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Südamerika 2004 
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Argentina, geschrieben von Kirsten und Jörg am 16.11.2004

Guten Tag,

wieder mal ein Lebenszeichen aus Suedamerika!

In der letzten mail haben wir ja behauptet, es sei garnicht so viel passiert, dabei haben wir ja das Meiste vergessen: die El-Tatio Geysire, fuer die wir um 4 Uhr nachts aufgestanden sind; den Sonnenuntergang im Valle de la luna (Tal des Mondes), das wir die Halbzeit unserer Reise gefeiert haben und und und. Aber so haben wir wenigstens noch was zu erzaehlen, wenn wir wieder nach hause kommen :-) !! Jetzt aber erstmal zu den aufregenden und spannenden Geschichten, die uns seit dem widerfahren sind :-).

Zuletzt haben wir aus Chilecito geschrieben, wo es abartig heiss war. 36 Grad am 1. November, das werden wir wohl auch nie wieder erleben! Das Wetter hielt auch noch einige Zeit, von dort sind wir in den Talampaya-Nationalpark gefahren. Das ist ein Gebiet mit schoenen wildwestmaessigen Steinformationen, riesige Taeler und Plateaus aus rotem Sandstein, sehr schoen. Man darf nur mit Fuehrer rein, also haben wir eine Jeep-Tour mitgemacht. Wir sind in so einer Art Papamobil durch den Park gefahren und waren froh, uns nicht mit den Motorraedern durch den Sand wuehlen zu muessen. Guanakos gabs dort auch, das ist wieder eine andere wilde Lama-Urform. Diese Viecher gelten allgemein als unglaublich dumm, es gibt sogar den Spruch "sei kein Guanako", wenn sich jemand selten daemlich anstellt. Und tatsaechlich hatten wir eine Begegnung mit einem dieser Tierchen. Und es wurde seinem Ruf gerecht. Bei der Suche nach einem Fluchtweg (wir waren in einem engen Canyon) sah es nur noch einen Ausweg: es ist Kirsten im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht gesprungen !! Wer mehr geschockt war, Kirsten oder das Tier, laesst sich heute nicht mehr feststellen, aber andere Parkranger haben das Vieh einige Kilometer spaeter wieder getroffen, es ist immer noch gerannt wie bekloppt! Sachen erlebt man hier, kaum zu glauben...! Eigentlich wollten wir auf dem schoenen Campingplatz in diesem Park eine ruhige Nacht im Zelt verbringen, aber die Gruppe von 80 Jugendlichen, die auch dort uebernachtet hat, war nicht geplant. Allerdings hatten wir noch Glueck, fuer den naechsten Tag waren 120 von diesen Puten angekuendigt! Deshalb sind wir dann auch am naechsten Morgen endlich mal frueh aufgebrochen, normalerweise fahren wir selten vor 10 Uhr los.

Von hier aus ging es dann immer nach Sueden, auf dem Anfang der beruehmten Ruta 40. Das ist sowas wie die Route 66 oder so, jedenfalls eine DER beruehmten Strassen Suedamerikas. Hier im Norden ist sie allerdings noch asphaltiert, also kein Problem. Die Landschaft aendert sich nur langsam, aus Wueste wird Halbwueste und zwischendrin liegen immer wieder gruene Oasen. Hier wachsen Trauben, Olivenbaueme und auf den gruenen Wiesen stehen die Steaklieferanten.

