade rechtzeitig eingeholt um zu sehen, wie Heike einen astreinen Stunt hingelegt hat und ploetzlich mit 90 Grad Schraeglage ueber die Strasse rutschte! Eine Oelspur wurde ihr zum Verhaengnis, aber sie hatte Glueck im Unglueck und ist quasi direkt in eine Werkstatt geschliddert. Nach 2 Stunden war alles wieder geschweisst und repariert, natuerlich unter den Augen von mindestens einem Dutzend Tuck-Tuck-Fahrern samt Kundschaft. Der Menschen-Auflauf war wieder so gross, das sogar ein Eisverkaeufer seine Karre aufgebaut hat...Die arme Heike hat alles mit einem Riesen-Schreck und ein paar Prellungen ueberstanden. Anschliessend sind wir bis zur Abenddaemmerung weiter durch die Wueste gefahren, die Farben wechseln dabei staendig je nach Licht, trotz 400km geradeaus kommt so keine Langeweile auf. Am naechsten Tag gings weiter ueber eine wilde Piste mit unzaehligen Serpentinen nach Huaraz, wo wir jetzt sind. Der Pass stieg von der Kueste bis auf 4200m an, und von oben hatten wir eine gigantische Aussicht auf den Gebirgszug Cordillera Blanca, mit dutzenden verschneiten Fuenf- und Sechs-tausendern, wow! Auf dieser Piste hatte die BMW auch den ersten Bodenkontakt der bisherigen Reise, das Loch, das Kirsten uebersehen hat war einfach zu tief. Joerg war selbstverstaendlich schon ueber alle Berge, so mussten zwei arme winzige Peruaner helfen, die schwere Kuh wieder aufzuheben...:-), aber er hat nachher noch Trost gespendet. Heike und Christian sind auf diesem Stueck auch mehrfach waagerecht gefahren, wir alle waren ganz schoen bedient hinterher! Aber sonst haetten wir ja nix zu erzaehlen, gelle ;-)

Huaraz liegt auf 3090m und statt Tuck-Tucks fahren hier mind. 1 Mio weisse Taxis rum, die staendig wie irre hupen. Hier herrscht Tag und Nacht eine ohrenbetaeubende Geraeuschkulisse. Das ganze wird nur durch staendige Festumzuege getoppt, die hier mehrmals taeglich mit Musikkapellen durch die Strassen ziehen. Hier scheint irgendein Fest im Gange zu sein, und bis tief in die Nacht werden Feuerwerkskoerper gezuendet. Gleichzeitig zu diesen Karnevalsumzuegen laufen auch immer die Kinder in so einer Art Sankt-Martins-Prozession mit Laternen durch die Strasse, und vor ein paar Tagen gab es auch gleichzeitig noch eine Demonstration der Bauern gegen die Regierung. Wir konnten das ganze Schauspiel von unserem Balkon aus verfolgen: die Demorufe wurden von Blasmusik uebertoent (el Condor pasa mit Trompete, schaurig :-)), zwischendrin immer wieder Eisverkaufer und verzweifelte Polizisten, sehr witzig! Nach einer kleinen Akklimatisierungswanderung haben wir dann unser grosses Abenteuer gestartet, eine 4 taegige Trekking-Tour durch die Berge! Am Montag sollte es um 6 Uhr morgens losgehen, also sind wir Armen um 5 Uhr aufgestanden und haben noch unsere Wirtin aus dem Bett gescheucht, die uns Fruehstueck gemacht hat. Aber wie so oft haben wir nicht mit der Puenktlichkeit der Peruaner gerechnet, wir haben tatsaechlich bis 7 Uhr warten muessen. Nicht dass ihr denkt, es ging dann sofort los, nein nein! Wir sind dann mit dem Bueschen kreuz und quer durch die Stadt gefahren, um die anderen einzusammeln und waren dann um 8 Uhr wieder vor unserem Hotel! Aber darueber koennen wir uns fast nicht mehr aufregen (fast...). Unsere Truppe bestand aus einem Australier, einem Franzosen, einer Estin, einer Schweizerin, einem Spanier und natuerlich unserem peruanischen Fuehrer, das war wieder ein wildes Sprachenwirrwarr! Ueber den ersten Pass ging es Gott sei Dank noch im Bus, denn der dauernde Regen ging ab 4000m in Schnee ueber, Vorfreude kam auf! Am Startpunkt wurde unser Gepaeck auf drei arme Esel geladen, wir hatten nur unsere Tagesrucksaecke zu schleppen. Bis zum ersten Zeltplatz auf 3800m mussten wir nur 3 Stunden laufen, das Abendessen gabs dann auch im Regen. Am naechsten Morgen war es dann wenigstens trocken und wir sind um 8 Uhr zur groessten Etappe gestartet. Uber viele Sepentinen ging es hoch zum Pass "Punta Union" auf kreislauf-erfrischenden 4750m.

