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Südamerika 2004 
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Lange nix mehr geschrieben..., geschrieben von Kirsten und Jörg am 29.07.2004

Hallo Ihr Lieben,

jetzt haben wir ja schon lange nix mehr von uns hoeren lassen, in letzter Zeit waren die Intenet-Cafes nicht so dicht gesaeht. Die letzte Nachricht hattet ihr aus Quito, seither ist schon wieder jede Menge passiert. In Quito haben wir noch andere Motorrad-Reisende getroffen (deutsch-englisch-argentinische Mischung, das war ein lustiges Sprachenwirrwarr!) und mit ihnen ein paar witige Tage verbracht. Unter anderem sind wir zur Mitte der Welt "Mitad del Mundo" gefahren, ein Aequator-Denkmal, mit Null-Linie usw. Lustig, von der Nord- auf die Suedhalbkugel zu laufen oder auf der Linie zu balancieren :-). Ausserdem sind wir von hier aus unseren ersten 4000er Pass gefahren (4063 m, um genau zu sein...), und zwar auf dem Weg zu superschoenen Thermalbaedern (auch auf schlappen 3300m), in denen wir stundenlang im heissen Wasser abgehangen haben. Die Luft war einfach viel zu kalt, um wieder raus zu steigen! Auf dem Weg dahin konnten wir auch zum ersten mal die Off-Road tauglichkeit unserer Moppeds in grosser Hoehe testen, sie schlagen sich erstaunlich gut!

In Quito haben wir auch Heike und Christian wieder getroffen, seither sind wir wieder zu viert unterwegs. Nach 5 Tagen hatten wir allerdings genug von Grossstadt und Abgasgestank (ausserdem wurde 2 Blocks von unserem Hotel entfernt jemand erschossen!!!), diese Staedte hier schaffen einen immer total! Also nix wie weg hier, zum letzten Mal Richtung Norden, nach Otavalo. Dieser Ort ist beruehmt fuer seine Indio-Maerkte, die auch wirklich superschoen sind. Heike und ich haben uns nicht mehr eingekriegt und lauter quietschbuntes unnuetzes Zeug gekauft, das jetzt das eh schon volle Gepaeck noch voller macht! Aber die Sachen waren einfach zu verlockend. Die Jungs haben hier in Otavalo auch schon wieder fleissig geschraubt, irgendwelche Vergaserduesen rein und raus, der ganze schoene Innenhof unseres Hostals hat nach Benzin gestunken! Hier haben wir auch unsere erste richtig anstrengende Wanderung gemacht. Zuerst sind wir bis zu einer Lagune gefahren, die immerhin schon auf 3700m lag, und dann auf den Vulkan Fuya Fuya gekraxelt, nochmal 500 m hoeher. Unglaublich wie anstrengend das Gehen in dieser Hoehe ist, wir haben gekeucht wie alte Opis. Der Ausblick von oben war allerdings grandios, zumindest fuer 10 min, danach gabs nur noch Wolke von innen. Dieser Trip hat uns ganz gut an die Hoehe angepasst, das konnten wir auch brauchen, denn danach gings zum Cotopaxi. Nein nein, auf den Gipfel (5900m) sind wir nicht geklettert, aber wir haben am Rande des Nationalparks gezeltet. Die Anfahrt bis zum Parkeingang war schon wieder unglaublich: Schotter-/Sandpiste mit . Flussdurchfahrten, aaahhhhh....Heike und Kirsten sind todesmutig durchgebrettert. Ueberhaupt sachlagen sich die 2Maedels hier echt tapfer, noch nicht ein kleiner Umfaller bisher. Aber dazu spaeter mehr, jetzt erst mal zum Cotopaxi. Zum eigentlichen Zeltplatz wollten wir nicht, der lag uns zu hoch (wir versuchen, nicht mehr als 500-600m Schlafhoehe pro Tag zu erhoehen), aber die netten Parkranger bzw. Polizisten haben uns neben ihrem Haeuschen zelten lassen. Abends am Lagerfeuer haben wir dann mit ihnen unglaublich schlechten Rotwein getrunken und geplaudert. Die Gespraeche drehen sich wie fast immer ums Geld: wieviel kosten die Moppeds, wer verdient wieviel, was kostet Benzin in Deutschland usw. Wir stapeln inzwischen sehr tief, denn ein guter Job bringt hier durchschnittlich 300 Dollar pro Monat. Die Nacht hier auf 3300 m war ziemlich eisig, und am naechsten Morgen war vom doofen Cotopaxi immer noch nix zu sehen. Dafuer kamen lauter Leute, die hier oben ein paar Marktstaende fuer Touris haben, und haben sich unser Lager genau angeguckt. Ein Paar stand vor unserem Zelteingang und hat sich sachlapp gelacht, auch unsere Kocher sorgten regelmaessig fuer Lachanfaelle :-), aber alle sind sehr nett und interessieren sich fuer alles, was mit uns verrueckten Deutschen zu tun hat. Wir haben noch den ganzen Tag teetrinkend auf besseres Wetter gewartet, aber in der naechsten Nacht hat es wieder geregnet. Am dritten Tag sind wir gegen Mittag weggefahren (wieder durch die Fluesse...), zur Laguna Quilotoa. Leider war die ganze Strecke bis dorthin unasphaltiert, fuer 110 km haben wir 6 Stunden gebraucht, so schrecklich war die Piste. Fuer die wunderschoene Landschaft bleibt nicht viel Aufmerksamkeit uebrig. Aber wenigstens koennen wir jetzt mit vollem Gepaeck durch tiefen Sand fahren. Wie durch ein Wunder sind wir alle ohne Sturz kurz vorm Dunkelwerden in Quilotoa (3900m) eingetroffen. Nach so einem Tag braucht man weder Fitness-Studio noch Sauna, nur noch eine heisse Dusche (hier nicht immer leicht zu finden) und was zu essen. Die Unterkunft hier war sehr einfach (Plumpsklo...), aber die Menschen waren wieder mal sehr nett. Nach der Dusche ist Kirsten mit ihrem Foen in die Kueche zur Indiofamilie gelatscht und hat nach einer Steckdose gefragt. Ruckzuck gab es einen Menschenauflauf, denn das war tatsaechlich der erste Foen, den sie zu Gesicht bekamen. Die ganzen Kinder haben solange damit rumgepustet, bis der Foen ueberhitzt war und die Haare immer noch nass (unangenehm bei Temperaturen knapp ueber Null). Siehst du, Tom, so ein Foen kann durchaus zur Voelkerverstaendigung beitragen, von wegen unnuetz!!!

Leider war auch der Weg von Quilotoa nach Latacunga, wo wir jetzt sind, auch wieder Laguna Quilotoaabenteuerlich. Erstens weil es immer noch keinen Asphalt gab (dafuer wieder supertolle Landschaft)und zweitens weil aus Heikes Suzuki ploezlich Oel rauslaueft! Diagnose: kaputter Simmerring an Getriebe-Ausgangslager. Ach du Sch...., noch ein paar Kilometer mehr, und Heike haette mit dem Bus weiter fahren koennen. Morgen werden die beiden versuchen, die Ersatzteile zu kriegen, mal schauen. Das war also das neueste aus Ecuador, morgen fahren wir weiter Richtung Sueden (wenn wir weiter so langsam reisen, kommen wir nie in Feuerland an...). So viele Details muessen wir leider in unseren Berichten weglassen, denn sonst wuerden die mails noch viel laenger.

Bis bald, viele liebe Gruesse von Kirsten und Joerg

 
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