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Südamerika 2004 
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Bolivia!, geschrieben von Kirsten und Jörg am 30.09.2004

Hallo alle zusammen,

wir sitzen in La Paz in stroemendem Regen auf 3700m und haben gerade im Cafe Berlin ein Riesenstueck Sahnetorte verdrueckt. Da gibts sogar Currywurst und deutsches Bier, hhmmmm.....Das Abendessen ist gesichert! Aber erstmal muesst ihr ja haarklein erfahren, was uns in der Zwischenzeit so alles passiert ist :-), also setzt euch schon mal bequem hin!

Zuletzt haben wir aus Arequipa geschrieben, dort haben wir einige Tage verbracht. Sehr schoene Stadt, und vor allem scheint immer die Sonne! Wir haben uns dort mit Bob getroffen, einem Englaender, den wir in Quito kennengelernt haben. In seiner Wohnung war genug Platz, also sind wir erst mal bei ihm eingezogen. Das hatte zur Folge, dass er und seine partywuetige peruanische Freundin uns ausgiebig die Kneipenszene Arequipas gezeigt haben...Tagsueber haben wir die Motorraeder gewartet und einiges reparieren lassen, denn die bisherigen Pisten haben dem Kofferhalter der BMW uebel zugesetzt, da half nur noch Feintuning mit Hammer, Schraubstock und Schweissgeraet. Eben eine typisch suedamerikanische Reparatur :-). Eigentlich ist sowas hier immer sehr einfach, man fragt einfach irgendjemand, und der kennt einen, der einen kennt, der eine Werkstatt hat. Oder man fragt einen Taxifahrer, wo die Werkstattstrasse ist und folgt ihm dann einfach. Meist gibt es ganze Viertel, in denen haufenweise kleine Werkstaetten sind, sehr interessant. Hier wird grundsaetzlich nix weggeschmissen, sondern alles x-mal repariert, bis aus den Bruchstuecken irgendwas neues zusammengebastelt wird. In Europa waere sowas undenkbar, aber hier macht es das Leben deutlich leichter! Nachdem unsere tapferen Moppeds also wieder fit waren sind wir nach einer ausgiebigen Abschiedsfeier zum Titicaca-See aufgebrochen, der groesste See Suedamerikas und der hoechste sowieso (3800m). Es sieht dort aus wie am Mittelmeer, nur viel kaelter. Der See ist unglaublich riesig, der Bodensee ist nur `ne Pfuetze dagegen, man kann stundenlang am Ufer entlang fahren. Irgendwie war die Gegend aber nicht sehr einladend, das einzige mal bisher, das wir uns nicht so richtig wohl gefuehlt haben. Die Strasse zeigte noch deutliche Spuren der letzten Blockaden...also sind wir sofort weitergeritten Richtung peruanisch-bolivianische Grenze.

Nach einem viel zu langem Tag kamen wir dort kurz vor Dunkel an, die Grenzformalitaeten waren kein Problem. Wir sollten auf der bolivianischen Seite nur eine gaaaanz kleine "freiwillige Strassenbenutzungsgebuehr" bezahlen. Wir haben lachend und augenzwinkernd bezahlt, schliesslich kann man nicht durch SA fahren ohne Grenzer zu beschleunigen :-). Jetzt nehmen wir Abschied von Peru, das uns supergut gefallen hat, und das viel besser ist als sein Ruf. Der restliche Weg lag dann leider im Dunkeln, was wir normalerweise vermeiden. Hunde, Schweine, Esel und Schlagloecher sind immer ziemlich schlecht beleuchtet, aber es war zum Glueck nicht weit bis in das schoene und entspannte Oertchen Copacabana, direkt am Seeufer. Hier gibt es einen Aussichtsberg, den wir am naechsten Tag natuerlich erklommen haben. Der ganze See hat was mystisches an sich, der Legende nach liegt hier der Ursprung der Incas. Die alte Religion ist immer noch lebendig, wenn auch mit christlichen Einfluessen vermischt. Auf dem Berg gibt es kleine Altare, dort kann man von Schamanen Rituale fuer alle Lebenslagen abhalten lassen, wir hatten Glueck und konnten einge beobachten. Keine Show-Veranstaltung fuer Touris, die Menschen hier glauben wirklich daran! Koka-Blaetter werden dabei fuer Pachamama ("Mutter Erde") geopfert, Weihrauch geschwenkt, Gloeckchen geleutet, Bier und Schnaps in alle Himmelsrichtungen gespuckt und gesprueht. Alles wird von staendigem Singsang und seltsamen Taenzen begleitet, meist findet das ganze bei Sonnenuntergang statt. Wir haben uns den Sonnenuntergang dort auch angeschaut und ein bisschen von der mystischen Stimmung aufgenommen, jetzt sind wir auch "hijos del sol" - Kinder der Sonne!

