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Südamerika 2004 
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fast schon Brasilien!!!, geschrieben von Kirsten und Jörg am 22.01.2005

Buenos dias Alemanes,

erstmal muessen wir einen peinlichen Fehler aus der letzten mail korrigieren: Feuerland wird natuerlich nicht durch den Beagle Kanal vom Festland getrennt, sondern durch die Magellan-Strasse. Der Beagle Kanal trennt Feuerland von Cap Horn! Aber das habt ihr Schlaubis bestimmt schon laengst rausgefunden, wa?!

Aber das sind alte Kamellen, Feuerland liegt schon weit hinter uns. Der Weg von Ushuaia nach Norden fing mit ziemlich verregneten Pisten an, wir sahen aus wie die letzten Schlamm-Schweine! Aber wir wussten ja, dass wir nicht mehr viele unasphaltierte Pisten fahren muessen, deshalb war das nicht so schlimm. Wir wollten auch endlich wieder nach Norden, wir hatten genug von Regen, Kaelte und Wind. Also sind wir an der Ostkueste Argentiniens nach Norden gebrettert und tatsaechlich wurde es jeden Tag trockener und heisser, bis 35 Grad. Aber auch windiger...Einige haben uns nach der letzten mail geantwortet: oh, hier in Aachen war es auch total windig in letzter Zeit... Wir werden euch den patagonischen Wind jetzt mal beschreiben: Was in Deutschland zu einer ausgewachsenen Sturmwarnung fuehrt, regt hier wirklich niemanden auf. Der Wind weht hier ohne Pause mit durchschnittlich Staerke 8. Morgens ist er oft noch etwas schwaecher, aber im Laufe des Tages gehts dann richtig ab, Winds taeke 10 gibts hier jeden Nachmittag!! Das reicht aus, um ein vollgepacktes Mopped samt Fahrer einfach umzupusten. Das Fahren gestaltet sich einigermassen schwierig, da der Wind fast immer voll von der Seite kommt, d.h. man faehrt mit 20 Grad Schraeglage geradeaus und hat nach spaetestens 100km nur noch verkrampfte Muskeln, weil man sich mit aller Gewalt gegen den Sturm stemmen muss. Machmal gibt es noch staerkere Boeen, dann muss man schon akrobatische Kunststuecke auffuehren, um auf der Strasse zu bleiben. Nur wenn wir gaaaanz viel Glueck hatten, kam der Wind von hinten und hat uns angeschoben, aber das kam quasi nie vor. Fahren ist eine Sache, aber Anhalten ist noch besser. Neben der Strasse gibt es immer einen abschuessigen Schotterstreifen, da faehrt man also drauf. Hmmm, und jetzt? Absteigen geht nur, wenn man den Seitenstaender ausklappt, das geht wiederrum nur, wenn man dazu einen Fuss von Boden nimmt. Und das ist unmoeglich, dann wird man sofort umgepustet! Wir sind ja zum Glueck noch mit Uwe und Beate unterwegs, d.h. einer von Vieren hat es meist geschafft von seinem Mopped abzusteigen und hat dann den anderen geholfen! Wir konnten uns allerdings nicht einigen, wer von uns den Wind am meisten hasst, er zerrt und ruettelt an uns und zermuerbt uns alle! So ging es tagelang, ohne Pause sind wir tausende von Kilometern durch die unendliche und windige Pampa gefahren. Zitat Beate: ich bin wahrscheinlich schon tot und weiss es nur noch nicht. Ich bin in der Motorradfahrer-Hoelle und muss fuer immer geradeaus fahren! Aber es gab natuerlich nicht nur Sturm und oede Pampa, sondern auch einige schoene Abwechslungen. Z.B. einen versteinerten Wald, die riesigen Staemme lagen ueber ein weites (windiges...) Gebiet verstreut