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Südamerika 2004 
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Steak-Land, geschrieben von Kirsten und Jörg am 01.11.2004

Liebe Gemeinde,

ihr habt euch bestimmt schon gefreut, mal eine Woche von unserem Geschreibsel verschont zu bleiben, aber die Schonzeit ist vorbei, zu frueh gefreut!

Allerdings ist diesmal garnicht viel aufregendes passiert. Nach unserem Uyuni-Abenteuer haben wir uns in San Pedro de Atacama in Chile erstmal ein paar faule Tage gegoennt. In diesem Oertchen fiel das aber auch sehr leicht, denn das Wetter war super, die Restaurants auch und die Leute waren alle sehr hippiemaessig entspannt. Wichtigste Tagesaufgabe: cool aussehen! Nach ein paar Tagen Nixtun hat sich aber doch unser schlechtes Gewissen geregt, denn die armen zerstoerten Moppeds waren noch von einer zentimeterdicken Salzkruste ueberzogen. Den ganzen Tag haben wir daran rumgeschrubbt, und einige Reisespuren haben wir auch beseitigt. Irgendwann mussten wir aber dann doch weiter. Heike und Christian sind sofort nach Argentinien gerauscht, wir wollten aber erst noch an die Kueste und die Atacama-Wueste durchqueren. Also haben sich unsere Wege erst mal wieder getrennt. Auf dem Weg nach Antofagasta haben wir noch einen Englaender getroffen, der mit nem 50er Roller von Alaska nach Feuerland unterwegs ist. Sofort wurde das Werkzeug ausgepackt, denn der kleine Plastikbomber verlor auf mysterioese Weise Benzin, das kann mitten in der Wueste schon mal nervoes machen. Aber das Problem war schnell behoben und hinterher waren noch nicht mal Schrauben uebrig.


Antofagasta war dann trotzdem schnell erreicht. Komisches Gefuehl, auf einmal wieder am Meer zu sein, nach etlichen Wochen im Hochgebirge, immer auf 4000m. Wir wussten garnicht wohin mit dem ganzen Sauerstoff! Direkt hinter der Kueste beginnt die Atacama-Wueste, die angeblich trockenste Wueste der Welt. Hier regnet es durchschnittlich alle 10 Jahre, also aehnlich wie in Aachen :-)). Soweit das Auge reicht sieht man nur Sand und Steine, nicht ein Grashalm oder sonstiges Leben. Wenn wir durch die Wueste fahren schwanken wir immer zwischen Faszination und Langeweile, denn die Landschaft aendert sich stunden- oder tagelang kaum. Auf jeden Fall hat man viel Zeit nachzudenken. Joerg hat mal versucht, ein paar Liedchen beim Fahren zu singen, aber er fand es wohl selbst zu unertraeglich...

In Antofagasta haben wir dann die letzten Schaeden an der armen Berta beseitigen lassen. Statt aus Alustange und Holzlatte besteht der Gepaecktraeger jetzt wieder aus Metall und die zertruemmerte Lampenmaske wurde aus Glasfaser wieder perfekt restauriert. Noch ein bisschen Farbe drauf und alles sah aus wie neu. Es grenzt allerdings an ein Wunder, das die Werkstatt-Leute wussten, was wir von ihnen wollen, bzw. umgekehrt. Das chilenische Spanisch ist naemlich das groesste Genuschel, das man sich vorstellen kann. S wir grundsaetzlich komplett weggelassen, genauso wie die hintere Haelfte der Woerter. Die Bruchstuecke werden dann in abartiger Geschwindigkeit aneinander gereiht, wir hatten manchmal null Ahnung, worum es ging. Doch irgendwann war alles fertig und wir sind weiter nach Sueden gefahren, in den Nationalpark Pan de Azucar. Hier gabs nochmal 2 faule Tage am Strand, auf einem schoenen Campingplatz ,allerdings ohne Klo und Dusche, war gerade kaputt. Da gibts dann den schoenen Ausdruck "Baño natural", sprich Naturklo. Warum sollte Chile anders sein als der Rest des Kontinents... Im Park wachsen x verschiedene Kakteenarten, die die Feuchtigkeit aus der Luft fangen. Nebel gabs naemlich genug, hier fliesst wieder der kalte Humboldtstrom an der Kueste entlang und macht den typischen Kuestennebel. Die Landschaft war ganz eigenartig: Wueste, voll mit Kakteen und alles liegt unter kaltem Nebel. Eine Insel gabs auch vor der Kueste, da haben wir dann auch gleich nen Bootsausflug gestartet. Leider waren wir hier in der Nebennebennebensaison die einzigen Touris, so mussten wir gleich das ganze Boot chartern und tief in die Tasche greifen. Hat sich aber mehr als gelohnt, denn auf der Insel gabs jede
Menge Pinguine, Pelikane und vor allem Seeloewen! Da war Kirsten natuerlich wieder voellig begeistert, aber auch ein bisschen gruen im Gesicht. Aber das Meer war wohl sehr ruhig an diesem Tag... Wale sollte es angeblich auch geben, aber der einzige sass in Form unseres Fuehres in unserem Boot :-). Abends hat uns der Wal dann noch ein paar Krebse geschenkt, und Joerg hat todesmutig irgendwelche schwabbeligen Seeschnecken von Fischern gekauft. Keine Ahnung, ob er wirklich vor hatte, sie zu kochen. Als es soweit war, hat ihn der Mut verlassen (angeblich war er schon satt...)und die Schnecken schwimmen jetzt wieder im Pazifik. Wahrscheinlich hat noch nie vorher jemand Schnecken gekauft und sie hinterher wieder frei gelassen. Ausser vielleicht eine buddhistische Reisegruppe, wer weiss.


