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Südamerika 2004 
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Meer aus Salz und Hoelle aus Sand..., geschrieben von Kirsten und Jörg am 21.10.2004

Halli hallo zuhause,

wir haben unsere Extrem-Tour tatsaechlich ueberlebt, kaum zu glauben! Aber der Reihe nach: zuletzt haben wir aus Potosi geschrieben, wo es die vielen Minen gibt. Von dort sind wir in einem Tag bis nach Uyuni gelangt, am Rande des grossen gleichnamigen Salzsees. Die 200 km Piste haben uns schon geschafft, aber da wussten wir noch nicht, dass das nur zum Ueben war...Sand, Wellblechpiste, Steine, Flussdurchfahrten, alles dabei. Uyuni ist ein staubiges Kaff, das ausschliesslich von den Salar de Uyuni-Touren lebt. Hier gab es die letzte Dusche, Wasser-, Benzin- und Essensvorraete wurden bis oben hin aufgefuellt und wir haben versucht, uns geistig auf das Kommende einzustellen. Und dann gings los, von Uyuni aus sind es nur 25 km, bis man ploetzlich vor dieser riesigen weissen Flaeche steht. Wie ein riesiger See, nur aus Salz statt aus Wasser, je 150 km lang und breit. Zuerst war es ein ganz komisches Gefuehl, wir sind ganz vorsichtig gefahren. Die Oberflaeche ist nicht ganz glatt, sondern besteht aus Rauten und Vielecken, die Raender aus Salz sind aber nur ein paar Zentimeter hoch. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir kapiert hatten, dass das Weisse unter uns kein Schnee ist und das wir um uns herum unglaublich viel Platz haben. Wir muessen garnicht in einer Spur fahren und auf einmal trauen wir uns, nach rechts und links auszuscheren. Ein irres Gefuehl, wir fahren immer schneller, surfen kreuz und quer ueber das Meer aus Salz, fuehren ein regelrechtes Ballett auf und haben Spass wie kleine Kinder. Es gibt hier ein besonderes Spiel: wie lange traut man sich mit geschlossenen Augen Vollgas zu fahren? Der Rekord liegt wohl bei einer Minute, aber wir schaffen es "nur" 20 Sekunden, es ist einfach zu ungewohnt. Am Horizont reihen sich die Vulkane auf und dienen als Orientierungspunkt. Wir fahren immer darauf zu, aber irgendwie kommen sie nicht naeher. Die Groesse dieser Ebene kann man erst nach einiger Zeit erahnen... Dank Christians GPS finden wir auch schnell unser Ziel fuer diese Nacht, die Insel "Incahuasi", ein Felsen voll riesiger Kakteen mitten in der blendend hellen Salzflaeche. Vor der Insel stehen zwei riesige LKWs mit Expeditionsausruestung, in einem sitzt sogar Klaus Daerr persoenlich. Die meisten von euch, die sich mit Reisen beschaeftigen, werden "Daerr Ausruestung" kennen. Natuerlich gibts ein grosses Hallo, jede Menge Reisestorries werden erzaehlt, Fotos gemacht und Streckentips ausgetauscht. Unsere Zelte bauen wir in einer windgeschuetzten Bucht auf und koennen garnicht fassen, dass wir tatsaechlich hier sind. Gegen die Kaelte zuenden die Jungs abends ein Feuer aus Kaktusholz an, da schmeckt der Rotwein doppelt gut. Wir sind alle so fasziniert vom Salar, das wir noch einen weiteren Tag auf der Insel verbringen. Zumal auf der anderen Inselseite unvermutet ein Restaurant mit leckerem Lama-Steak auftaucht :-)), wer haette das gedacht. Hier konnten wir auch nochmal unsere Wasser-vorraete auffuellen, die Daerr-Leute haben uns auch noch ein paar Liter Benzin geschenkt (das hat uns spaeter gerettet...). Doch irgendwann muessen wir uns von diesem unglaublichen Ort trennen, diese zwei Naechte hier waren die "besondersten" unserer bisherigen Reise und werden uns immer in Erinnerung bleiben.