Unsere naechste grosse Station war Mendoza, eine sehr schoene und gruene Stadt in der Mitte von Argentinien. Da wir beide keine Lust hatten, von hier aus weiter nach Chile zu fahren haben wir uns also hier nach Motorradlaeden und -Werkstaetten umgeguckt. Und siehe da, alles da was das Herz begehrt. Sogar eine nagelneue Africa Twin stand im Honda-Laden, da hat Joerg schon nach den Kreditkarten gekramt! An der BMW standen wie immer einige Arbeiten an, ein paar Verschleissteile mussten ausgetauscht werden und die Ventile und Vergaser sollten eingestellt werden, das ist ja immer etwas kniffelig. Aber wir hatten unglaubliches Glueck, denn wir haben Carlos gefunden. Er hat in seiner Werkstatt das wohl kompletteste Ersatzteil-Lager in ganz Argentinien, wenn nicht in ganz SA. Und dem Kennerauge entging auch nicht die kleinste Schwachstelle an der betagten Berta, neben neuen Gaszuegen, frische eingestellten Ventilen und grungereinigten Vergasern habe ich jetzt auch eine neue Getriebeausgangslager-Dichtung, das Biest war doch glatt undicht! Damit hat der gute Mann uns vielleicht erspart, irgendwo mitten im Nichts mit kaputtem Getriebe wochenlang auf Ersatzteile aus Europa zu warten. Aber genug Technik-Geschwafel, nach einer knappen Woche waren wir deutlich aermer aber endlich wieder unterwegs. Nach einigen Tagen in einer Stadt zieht es uns immer weiter, und so singen wir jeder heimlich unterm Helm das olle Truck-Stopp-Lied "on the road again". Im Gepaeck hatten wir auch jede Menge Streckentipps des BMW-Club Mendoza, also los gehts :-))), leider im Regen. Bisher hatten wir fast nur gutes Wetter, aber das wird sich wohl auf dem Weg nach Sueden aendern, denn jetzt wird die Klimazone bald wechseln. Doch zuerst fahren wir nach Westen, denn wir wollen endlich wieder Berge sehen. In den letzten Wochen war die Landschaft ziemlich flach und wir sind in einiger Entfernung von den Anden gefahren. Jetzt wollen wir uns aber den hoechsten Berg des amerikanischen Kontinents, den Aconcagua anschauen. Nach neueseten Messungen ist er wohl genau 7000m hoch, offiziell sind es 6957m, reicht ja auch. Auf dem Weg wurde das Wetter wieder besser und bald scheint die Sonne wieder, sodass wir den riesigen Berg ohne ein Woelckchen sehen! Wir fahren noch bis zur chilenischen Grenze und keuchen ganz schoen, denn die Hoehe sind wir nicht mehr gewoehnt. Doch wir wollen Argentinien noch nicht verlassen, hier gefaellt es uns einfach zu gut. Also wieder zurueck ins Flachland und weiter nach Sueden, erst auf gut aspahltierten Strassen. Die Landschaft ist weit und ruhig, Pampa bis zum Horizont und viiiel Himmel. Spaeter tuckern wir gemuetlich ueber kleine Schotterpisten, z.B. durch ein winziges Tal bei San Juan. Leider hat uns das Wetterglueck jetzt endgueltig verlassen und wir fahren viel im Regen. Nachdem wir uns wochenlang durch Sand, Staub, Steine und Hitze gekaempft haben, machen wir jetzt die Erfahrung, wie es ist im Schlamm zu fahren :-)...Aber wir bleiben senkrecht, nicht der kleinste Umfaller ist zu vermelden. Eigentlich wollten wir ja wieder mal zelten, aber wir sind plitschnass und finden in einem winzigen Kaff eine Huette samt Kamin, Tante-Emma-Laden nebenan und nette Hunde gibts auch ueberall. Mit Rotwein am Kaminfeuer sieht die Welt gleich wieder viel freundlicher aus, und am naechsten Morgen scheint schon wieder die Sonne. Weiter gehts nach Sueden, die Ruta 40 zeigt hier schon manchmal ihr beruehmt-beruechtigtes Gesicht, laesst sich aber noch gut fahren. In Barrancas, einem winzigen Kaff uebernachten wir in einer billigen Unterkunft, aber am naechstem Morgen ist niemand da zum Bezahlen. Also legen wir das Geld auf den Tisch und hauen ab, fuer uns kein Problem. Bald schon treffen wir auf eine der zahlreichen Polizeikontrollen, die es hier ueberall gibt. Das Uebliche, Papiere bitte. Dann komische Fragen: Kommen sie aus Barrancas? Haben sie dort uebernachtet? Haben sie das Zimmer bezahlt? Oh je, es daemmert uns: die Vermieterin hat das Gled nicht gefunden, und die benachrichtigte Polizei hat sofort eine Fahndung nach uns ausgeloest. Unglaublich!!! Nach eingigem Hin und Her und wilden Telefonaten klaert sich dann aber alles, die Alte hat wohl inzwischen die Knete gefunden. Hoffen wir nur, das alle anderen Polizeistationen auch erfahren, das wir nicht mehr wie Schwerverbrecher gesucht werden! Sachen gibts... In Barrancas ueberqueren wir auch die Grenze zur Provinz Neuquen und erreichen somit die Grenze zu einer Landschaft, die Patagonien genannt wird, woertlich uebersetzt "Land der Grossfuessigen". Patagonien - das hatte fuer uns schon immer einen mystischen Klang. Hier wollten wir schon immer hin, seit wir von dieser Reise getrauemt haben. Und tatsaechlich ist es wunderschoen, das Licht ist klar und die Landschaft wild und rauh, der Mensch ist hier nur staunender Gast. Stellt euch Patagonien vor...falsch, es ist groesser! Unglaubliche Weite ist das erste, das man empfindet. Wir werden an Skandinavien erinnert, aber alles hat riesige Ausmasse. Es ist traumhaft: schneebedeckte Berge, wilde Flusstaeler, gruene Wiesen voller Pferde, Schafe und Kuehe, Seen, Gauchos und dieser unendliche Himmel! Wir haben das Paradies gefunden...Und jetzt im Fruehling ist noch alles voller Blumen. Bald sehen wir die ersten Araukarien, die urtuemlichen Baeume des kalten Suedens. Und kalt ist es hier tatsaechlich, der eisige Hauch der Antarktis weht schon zu uns rueber. Unser Tagesziel heisst Copahue, ein kleines Nest mit Thermalquellen. Allerdings haben wir uns noch nicht dran gewoehnt, das hier die Berge zwar niedriger aber das Klima ganz anders ist, wer kann denn ahnen, dass auf 2000m noch Winter herrscht. Und so fahren wir durch einen Geisterort, ueberall aus dem Boden zischen Geysire und Rauchfontaenen, es stinkt nach Schwefel, die Haeuser sind noch meterhoch zugeschneit. Hotel? Fehlanzeige, die Saison hat noch nicht begonnen. Da bleibt uns nix anderes als wieder runter zu fahren, es faengt sogar noch an zu schneien. Von dem aktiven Vulkan Copahue, der fuer die ganzen Thermalquellen verantwortlich ist, sehen wir leider nicht das kleinste Steinchen. Doch wir finden ein warmes Plaetzchen fuer die Nacht und wuerden gerne noch einige Tage hier bleiben.

