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Südamerika 2004 
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Feuerland !!!, geschrieben von Kirsten und Jörg am 02.01.2005

Hallo alle zusammen,

erstmal vielen Dank fuer all eure lieben Weihnachtsgruesse, ueber die wir uns echt gefreut haben. Schoen, das so viele von euch an uns gedacht haben :-)! Weihnachten und Silvester sind nun tatsaechlich schon rum, kaum zu glauben. Wir hoffen, ihr habt es alle ruhig und erholsam verbracht und ordentlich aufs neue Jahr angestossen!

Wir sind am 22. Dezember auch wieder aufgebrochen, endlich weg aus El Calafate. Wir waren zusammen mit Uwe und Beate unterwegs, einem sehr netten Paar aus Muenchen, auch natuerlich auf zwei Motorraedern. Sie sind vor 8 Monaten in New York aufgebrochen und wir hatten sie vor Ewigkeiten in La Paz kennengelernt. Unser gemeinsames Ziel hiess jetzt Torres del Paine, der beruehmteste Nationalpark in Suedchile. Zuerst hat sich das Wetter noch ein bisschen geziert, wir haben zu viert einen ganzen Tag im Regen unter unserem Tarp (so`ne Art Zelt-Plane) gesessen und viel geredet, literweise Tee getrunken und gelacht. Aber am naechsten Tag hat uns ein unglaublicher Sonnenaufgang geweckt und ab da hatten wir total gutes Wetter. Dieser Nationalpark ist wirklich der schoenste unserer gesamten Reise. Schroffe Granittuerme ragen 2500m in den Himmel, dazwischen Lagunen in den unterschiedlichsten Farben, Gletscher leuchten hell auf allen Bergen und an jeder Ecke stehen Guanakos und Nandus rum oder fliegen Condore an uns vorbei. Unser Zeltplatz fuer die Weihnachtstage liegt an der traumhaften Lagune Pehoe, wo wir den ganzen Tag ueber tuerkisblaues Wasser auf das Granitmassiv schauen, total majestaetisch. Hier verbringen wir ganz ruhige Weihnachtstage, fernab von jedem Rummel, mitten in der Natur. Unser Weihnachtsmenu bestand aus: Kraeckern mit Dosenfleisch, Tomatensalat, Kaesetortellini, Guacamole mit Chips und Gemuese. Dazu gabs Wein aus dem Tetrapack, Bier aus der Dose, Pisco Sour und ein echtes Bronx-Tonnenfeuer, nicht schlecht, wa?! Das gute Wetter hielt noch ein paar Tage an, aber irgendwann mussten wir trozdem unsere Sachen packen. Nach einem kleinen erkaeltungsbedingten Zwischenstopp in Puerto Natales gings dann wieder weiter, immer nach Sueden.

Feuerland zieht uns magisch an, nur noch wenige hundert Kilometer! Die Landschaft hier am Beagle-Kanal, der Feuerland vom Rest Suedamerikas trennt, ist eher unspektakulaer, aber wir geniessen die Fahrt ueber endlich wieder asphaltierte Strassen. Eine kleine Faehre bringt uns von Punta Delgada weg, unserem letzten Punkt auf dem Festland. Die Ueberfahrt dauert nicht lange, wir werden von Delphinen und Pinguinen begleitet. Und dann ist es soweit, wir werden ausgespuckt und sind da, in Tierra del Fuego - Feuerland!!! Wir sind voellig aus dem Haeuschen und koennen es garnicht fassen. Unsere erste Station heisst Cerro Sombrero, hier bleiben wir nur fuer eine kurze Nacht. Am naechsten Morgen erfahren wir dann noch, das die hiesige Oelgesellschaft gute Schweisser hat , und die Jungs sind ganz aufgeregt, dass sie mal was anderes zu schweissen bekommen als Oel-pipelines, naemlich den BMW-Koffertraeger (zum inzwischen 7. mal...). Wir drehen schliesslich noch einige extra Runden auf dieser sehr grossen Insel, die Landschaft erinnert an Nordsee-Duenen. Alles ist flach und gruen. Schafe stehen unter einem unendlichen Himmel und trotzen dem Wind. Genau wie wir, uns kann nichts mehr aufhalten. Kein Wind, nicht der stroemende waagerecht fliegende Regen, ploetzlich wasserdurchlaessige Motorradklamotten, kaputte Koffertraeger, die voellig marode Kette der Honda, die ploetzlich schlechte Piste, all das wird uns nicht mehr stoppen. Wir brausen wie wild Richtung Sueden, zum Ende der Strasse, Fin del Mundo - das Ende der Welt, wie die Argentinier hier sagen. Wir erreichen Ushuaia, die suedlichste Stadt der Welt am 29.12. Voellig durchnaesst und doch stolz und gluecklich, dass wir und die Motorraeder es bis hierher geschafft haben. Von der Antarktis sind wir jetzt nur noch 2000km entfernt, weiter suedlich gibt es nur noch die Inseln, die Kap Horn bilden. Vor 6 Montate und 20180 km sind wir am Aequator gestartet und seitdem immer nach Sueden, immer Richtung Ushuaia gefahren. Und jetzt sind wir da! Auf dem Campingplatz sind schon 10 andere Motorradfahrer versammelt, die meisten kannten wir schon von unterwegs. Bis Silvester sind dann noch einige eingetrudelt, so waren wir schliesslich 15 Leute aus der ganzen Welt. Alle hatten viele Geschichten zu erzaehlen, wir haben ueber offenem Feuer ein ganzes Lamm gegrillt (unter argentinischer Profi-Anleitung...) und einen wirklich sehr schoenen Abend verbracht. Alle waren froh und stolz, es bis ans Ende der Welt geschafft zu haben!

Seitdem lassen wir es uns hier in Ushuaia gut gehen und bereiten uns darauf vor, wieder nach Norden zu fahren, jetzt immer Richtung Buenos Aires, denn das hier ist zwar das Ende der Strasse, aber noch lange nicht das Ende unserer Reise! Von Buenos Aires geht am 22. Februar unser Rueckflug, so ist zumindest der Plan. Ein Freund sagte mal "plans do not exist very long on the road!"...

Wir wuenschen euch allen ein frohes neues Jahr und viel Glueck und vor allem Gesundheit fuer 2005!

Nos vemos, ganz viele Gruesse vom Ende der Welt

Kirsten und Joerg
 
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