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Südamerika 2004 
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Peru, die 2., geschrieben von Kirsten und Jörg am 25.08.2004

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank fuer eure vielen Antworten auf unsere letzte mail, wir haben uns richtig gefreut.

Wir sind im Moment in Chiclayo, an der Kueste in Nordperu. Nachdem wir in Peru ankamen hatten wir erstmal einige staubige Kilometer zu bewaeltigen, bis wir in Chachapoyas waren. Der Weg war leider wieder von Pannen gezeichnet, erst ein platter Reifen bei Heike (Reifenwechsel in Rekordzeit von 50 min, bei 35 Grad neben mueckenverseuchten Reisfeldern...!!), am naechsten Tag eine festsitzende Hinterradbremse bei Christian. Die beiden sind irgendwie vom Pech verfolgt. Dafuer hat sich Chachapoyas richtig gelohnt, wir haben voll auf Kultur gemacht! Hier gibt es naemlich relativ neu entdeckte Ruinen einer Kultur, die noch vor den Inka da waren. Eine riesige Festung (Kuelap) auf einem 3000m hohen Bergruecken haben wir uns angeguckt, mit ueber 200 runden Hausern drin. Die ganze Anlage ist von Bergregenwald ueberwuchert, die Stimmung dort oben war einmalig! Und wie bestellt standen dann auch noch Lamas in der Gegend rum! Ein toller Tag, wenn auch sehr anstrengend. Wir sind naemlich mit so einem Mini-Bus hingefahren, das war so ziemlich das klapprigste Modell des ganzen Landes.

Normalerweise dauert die Anfahrt ca 2,5 Stunden, aber unser Fahrer war fuer seine "vorsichtige" Fahrweise bekannt, das heisst er ist 3,5 Stunden lang um jedes Schlagloch rumgekurvt. Wer schonmal eingequetscht in so einem ausgeleierten Buss gesessen hat weiss um unsere Qualen :-). Der Rueckweg hat dann nochmal laenger gedauert, denn die Piste wurde im Dunkeln natuerlich nicht besser, also waren wir erst um halb 10 voellig durchgeruettelt wieder im Hostal. Un weil es so schoen war, haben wir uns den gleichen Bus samt Fahrer 2 Tage spaeter nochmal angetan und sind zu den "Staedten der Toten" gefahren. Echt klasse, Mumien und Ton-Sarkophage in supersteilen Felswaenden. Dieser Ort stand auf unserer Peru-Wunschliste ganz oben und wir waren richtig begeistert. Ausserdem haben wir hier den besten Schokokuchen der letzten 7 Wochen gegessen (eigentlich den einzigen...).

Auf dem Weg zur Kueste mussten wir auch wieder einen ungeplanten Zwischenstop einlegen, iegendwie schaffen wir fast nie die Strecken, die wir uns voenehmen. Diesmal hat uns Joerg gebremst. Auf einer Piste ist er sehr ambitioniert den Schlagloechern ausgewichen und hat dabei leider einen Riesen-Stein am Rand der Piste uebersehen. Stein und Koffer nahmen Kontakt auf, aber Ross und Reiter blieben erstaunlicherweise senkrecht. Nur der arme Koffer war dermassen verbogen, das wir ihm schon den Gnadenschuss geben wollten. (An Kurt: die verstaerkte Kofferhalterung hielt stand, kein Kratzerchen!) Wie so oft bleibt nix anderes als einfach weiterfahren, und die nun folgende Flussdurchfahrt, die Christian auf dem Hinweg zu einem unfreiwilligen Bad genutzt hat haben wir alle ueberstanden! Ihr seht, jeden Tag passiert irgendwas unvorhersehbares. HIer in Chiclayo, wo wir jetzt sind haben wir aber eine Werkstatt gefunden, die den Koffer mit roher Gewalt wieder in eine annaehernd rechteckige Form gepruegelt hat :-).