Auf dem Salz zu fahren ist eine Sache, aber den Weg raus zu finden war etwas anderes. Wieder hat das GPS zusammen mit Karte und Kompass gute Dienste geleistet. Kaum war das Salz in Richtung Sueden verlassen begann das Drama: die Piste war unglaublich grottenschlecht. Wir fahren die meiste Zeit im ersten Gang und schaffen natuerlich nicht unser Tagesziel. Kurz vor der Dunkelheit erreichen wir einen Militaestuetzpunkt. Wir fragen, ob wir dort zelten duerfen, aber der Chef hat Mitleid mit uns, denn es ist eiskalt und sehr windig. Also bietet er uns eines seiner kugelrunden Haeuschen in Tarnfarbe an, wie Pilze oder Schlumpfhaeuser sehen die Schlafsaele aus! Ein staubiger Holzboden und kaputte Fenster kommen uns nach dem harten Tag allerdings wie Luxus vor und schuetzten uns vor dem starken Wind. Die armen Schweine, die hier stationiert sind haben weder Strom noch fliessendes Wasser, keine Toiletten oder Duschen, und gekocht wird auf Holzkohle im Erdofen...! Der naechste Tag wird die Hoelle: tiefster Sand, schlimmste Wellblechpiste und fussballgrosse Steine wechseln sich ab, wir schaffen an diesem Tag stolze 63 km! Heike und ich sind schnell am Ende unserer Kraefte und Joerg und Christian muessen viele Stuecke doppelt fahren, um unsere Motorraeder auch durchzubringen. Dies war mein Sturzrekord-Tag: 5x in 50 km, nicht schlecht, was? Keiner blieb verschont, hier ist nicht die Frage ob man hinfliegt, sondern wie oft...Fuer die Landschaft, Vulkane und Sandwueste, hatten wir kaum einen Blick. Abends erreichen wir eine schoene Lagune mit Flamingos, und noch bevor es dunklel wird liegen wir mit geschundenen Knochen in den Schlafsaecken. Schon jetzt ist klar, das unsere Vorraete knapp werden, und noch haben wir 250 km vor uns...Am naechsten Tag erreichen wir immerhin nach 100 km die Laguna Colorado, eine rote Lagune. Den ganzen Tag wurden wir schon von Jeep-Touren ueberholt, dementsprechend voll ist es hier. Diese Jeeps sind verantwortl ich fuer den unglaublich schlechten Zustand der Piste. Die Spurrillen im Sand sind so tief, dass die Koffer fast aufsetzen und die Zylinder der BMW schon am Sand kratzen. Manche Sandfelder sind von 20 oder mehr Spuren durchzogen, eine beschissener als die andere. Ausserdem entsteht durch das schnelle Fahren dieser Jeeps ueberall das beruechtigte Wellblech, teilweise 25 cm tiefe Wellen in kurzem Abstand. Alle Knochen und Schrauben werden durcheinander geschuettelt, und das ein oder andere Teil faellt einfach vom Mopped ab. Zum Beispiel ein Stueck BMW-Gepaecktraeger...Aber hier an der Laguna Colorada finden wir einen einfache Unterkunft und sind uns alle einig: fuer diesen doofen See hat sich die Schinderei nicht gelohnt! Aber immerhin bricht ein Bett unter Christian zusammen, und so ersetzt nun eine Holzlatte das fehlende Stueck Gepaecktraeger, sehr zur Unfreude der Vermieterin :-)! Die folgenden km wurden in allen Reiseberichten als schlimmstes Stueck beschrieben, wir koennen uns kaum vorstellen, wieviel schlimmer es noch werden soll. Und dann, oh Wunder, erreichen wir nach kurzem Gehoppel eine frisch gemachte Piste, und koennen tatsaechlich mal im 2. oder sogar 3. Gang fahren. Zwar gibt es immer noch viel tiefen Sand, aber Uebung macht den Meister und wir bleiben an diesem Tag ohne Sturz, hurra!!! Am fruehen Nachmittag erreichen wir dann die Laguna Verde, hier ist die Landschaft wirklich unglaublich schoen. Sogar ein windgeschuetzes Plaetzchen fuer unsere Zelte findet sich und wir entdecken auch noch eine Thermalquelle. Das hat was, auf 4400m im (lau-)warmen Wasser liegen, um uns rum Flamingos und schneebedeckte Vulkane, dazu kuehles Dosen-Bier! Nur raus kommt man aus dem Wasser nicht mehr, denn hier ist es schweinekalt. Nachts sinkt das Thermometer auf -13 Grad und wir bibbern um die Wette. Diese Lagune soll angeblich mittags ihre Farbe wechseln und gruen werden, also warten wir am naechsten Tag auf den Farbwechsel. Am Thermalbecken waermen wir uns nochmal die Fuesse, als uns ein Jeepfahrer erzaehlt, dass wir an der falschen Lagune sind. Dies hier ist die weisse Lagune, die gruene haben wir verpasst...Aber wir finden sie nur wenig entfernt und sie ist wirklich unglaublich gruen. Hier sind wir wieder versoehnt mit Bolivien, denn das muss man gesehen haben! Fast sind wir traurig, diese einmalige Landschaft verlassen zu muessen. Von hier bis zur Grenzstation ist es nicht mehr weit. Die bolivianische Station liegt auf 5032 m Hoehe, das duerfte wohl der hoechste Punkt unserer Reise sein! Auf chilenischer Seite ueberrascht uns unerwarteter Asphalt, eine Wohltat nach 750 km uebelster Piste. Ausserdem geht es maechtig bergab, und mit jedem Meter wird es endlich waermer. Und tatsaechlich reicht unser Benzin gerade so aus, ohne die zusaetlichen Liter der Daerr-Leute waeren wir ohne Sprit im Nichts liegen geblieben. Das Sandfahren und die grosse Hoehe hat den Verbrauch deutlich erhoeht! Jetzt sind wir seit 2 Tagen in San Pedro de Atacama in Chile, einem entspanneten Oertchen voller Hippies. Nach 6 harten Tagen endlich wieder Dusche, Zivilisation, Waerme, Steaks, Internet...Wir werden in den naechsten Tagen versuchen, alles zu reparieren, die Salzkruste von den Moppeds zu waschen und aehnliche "Reisespuren" zu beseitigen, bevor es weiter nach Sueden geht. Jetzt erwartet uns die Atacama-Wueste und einige hohe Paesse nach Argentinien und wieder zurueck.

Sehr passend, im Hintergrund laeuft gerade "I'm still alive" von Pearl Jam...:-)

Bis bald, viele liebe Gruesse

Kirsten und Joerg
 
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