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Südamerika 2004 
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fast schon Bolivien, geschrieben von Kirsten und Jörg am 18.09.2004

Buenos dias alemanes,

ja, wir sind immer noch in Peru. Aber nicht mehr lange, wir sind schon gaaanz kurz vor Bolivien. Oder Chile, wir koennen uns noch nicht so richtig entscheiden, wo es als naechstes hingeht :-). Die letzte Nachricht hattet ihr aus Cusco, der alten Inka-Stadt. Hier haben wir 3 Tage verbracht und einige Sachen reparieren lassen, die so langsam den Geist aufgeben, z.B. meine (Kirsten) Koffertraeger. Aber dazu spaeter mehr.

Von hier aus sind wir ins heilige Tal der Inka, ins Valle sacrado, gefahren. Am Ende dieses langen Tals liegt das kleine verschlafene Doerfchen Ollanta, unser Ausgangspunkt fuer die Erkundung von Machu Picchu. Man kann nur mit dem Zug dort hinfahren, da es keine Strasse oder Piste gibt. Hier in Ollanta haben wir Hans und Irene wieder getroffen, die zwei Schweizer, die mit dem Jeep von Alaska nach Feuerland fahren. Wir hatten sie in Ecuador kennen gelernt und zufaellig in Cusco wieder getroffen. Mit ihnen sind wir nach Aguas Calientes, dem Dorf bei Machu Picchu gefahren. Gleichzeitig mit hunderten anderer Touristen wurden wir dort aus dem Zug ausgespuckt (gegen halb 10 abends) und hatten keine Lust, uns den Massen anzuschliessen, die nun alle auf Hotelsuche gehen. Also schlug Joerg vor, erst mal ein Weinchen trinken zu gehen, da waren alle sofort dabei! Eine Flasche spaeter waren die Menschenmassen verschwunden und die Hotelpreise deutlich niedriger! Machu Picchu ist DER Touristenmagnet von ganz Peru , hier ist natuerlich jede Menge los. Ganz zu schweigen von den gesalzenen Preisen...Fuer 1 1/2 Stunden Zugfahrt mit einer Bimmelbahn haben wir sage und schreibe 42 Dollar pro Person bezahlt, fuer peruanische Verhaeltnisse ist das unglaublich viel Geld. Hinzu kommen noch 20 Dollar Eintritt pro Nase fuer die Ruinen (Joergs Zinken zaehlte beinah doppelt...:-))!

Doch als wir dann die Ruinen sahen, waren wir absolut begeistert. Selbst der doppelte Preis haette sich gelohnt, denn wir haben noch nie so etwas beeidruckendes gesehen. Die Anlage liegt auf einem steilen Bergruecken, umgeben von genauso steilen Gipfeln voller Bergwald. Es ist eine komplett erhaltene Stadt, mit Wohn- Arbeits und Tempelbereichen, die erst vor knapp 100 Jahren entdeckt wurde. Die meisten von euch werden sicher schon mal Bilder davon gesehen haben, aber die spiegeln nicht im Geringsten diesen Ort wieder. Wir waren frueh morgens dort und die Stimmung war einmalig, da die Ruinen langsam aus dem Nebel auftauchten. Wir haben stundenlang oberhalb der Stadt auf einem Huegel gesessen und nur den Ausblick genossen. Die Touristenmassen, die gegen Mittag hier auftauchen (bis zu 2000 Menschen pro Tag in der Hochsaison) verteilen sich in der riesigen Anlage allerdings erstaunlich gut, man findet immer wieder stille Eckchen und selbst die umherlaufenden Llamas (Biorasenmaeher) hatten Zeit fuer...:-).

Besonders die riesigen Steinwaende haben uns fasziniert, bis heute weiss man nicht, wie diese tonnenschweren Bloecke so passgenau ohne eine einzige Fuge aufeinander geschichtet wurden. Der Tag war viel zu schnell zu Ende, wir waren fast 10 Stunden dort und haben natuerlich jede Menge Fotos geschossen. Uebrigens wurden wir hier tatsaechlich von einem Llama bespuckt, aber nur weil andere Touris den Typ so doll geaergert hatten. Wir waren gerade zur falschen Zeit am falschen Ort und wurden Opfer seiner Attacke (die Sau!)!Am naechsten Tag sind wir frueh losgeritten, denn wir wollten zum Colca Canyon, angeblich wieder mal der tiefste Canyon der Welt. Wir wussten, das wir die meiste Zeit ueber unasphaltierte Piste fahren muessen, aber das sind wir ja inzwischen gewohnt. Allerdings konnten wir hier zum ersten mal nicht wirklich kalkulieren, wie weit wir kommen wuerden, denn hier beginnt das sogenannte Altiplano, eine Art Hochebene ueber 4000m, die sich noch bis Sued-Bolivien ausdehnt. Dementsprechend hatten wir Essen dabei und die Wasserkanister aufgefuellt, man weiss ja nie.