Aber, wie so oft, zwingen uns anstehende Arbeiten dazu, weiter zu fahren. Nein nein, diesmal traegt die BMW keine Schuld, es sind Joergs Alukoffer, die sich langsam aufloesen, die Rueckwaende reissen komplett raus, die vielen Pisten-Kilometer fordern langsam ihren Tribut. Mist, das wir das nicht schon in Mendoza gemerkt haben, jetzt heisst es wieder, Werkstatt und Teile suchen :-(. Hoffentlich sind die Koffer noch zu retten, jetzt wo wir endlich aus jedem Land Aufkleber draufgeklebt haben! Und wenn wir eh wieder festhaengen kriegen die braven Moppeds auch gleich noch neue Reifen, sonst geht das Suchen in 1000 Kilometern wieder los. So sitzen wir jetzt in der Stadt Neuquen und hoffen, alles schnell reparieren zu koennen, damit wir weiter durch unser Paradies Patagonien fahren koennen! Wir koennen jedem nur waermstens empfehlen, mal nach Argentinien zu kommen. Wir sind vom Land und den supernetten Leuten voellig begeistert, Argenitinien wird wohl unser neues Lieblingsland!!!

Hier wuenscht man sich uebrigens zum Abschied "suerte" - Glueck!

Hasta la proxima, suerte Kirsten und Joerg
 
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