Einige Anekdoten muessen wir noch erwaehnen. Zum BEispiel die Tuck-Tuck aehnlichen Motorradtaxis, die hier ueberall rumfahren. Wie eine Rikscha, nur mit Mopped statt mit Fahrrad. Diese Dinger fahren zu hunderten in jeder noch so kleinen Stadt rum, staendig wuseln diese kleinen Nervensaegen um einen rum. Die groesster Ansammlung (auf die Einwohnerzahl gerechnet) gab es in Pedro Ruiz. Leider haben wir das bisher beste Motiv dieser Reise nicht fotografieren koennen: einen Tuck-Tuck-Fahrer der original wie Guenther Netzer aussah, nur mit schwarzen Haaren. Wir haben uns schlapp gelacht :-)! In unserer letzten Station vor der Kuesten, einem winzigen Ort namens Olmos haben wir uns dann eine Fahrt in so einem Teil gegoennt, zum totlachen! Olmos war sowieso sehr spannend, denn der Weg zum "Hotel" ging quer durch einen Markt, vorbei an gackernden Huehnern, Tomatenstaenden, Fressbuden und aehnlichem. Dabei waren wir wie immer von einer Schar Menschen umringt, meistens Kinder.

In Ecuador standen wir ja schon oft im Mittelpunkt, aber hier in Peru sind die Leute noch neugieriger. Kaum haelt man irgendwo an, schon scharen sich die Menschen um uns, und die haben wahrlich keine Beruehrungsaengste! Der bisherige Rekord war die Ankunft in Chiclayo, eigentlich eine Stadt, in die gelegentlich Touristen kommen. Aber der Menschenauflauf war hier so gross, das ein Verkehrspolizist die Meute auseinandertreiben musste, da eine ganze Kreuzung vollkommen blockiert war! Es waren locker 60 oder 70 Luete. die dicht gedraengt um uns rumstanden. Aber wir fuehlen uns in solchen Situationen nicht unwohl, denn alle sind sehr nett. Klar wuerden wir hier nicht mit der Kamera rumfuchteln und uns dann umdrehen und mit jemand anderem reden, aber im Grunde sind die Leute einfach nur unglaublich neugierig. Alles wird angefasst und geprueft, staunend wird sich ueber jeden Knopf unterhalten. Alle fragen woher, wohin, wielange und wollen alles ganz genau wissen. Ein Strassenhaendler hat uns dann noch Anhaenger geschenkt und eine persoenliche Widmung drauf geschrieben. Ueberhaupt kriegen wir staendig Sachen geschenkt, es ist schon fast peinlich. An einer Tankstelle bekamen wir eine Kappe geschenkt, in Hostals oft Postkarten oder andere Kleinigkeiten. In der Werkstatt, in der wir den Koffer haben reparieren lassen haben wir anschliessend gefragt, was er denn fuer seine Arbeit bekommt. Die Antwort war nur: willkommen in Peru, das ist ein Andenken an Chiclayo. Immerhin hatten wir ein paar Bonbons dabei, die wir dann der Urenkelin des Meisters schenken konnten, aber Geld wollte er keins. Dann bleibt nur ein dickes Trinkgeld fuer den Gesellen und 100x "muchas gracias".

Wir sind absolut begeister von der Herzlichkeit der Peruaner. Mag sein, dass man immer Horrorgeschichten ueber Peru hoert, und im Sueden des Landes der Tourismus viel negatives bewirkt hat, aber hier im Norden haben wir nur Gutes erlebt! In Ecuador waren die Menschen auch sehr freundlich, aber verschlossener. Dort war es sehr schwierig mit den Menschen Kontakt aufzunehmen, besonders mit den Indigenen. Da flog uns auch schon mal ein Stein hinterher! Wir koennten noch seitenweise kleine Erlebnisse schildern, aber dann haben wir ja nix mehr zu erzaehlen, wenn wir wieder zuhause sind. Ausserdem macht das Internetcafe gleich zu, also nur noch schnell zu heute: wieder voll Kultur!

Hier gibt es eine ganz beruehmte Ausgrabung, die wie alle Ausgrabungen stinklangweilig war. Aber das dazugehoerige Museum war super, denn hier in Chiclayo wurden unversehrte Graeber einiger Fuersten gefunden ("Lord of Sipan") und wir haben noch nie soviel Gold auf einem Haufen gesehen! Das hat sich wieder mal richtig gelohnt. Morgen geht es weiter Richtung Sueden. Unser naechstes grosses Ziel ist die Cordillera Blanca, endlich mal wieder hohe Berge sehen und wandern! Von dort melden wir uns dann wieder.

Bis dahin, ganz viele liebe Gruesse

Kirsten und Joerg
 
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