Unser Tagesziel war dann wider Erwarten schnell erreicht, also sind wir noch weiter gefahren. Leider direkt in einen Schnee-Hagel-Gewitter-Sturm, die Blitze sind direkt neben uns eingeschlagen, der Schnee klebte auf dem Visier und wir fuehlten uns der Natur "sehr nahe". Hier mussten wir also noch durch, deshalb sind wir an diesem Tag viel zu lange gefahren und haben kurz vor dunkel noch eine Art Ruine aus Mauerresten im Ni chts gefunden, in die genau das Zelt und die Moppeds reingepasst haben (nachdem wir dieses Gebaeude noch ein bisschen mehr zerstoert hatten). Die Nacht war saukalt (-5 Grad) und aufgrund der Hoehe von 4300m nicht sehr erholsam. Aber der Sternenhimmel kann nirgenswo schoener sein und morgens mussten wir erst mal unser Wasser in der Sonne auftauen lassen! Zum Canyon, unserem eigentlichen Ziel war es nochmal ein strammer Tag ueber mittelmaessige Piste, und wir erreichten den Aussichtspunkt an der tiefsten Stelle der Schlucht am spaeten Nachmittag. Dieser Punkt ist bekannt fuer seine gute Thermik, hier sieht man die riesigen Condore in die Luft steigen. Eigentlich ist Zelten hier nicht erlaubt, aber wir haben unser Stoffhaus direkt am Rand des Aussichtspunkts "Mirador Cruz del Condor" aufgebaut. So haben wir abends schon einige der Riesenvoegel fliegen sehen und waren morgens die ersten. Wir hatten uns sogar den Wecker gestellt, denn hier konmmen ab 7 Uhr busseweise Touris an. Stellt euch vor, wir haetten noch im Schlafsack gelegen, wenn eine schwaebische Rentnergruppe plappernd vor unserem Zelt auftaucht...so hatten wir schon alles verpackt als der Sturm losbrach :-). Es hat sich wirklich gelohnt hier her zu fahren, denn in der Morgensonne steigen die Condore schwerelos den Hang hoch, wir haben jede Menge Voegel beobachten koennen. Der weitere Weg sollte laut unserer Karte fast vollstaendig asphaltiert sein, also kein Problem. Wir wollten nach Arequipa, wo wir mit Bob Morley (nicht zu verwechseln mit Bob Marley, den treffen wir hoffentlich nicht so bald...) verabredet sind, einem Englaender den wir in Ecuador kennengelernt hatten. Er ist eigentlich auf einer 4 jaehrigen Motorrad-Weltreise, aber hier in Arequipa kam ihm die grosse Liebe dazwischen, gut fuer uns! Nun ja, ich schweife schon wieder ab.

Die Strasse war also tatsaechlich nicht asphaltiert, was uns dann doch wieder einen harten Tag beschert hat. Leider ist unsere Karte, die noch aus Deutschland stammt, sehr ungenau, um es mal vorsichtig auszudruecken. Ein solcher Fehler in der Karte kann schon Auswirkungen haben, denn Zeit und vor allem Wasservorraete kalkuliert man bei 180 km Asphalt ganz anders als bei 180km Piste (aber wie ihr seht leben wir noch)! Die Landschaft hat aber wieder mal fuer alle Strapazen entschaedigt, denn die Strecke fuehrte durch das einsame "Tal der Vulkane". Tal ist eigentlich der falsche Ausdruck, da wir auch hier wieder um 4000m unterwegs waren. Irgendwann war aber auch das geschafft (der muehsam geflickte Koffertraeger hat Tal der Vulkanenatuerlich nicht durchgehalten und der Koffer haelt jetzt nur noch mit etlichen Spanngurten...)und wir erreichten Arequipa im Dunkeln, was echt aetzend war. Wir hatten uns ein gutes Hotel aus dem Reisefuehrer rausgesucht, und waren heilfroh, als wir dort waren (Joerg musste zwischendurch einem Bus die Tuer eintreten, um nicht ueber den Haufen gefahren zu werden...). Nix wie ab unter die Dusche, da freuen wir uns scho n seit Tagen drauf, denn nach soviel Piste sitzt der Staub in jeder Pore und wir haben die gleiche Farbe wie die Umgebung. Und dann? Ihr ahnt es, die Dusche blieb kalt! Das ist genau das, was ein durchgeruettelter, eingestaubter, mueder, hungriger Motorradfahrer, dem alle Knochen weh tun, nach drei Tagen ohne Badezimmer jetzt braucht. Joergs Wutausbruch an der Rezeption habt ihr bestimmt ueber den Ozean gehoert! Rotwein und Pizza haben unsere Gemueter dann doch wieder beruhigt und wir werden uns hier ein paar Tage erholen, bevor wir endgueltig zum Titicaca-See und nach Bolivien aufbrechen (oder doch zuerst nach Nord-Chile?).

So, jetzt wisst ihr das Neueste und koennt euch ein paar Tage von unsrern Riesen-mails erholen :-).

Hasta la proxima und viele Gruesse

Kirsten und Joerg
 
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