und waren sehr beeindruckend. Es waren die urtuemlichen Vorgaenger der Araukarien, sie sahen aus, als seien sie gerade frisch umgefallen, jedes Astloch und jede Maserung konnte man noch erkennen, obwohl sie schon seit unglaublichen 150 Mio. Jahren dort liegen. Ausserdem ist die Ostkueste Argentinien fuer ihre Tiere bekannt. In einem frisch gegruendeten Nationalpark namens Monte Leon konnten wir schon die ersten bruetenden Pinguine sehen, die aus ihren Erdhoelen gelugt haben oder am Strand rumgewatschelt sind. Ausserdem gabs auch eine Seeloewenkolonie, aber die konnten wir leider nur von weitem sehen. Weiter im Norden, bei Puerto Deseado haben wir dann eine Bootstour gemacht, um die Tiere alle von nahem zu sehen. Kaum hatten wir abgelegt, schon schwammen schwarz-weisse Commerson-Delphine um unser Boot und sind in der Bugwelle gesurft, voll neugierig! Es gab auch jede Menge Seevoegel-Brutplaetze und einen Felsen voller Seeloewen. Die dicken Klopse haben sich faul in der Sonne gewaelzt und in unser Boot geruelpst, so dicht waren wir dran! Das beste war allerdings ein Pinguinstrand, auf dem wir zwischen den lustigen Fracktraegern ein Picknick und natuerlich 1000 Fotos gemacht haben. Ganz nah sind sie um uns Valdezrumgewatschelt und es war nicht klar, wer hier wen beobachtet! Ein weiterer Spot, um Tiere, besonders Wale, zu beobachten ist die beruehmte Halbinsel Valdez. Nur leider waren die grossen Buckel- und Pottwale schon weg und die Orcas noch nicht da :-(. Dafuer gabs aber jede Menge argentinische Touristen, wie ueberall an dieser Kueste, aber dazu spaeter mehr. Hier auf Valdez haben wir uns eine See-Elefanten-Kolonie angeguckt. Das sind wirklich riesige Fettmonster, die ruelpsend und gurgelnd ueber den Strand walzen. Im Moment waren allerdings "nur" die Halbwuechsigen da, also nur die kleinen 2-Tonner, die richtigen Kolosse von bis zu 5 Tonnen kommen erst in ein paar Wochen her. Wir haben Valdez schnell den Ruecken zugekehrt, denn hier war es uns echt zu voll. In Argentinien ist gerade Hauptferienzeit und alle Straende und Orte platzen aus allen Naehten. Ein ruhiges Plaetzchen ist einfach nicht zu finden. Selbst wenn wir einen vermeintlich ruhigen Zeltplatz gefunden haben, kommt garantiert im Laufe des Abends eine argentinische Grossfamilie angerauscht. Der Lebensrhytmus der Argentinier ist sehr speziell: um 10 Uhr abends ueberlegt man sich, wieviel es heute zu essen gibt. Was es gibt ist klar, Unmengen von Fleisch! Also wird der Grill angeschmissen, wenn wir schon lange im Bett liegen und im Laufe der Nacht kommen dann noch saemtliche Freunde und Verwandte vorbei und lassen die Autos um die Wette dieseln, weshalb die umpf-umpf-umpf-Musik natuerlich noch lauter gedreht wird. Ein Zimmer in einem Hostal ist garnicht mehr zu finden, alles ausgebucht, laut, voll und teuer. Wir muessen einfach nur noch hier weg! Raus aus der Pampa und dem Wind in endlich wieder ruhigere Gefilde. Deshalb drehen wir ordentlich am Gasgriff und fahren so lange, wie unsere Hinterteile es aushalten. Unsere einzige Rettung sind die grossen Tankstellen, die ungefaehr alle 200 km im Nichts auftauchen. Hier gibts was zu essen und zu trinken und man kann mal fuer einige Minuten dem Wind und der inzwischen unglaublichen Hitze entkommen.