Schnell war uns klar, das unsere Reisekasse einen langen Aufenthalt in Chile nicht verkraftet, also stand das Projekt "Paso san Francisco" an, einer der hoechsten Andenpaesse nach Argentinien. Der Pass ist 4750 m hoch, das war nach einer Woche auf Meereshoehe wieder ganz schoen heftig. Wir haben noch eine eiskalte Zwischenuebernachtung auf 3300 m eingelegt, um uns wieder ein bisschen zu aklimatisieren. Die Landschaft hier war auch wieder sehr wuestig, aber auf jeden Fall ein grosses Highlight unserer Reise. Die Piste war auch sehr gut befahrbar, bis auf wenige sandige Stuecke hatten wir keine Probleme. Um uns rum stehen die hoechsten Berge der Anden, die Gipfel sind fast 7000 m hoch, irre! Schneebedeckte Vulkane, weite Hochebenen und eine gruene Lagune, wie wir sie schoener noch nicht gesehen haben. Oben auf der Passhoehe faengt auf der argentinischne Seite eine perfekte Asphaltstrasse an, die uns schnell zur Grenzstation bringt. Da wir Fahrzeuge Nr. 31 und 32 dieses Jahr sind, muss der Zoellner erstmal gruendlich ueberlegen. Wie ging das nochmal, wo sind die Formulare bloss hin? Aber es wird viel gelacht und unsere Kekse schmecken ihm auch.


Noch sind es 200km bis zu unserem ersten Ziel, dem Oertchen Fiambala. Die Strasse fuehrt stetig bergab, wir fahren ueber 3000m runter. Im Tal sehen wir endlich mal wieder Baeume und Gaerten voller Blumen. Joerg fuehlt sich sofort an Griechenland erinnert, denn hier wachsen bei 30 Grad Olivenbaeume und Wein, ausserdem fahren lauter Knirpse mit frisierten Mofas rum. Koennte schlechter sein! Nachdem das erste riesige Steak verputzt ist und die Rechnung auf dem Tisch liegt, erklaert Joerg Argentinien spontan zum Paradies. Bolivianisches Preisniveau!!! Argentinien ist uns auf Anhieb sehr sympatisch, die Leute sind alle supernett. Staendig werden wir angesprochen, woher, wohin, warum, wie lange usw. Alle sind total Reise- und Motorradverrueckt und voellig begeistert, dass wir ihr ganzes Land bereisen wollen! Inzwischen sind wir in Chilecito und legen heute einen Ruhetag ein. Danach gehts weiter nach Sueden, immer auf der Steak- und Rotweinseite der Anden entlang :-). Keine Ahnung, wie wir jemals wieder ins normale Leben zurueckfinden sollen... So, ihr lieben, das war mal wieder das Neueste aus Suedamerika, wieder ganz schoen viel Geschreibsel obwohl eigentlich nichts weltbewegendes passiert ist. Hoffentlich seid ihr jetzt nicht enttaeuscht, dass wir diesmal nicht knapp dem Tod entronnen sind! Auf jeden Fall freuen wir uns schon auf eure emails, schreibt schoen fleissig! Wir versuchen, ein Foto vom Salar de Uyuni hinten dran zu haengen, mal gucken obs klappt.

Viele Gruesse und bis bald

Kirsten und Joerg
 
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