Am naechsten Tag gings dann weiter Richtung La Paz, zuerst mit einer winzigen schwankenden Faehre. Kirsten war ganz gruen im Gesicht, denn dieses Bretterding hat ordentlich geschaukelt. Dann stellt sich ziemlich schnell die Frage nach der naechsten Tankstelle, aber wir sind in Bolivien. Hier sieht alles a bissl anders aus, keine Tanke weit und breit. Dafuer wird aber quasi an jeder Ecke Benzin aus Faessern verkauft, das dann per Trichter in den Tank gekippt wird. Jetzt war Joerg gruen im Gesicht, zumal er kurz vorher einen Nagel in seinem Reifen entdeckt hatte. Kein guter Start fuer Hondi hier in Bolivien, aber sie hat alles ohne Zicken hingenommen! La Paz war dann schnell erreicht, eine riesige, laute, quirlige und haessliche Stadt, wie immer mit abartigem Verkehr. Heike und Christian hatten hier ein Hostal mit Parkplatz ausfindig gemacht, da sind wir hingefahren. Wir fanden La Paz erstmal ziemlich aetzend, also haben wir sofort am naechsten Tag wieder die Biege gemacht. Ne ne, nicht mit den Moppeds, sondern mit dem Flugzeug, und zwar in den unaussprechlichen Dschungel-Ort Rurrenabaque (man muss ein paar Bier trinken, dann spricht es sich ganz leicht :-))). Der Flug war schon ziemlich abenteuerlich, wir sassen auf einmal in einer winzigen einmotorigen Propellermaschine, die Muehe hatte in die Luft zu kommen...Das hat vielleicht geschaukelt, wieder gabs gruene Gesichter! Nach nur einer Stunde Flug war dann unter uns auf einmal eine astreine Dschungel-Landebahn, wie wir sie bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Der will doch nicht da landen...doch er will. Der Kontrast koennte nicht groesser sein: eben noch in La Paz auf fast 4000m bei nur 12 Grad, jetzt im Dschungel bei bestimmt 35 Grad und ungefaehr 10000% Luftfeutigkeit! Aber das Oertchen ist echt nett und am naechsten Morgen gings los, zuerst 3 Stunden mit einem Jeep ueber unglaublich staubige Pisten, dann 3 Stunden mit einem Einbaum ueber den Rio Beni zu unserem Camp. Die Fahrt auf dem Fluss war unglaublich, nach ein paar Minuten lagen schon die ersten Alligatoren und Caipibaras (Wasserschweine) einfach so am Ufer rum. Schildkroeten gabs in unglaublichen Mengen, genauso wie verschiedene Adler, Paradiesvoegel und andere Wasservoegel. Der Rio Beni hat im Moment sehr wenig Wasser, es hat seit Monaten nicht mehr geregnet. Schlecht fuer die Natur, gut fuer uns Touristen, weil sich alles auf kleinem Raum draengelt und man super viele Tiere sieht. Ploetzlich tauchen rosa Flussdelfine auf, wir waren sprachlos! An einer etwas tieferen Stelle konnten wir dann schwimmen gehen. Tja, dann vergessen wir mal schnell welche Krankheiten man sich in so einem langsam fliessenden Dschungelfluss einfangen kann...wie oft im Leben hat man schon die Gelegenheit, mit Flussdelfinen zu schwimmen? Also rein in die truebe Bruehe, angeblich gibts es genau an dieser Stelle keine