Eine "schoene" Abwechslung sind auch die Polizeikontrollen, die es genauso haeufig gibt. Einer wollte tatsaechlich unsere Versicherungspapiere sehen, die mussten wir erstmal aus den Tiefen des Gepaecks ausgraben. Der Polizist machte schon ein sehr siegessicheres Gesicht, denn scheinbar ist irgendwas nicht in Ordnung mit unseren Papieren. Er behauptet, unsere Versicherung sei abgelaufen. Das liesse sich aber schnell regeln, wir koennten ja bei ihm eine neue Versicherung abschliessen, oder, noch besser, ihm das Geld einfach so geben. Wenn nicht, muesste er leider unserer Motorraeder beschlagnahmen. Es faellt sehr schwer, in so einer Situation ruhig und freundlich zu bleiben...Auf der spanischen Uebersetzung unserer Unterlagen ist tatsaechlich ein falsches Datum angegeben: gueltig von Juli 2004 bis Maerz 2004. Ein echter Tippfehler, aber das ist der blauen Arschtompete von Polizist ziemlich egal und er stellt sich bloed. Erst der Chef sieht dann ein, dass auf den englischen Originalen das korrekte Datum steht und sie muessen uns wohl oder uebel fahren lassen, ohne uns einen Peso entlockt zu haben. Allerdings nicht, ohne Uwe kackdreist aufzufordern, ihnen seine Weinflasche zu schenken. Diese Typen sind wirklich unglaublich korrupt. An einer anderen Kontrolle haben sie behauptet, wir haetten im Ueberholverbot ueberholt. Auch ein netter Versuch, wir machen den Idioten schnell klar, dass sie bei uns nix abzocken koennen. Am naechsten Tag fahren wir die Strecke mit Uwe und Beate nochmal zurueck, um bestellte Reifen abzuholen. Und? Na klar, an der gleichen Stelle sagt der gleiche Typ den gleichen Spruch auf, einfach unglaublich. Wir landen sehr schnell beim Chef, der an seinem Schreibtisch immer kleiner wird, weil ihn 4 Motorradfahrer ziemlich zur Sau machen. Irgendwann verlaesst er das Buero, um seine Beamten nochmal nach dem Tathergang zu fragen und laesst unsere Papiere auf seinem Tisch liegen, schoen doof! Wir sacken alles ein und rauschen davon. Inzwischen laufen Kontrollen so ab: die Polizisten winken uns raus, wir winken zurueck und brettern einfach durch! Inzwischen sind wir von Feuerland also schon fast bis Brasilien gefahren, mehr als 5000 km in knapp 3 Wochen! Hier reicht ein kleiner argentinischer Zipfel wie ein Blinddarm nach Brasilien hinein, das Gebiet wird Misiones genannt. Es ist wieder heiss, schwuel und sumpfig, die Vegetation ist ueppig gruen, es wachsen Palmen, die Insekten haben wieder riesige Ausmasse, die Menschen fahren wieder mit Flip-Flops an den Fuessen auf Mofas um uns rum und wohnen wieder in einfachen Huetten. Dies ist unbestreitbar der aermste Teil Argentiniens, aber wir sind voellig aufgekratzt. Denn jetzt sind wir wieder im tropischen Suedamerika und haben das, was uns in den letzten Wochen unbewusst gefehlt hat: es riecht wieder nach Abenteuer!! Wir erreichen unser erstes Ziel in dieser Region nach einem langen Tag (570km, aechz...) erst im Dunkeln, aber wir koennen erahnen, wie es abseits der Hauptstrassen aussieht: rote staubige Dschungelpisten fuehren zu armen Doerfern, vorbei an Teeplantagen (Mate, das argentinische Nationalgetraenkt, pfui...) und ueppiger Vegetation. Uns steht aber erstmal der Sinn nach Ruhe und Erholung, und dafuer finden wir den allerbesten Platz: eine Missionsstation im winzigen Dorf Azara. Der deutsche motorradfahrende Pater Enrique nimmt uns mit offenen Armen auf und seitdem wohnen wir in seinem Gaestehaus und lassen uns von Graciella, seiner Haushaelterin, aufpaeppeln. Enrique ist ein Freund von Bekannten von Beate und ein ganz besonderer Mensch.

Aber dazu schreiben wir euch mehr in der naechsten mail, jetzt reicht es mal wieder fuer heute! Von hier aus werdwen wir uns die Iguazu-Wasserfaelle anschauen, sowas wie die Niagara-Faelle, nur in gross. Nach einem Abstecher nach Brasilien werden wir uns dann ueber Uruguay endgueltig auf den Rueckweg nach Buenos Aires machen muessen. Uebrigens koennen wir alle beruhigen, die nach unsere letzten mail schon gewittert haben, wir kaemen garnicht mehr zurueck. Eigentlich wollten wir zusammen mit den Motorraedern auf einem Frachtschiff zurueck nach Europa fahren, aber das ist leider geplatzt. Also werden wir brav unser Flugzeug besteigen und in gut einem Monat schon koennen wir euch alle dann noch mehr mir unseren Reisegeschichten quaelen :-)!! Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist, wir sind doch eben erst losgefahren!

Bis zum naechsten mal, viele liebe Gruesse

Kirsten und Joerg
 
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