Keine Ahnung, wie Menschen es schaffen, auf 8000m hohe Berge zu steigen, denn dieser Pass hat uns fast alle an den Rand unserer Leistungsfaehigkeit gebracht. Die Luft ist einfach zu duenn, man kann kaum atmen! Die Koka-Blaetter, die unsere Guide David uns gegen die Hoehenprobleme gegeben hat, haben auch quasi nix gebracht. Man muss auf diesen trockenen Blaettern rumkauen und hat den ganzen Mund voller Blaetter-Fussel, die auch noch fiess schmecken...Aber einmal oben angekommen hat uns das grandiose Panorama fuer alles entschaedigt und die Strapazen waren sofort vergessen! Wir waren alle total stolz, dass wir es geschafft hatten. Nur die Schweizerin und der Spanier (laut Joerg "eine kleine bierbauechige Wanderwarze") waren schon lange oben, die sind einfach da hoch gesprintet! Nach insgesamt 8 harten Stunden kamen wir auf unserem traumhaften Zeltplatz mit dem schoenen Quetschua-Namen "Taullipampa" auf 4200m an. Wenn die Sonne untergeht wird es in dieser Hoehe schlagartig eiskalt, also geht es sofort nach dem Abendessen in den warmen Schlafsack!

Der 3. Tag hat uns mit strahlendem Sonnenschein geweckt und der Weg war wirklich toll, zwischen all den riesigen Bergen durch zum Basis-Camp Cordillera Blancades Alpa Mayo, der vor ein paar Jahren mal zum schoensten Berg der Welt gewaehlt wurde, und das zurecht! Er hat sich fast ohne Wolken gezeigt, und ihr tut uns jetzt schon leid, denn ihr muesst euch all die ganzen Dias angucken...:-). Der 3. Zeltplatz lag dann wieder knapp unter 4000m, aber erholsam sind die Naechte auf diesen Hoehen leider nicht. Wir hatten zwar eine gute Verpflegung, aber der Koerper braucht einfach zu viel Energie um Waerme zu erzeugen, da sind die Kalorien aus so ein paar Nudeln schnell verbrannt. Trotz gutem Schlafsack friert man die halbe Nacht un d nach der 3. Nacht waren wir alle ganz schoen mitgenommen. Alan, der Australier war richtig hoehenkrank, so mit Atemnot nachts und allem drum und dran. Ein besonders Phaenomen war unser Arriero, so heissen die Eseltreiber. Die Esel sind immer nach uns losgegangen und haben uns im Laufe das Tages ueberholt, wenn wir dann ankamen standen die Zelte schon und das Teewasser kochte. Der Typ ist fast doppelt so schnell gelaufen wie wir, und das in Sandalen aus Autoreifen, die er auch noch anhatte, als wir schon in 3 Schichten Fleecepullis gefroren haben! Am 4. und letzte Tag gings dann heftig bergab und unten im Tal hat schon ein Bus auf uns gewartet, der uns nach Huaraz zurueck gebracht hat. Wir fuehlten uns alle wie Helden! Fuer die spanische Wanderwarze war dieser Trip nur eine kleine Akklimatisierungstour, denn er will jetzt noch schnell alleine ein paar 5500m hohe Berge besteigen...Abends haben wir uns dann mit der ganzen Gruppe noch in eine Pizzeria getroffen. Alle haben die gleiche Frage gestellt und die gleiche Antwort gegeben: was hast du heute nachmittag noch gemacht? Eine halbe Stunde lang geduscht! Es war wirklich eine tolle Tour und eine echte Erfahrung! Morgen werden wir uns aufmachen Richtung Sueden, Heike und Christian sind schon vor zwei Tagen losgefahren. So werden wir jetzt die naechsten Wochen zu zweit fahren bis wir uns irgendwo wieder treffen. So, wir hoffen ihr seid bei der langen mail nicht vom Sessel gekippt und freut euch schon auf die naechste :-)!

Bis bald und viele Gruesse nach Hause

Kirsten und Joerg

 
 Vorheriger Bericht  Nächster Bericht