Alligatoren und Piranas...naja, unser Guide muss es ja wissen, er schwimmt hier oefter und lebt offentsichtlich noch. Es war sowieso wieder ein spezieller Guide, mit Tarnuniform und ordentlichem Schnapskonsum. Er hat quasi mehr Sprit verbraucht als sein Boot, aber er war ein echt guter Guide, der uns viel gezeigt und erklaert hat. An diesem Tag begegnet uns noch ein riesiger Ameisenbaer, wohl eine echte Sensation, ausserdem noch Bruellaffen und Totenkopfaffen, einfach genial!!! Unser Camp hat sogar eine Dusche und richtige Klos, auch wenn in einem Klo ein Frosch wohnt, der immer fast runter gespuelt wird, der Arme :-). Tina, unsere Koechin, maestet uns die naechsten 3 Tage mit unglaublich leckerem Essen, und morgens wecken uns die Bruellaffen ueber unseren Huetten mit ihrem Geschrei und die Tucane kacken aufs Dach. Am zweiten Tag steht eine Wanderung durch die angrenzende Pampa auf dem Programm, es ist wieder unglaublich heiss. Unser Ziel ist ein Seengebiet, dort suchen und finden wir Anacondas ! Der schweisstreibende Marsch hat sich gelohnt, die Schlangen sind riesig. Abends gibts dann eine Nachtflussfahrt ohne Motor, die Dschungelgeraeusche kann man nicht beschreiben und wir leuchten mit unseren Taschenlampen in die Augen der Alligatoren, die in der Dunkelheit rot aufleuchten. Erst jetzt sieht man wie viele hier tatsaechlich rumliegen, hier gehen wir nicht mehr schwimmen! Piranas haben wir erstsmals am naechsten Tag gesehen, da haben wir sie naemlich geangelt. Sobald der Haken mit dem Fleisch im Wasser war gings los, unglaublich wie die kleinen Fresser ruchzuck alles abgenagt hatten! Die Bruehe fing tatsachlich an zu brodeln, wenn sie sich auf den Haken stuerzen. Wir haben alle wieder frei gelassen, keiner wollte sie grillen und essen. Zum Abschluss sehen wir noch zwei riesige Kaimane, die sehen schon ziemlich furchteinfloessend aus mit ihren 4-5 Metern Laenge. Die 3 Tage hier waren viel zu schnell um, wir waren wieder mal voellig begeistert. Nach einer lustigen Abschiedsfeier in der Moskitobar in Rurrenabaque (hier heissen die Cocktails so wie die Krankhe iten, die man sich hier fangen kann: Malaria, Dengue-Fieber, Amoebiasis...:-)) und einem turbulenten Rueckflug sitzen wir jetzt schon wieder frierend und nach Sauerstoff schnappend in La Paz. In zwei Tagen machen wir einen kleinen Abstecher nach Nordchile in den Lauca-Nationalpark, Lamas aergern! Anschliessend geht es wieder zurueck nach Bolivien, wie immer Richtung Sueden, mal schauen, welche Abenteuer auf uns warten! So, jetzt seid ihr wieder in alle Einzelheiten eingeweiht! Ihr seht, uns geht es immer noch bestens, keine Reisemuedigkeit, kein richtiges Heimweh, es macht immer noch einfach nur Spass.

Auf uns wartet jetzt die Currywurst und Erdinger Weissbier...

Tschuessi und bis bald

Kirsten und Joerg

 
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